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MUSE - Extrem ohne Limit

Als die drei Engländer 1999 scheinbar aus dem Nichts auftauchten, führten sie das Musikbiz mit einem wahren Rockmonster von Debütalbum vor. Selten hatte ein Trio mit seinem Stil dermaßen die Grenzen der Rockmusik bis in die unsichersten Ecken ausgelotet. Auch auf ihrem Zweitling schien ihnen kein Sound zu bombastisch und nichts heilig zu sein. Mit der neuen Scheibe "Absolution" setzen die Überflieger noch einen drauf und beweisen, dass Muse auch nach vier Jahren am Limit aufregend bleiben.

Da steht dieser kleine, schmächtige Matthew Bellamy und macht im wahrsten Sinne des Wortes auf der Bühne Liebe. Wie in Trance und als ob er allein wäre mit seiner Musik. "Meine Beziehung zur Musik war mir schon immer sehr wichtig. Es stellt für mich mehr dar, als einfach Spaß zu haben. Seit frühster Jugend ist das meine Art mit schwierigen Situationen im Leben umzugehen. Die Musik war immer für mich da", erzählt er im Interview und spricht dabei fast wie von einer realen Person, die ihm Tag für Tag die Hand hält. "Im Alltag schiebt man viele Gedanken und Gefühle beiseite, weil man sich nicht ständig damit aufhalten kann oder sie nicht verarbeiten kann. Das tue ich dann durch meine Songs, weshalb sie auch stark autobiographisch geprägt sind." Die persönliche Achterbahnfahrt, die Bellamy in tiefsinnige und treffende Worte kleidet, kommt auch klanglich voll zum Ausdruck.

"Melodien repräsentieren eher die nicht-körperliche Seite des Lebens, mit all ihren Gedanken und Gefühlen. Krach hingegen steht mehr für die aggressive, körperliche Seite. Ich versuche die Balance zwischen diesen Polen zu finden." Also bietet ihm seine Arbeit als Musiker, den nötigen Halt, um in der Welt eines modernen Superstars nicht heillos abzustürzen. "Das Musikmachen ist schon so eine Art Ersatzreligion, selbst wenn ich nie besonders gläubig war. Musik bedeutet für mich, Urlaub von den alltäglichen Dingen zu nehmen. Ich empfinde es als erlösenden Prozess, wenn ich Musik mache." Der Albumtitel spielt nicht zufällig mit der religiösen Bedeutung von Erlösung und Vergebung. "Das Album beschäftigt sich viel mit dem Gedanken, dass Dinge zu einem Ende kommen und mit der damit verbundenen Angst. Dabei kann es sich um das Ende einer Beziehung handeln oder dass man seinen Job verliert." Aus gegebenem Anlass flossen natürlich auch die Kampfhandlungen am Persischen Golf in das Songwriting mit ein. "Der Irak-Krieg ist auch eine Art Endzeitszenario. In ‚Rule by Secrecy‘ geht es um das Misstrauen gegenüber den Leuten, welche unsere Gesellschaft beherrschen", erklärt Matt und fügt noch hinzu: "Wenn es eine solche Kontrolle überhaupt gibt und das alles nicht ein nur riesiger chaotischer Misthaufen ist." Doch trotz einer gewissen Endzeitstimmung, die sich bei Bellamy breitgemacht hat, blickt er nach vorne. Zumindest musikalisch sieht er da keine Ende für Muse. "Man weiß nie, was noch kommt. Es gibt noch soviel, was uns interessiert und was wir noch ausprobieren wollen. Da werden bestimmt noch einige großartige Alben draus." Nach Bombast-Rock, zuckersüßen Pianoballaden und den neusten zarten, elektronischen Ausflügen, darf man sich vielleicht auf eine Kehrtwende gefasst machen. "Wir würden gerne einmal mit etwas minimalistischeren Sounds arbeiten, vielleicht mit rein akustischen Klängen", schmunzelt er. "Wir haben ja auch auf den früheren Alben mit vielen verschiedenen Stilen gespielt. Solche Experimente haben wir nie fortgeführt und dort gibt es noch einiges Potential" und für eine Band wie Muse keine Grenzen.



Aktuelles Album: Absolution (Motor)
Weitere Infos: www.muse.mu
© 01. Oktober 2003  WESTZEIT ||| Text: Manuel Schülke
Oktober 2003

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