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BLACKMAIL - UND JETZT ALLE!

Festivals sind im Grunde alle gleich. Es sind immer dieselben Prozedere, ähnliche Leute, ähnliches Catering und das immer vorhandene Balzgehabe. Wir haben uns dieses Jahr fast wirklich jedes Festival gegeben und sind uns immer noch nicht ganz sicher, was das Ganze eigentlich gebracht hat...

Natürlich kann ich jetzt nicht auf jedes Festival eingehen, deswegen beschränke ich mich nunmehr auf die Highlights der Saison. Rock am Ring - die Mutter aller Festivals. Ich kann nicht wirklich sagen, dass RaR eins meiner Lieblingsfestivals ist, aber man muss einfach zugeben, dass dieses Festival grosses Kino ist und ein Flair hat, welches andere Festivals einfach nicht hinbekommen. Alle, die man irgendwo in der Musikbranche schon einmal getroffen hat, sind hier und zelebrieren ihr Wichtigsein. Ja, man ist Teil von etwas und man gehört dazu. Man schaut sich Bands an und macht Geschäfte. Nicht die kleinen, sondern die ganz großen Geschäfte. Man redet und redet und tauscht Telefonnummern aus, um sich nach dem grossen Besäufnis zu fragen, zu welchem Gesicht der seltsam anmutende Name auf dem Zettel, den man zerkauert in der Hosentasche gefunden hat, denn nun gehört. Man denkt kurz nach, schmeisst den Zettel weg und säuft weiter.
Der erste grosse Hammer kam für uns auf dem Hurricane. Wir durften endlich mal im Zelt spielen und es wurde bestätigt, dass wir dort besser aufgehoben sind als um 12 Uhr auf der Hauptbühne. Backstage wollte ich unbedingt Charlotte Roche und Björk treffen. Bei der ersten hatte ich Angst vor einer Abfuhr und bei der zweiten hatte ich Angst vor dem Bodyguard, also hab ich beides gelassen und stattdessen die Zeit genutzt um Good Charlotte zu sagen, wie schlecht ich sie eigentlich finde. Diese Nummer war eigentlich die gefährlichste von allen: Ein Amerikaner versteht keine Kritik und ehe ich mich versah, stand ich inmitten seltsam geschminkter und nicht wirklich gut aufgelegter Charlotten. Gott weiss, warum sie nicht zugeschlagen haben, aber ich denke, dass der Manager sie davon überzeugen konnte, dass sie es mit mir nicht aufnehmen können. Welch ein Glück, dass ich so groß und muskulös bin. Eigentlich sollten sie mir dankbar sein, denn jede Band, die ich bis jetzt beleidigt habe, hatte danach großen Erfolg. Diesem Wochenende folgten noch einige, die wir mit einer gewissen Routine hinter uns brachten. Aber in Salzburg sollte alles anders werden. Das FM4 hatte nicht nur ein fantastisches LineUp, sondern konnte auch mit einer Premiere für uns aufwarten. Es war das erste Mal, dass das Publikum auf die Stellung meiner Arme reagierte. Je höher ich sie riss, desto heftiger wurde die Reaktion der Publikums. Ich konnte gar nicht glauben, wie einfach dieses Phänomen funktionierte und wieviel es einer Band wieder gab. Es macht einfach mehr Spass auf der Bühne, wenn man merkt , dass es den Leuten nicht egal ist, ob man gerade musiziert oder sich am Sack kratzt. Bleibt noch zu erwähnen, dass die „Folklore im Garten“ wahrscheinlich zum letzten Mal in Wiesbaden stattfand. Ich bitte euch Wiesbadener: Lasst dieses nette Familienhappening nicht sterben und protestiert dagegen! Alles in allem hat dieser Sommer wirklich Spaß gemacht und ich freue mich auch schon auf den nächsten, aber jetzt sind erstmal die Clubs dran.
In diesem Sinne,

Aydo Abay
Weitere Infos: www.blackmail.de
© 01. Oktober 2003  WESTZEIT ||| Text: Aydo Abay ||| Foto: Kai Myller
Oktober 2003

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