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HARMFUL - Arbeiter aus Leidenschaft

Genau 2 Jahre nach dem wunderbaren „Wromantic“ erstrahlt Harmful mit alten Tugenden in neuem Licht. „Sanguine“ wird seinem Namen gerecht und liefert gepfefferten NoiseRock mit liebevoll eingebetteten Inhaltsstoffen wie Hardcore-Elementen und viel Melodik, wie es diese Band seit ihren Anfängen zu tun pflegte. Und doch hat sich viel getan. Und doch ist die Band immer noch nicht müde, wie Sänger/Gitarrist Aren Emirze gerne erneut bestätigt.

So war der Schritt vom Major zurück zu einer kleineren Plattenfirma eben kein Rückschritt, sondern eine logische Folge. „Wir haben uns einfach nicht wohlgefühlt und konnten uns nicht richtig mit der Ausrichtung des Labels identifizieren. Das Major-Geschäft ist sehr schnelllebig. Das einzig Positive war, dass die Firma in uns investiert hat und uns unser Ding hat machen lassen. Aber irgendwie war das nicht Rock‘n‘Roll genug, da kommt unser neues Label unserem Underground-Spirit schon bedeutend näher.“ Und es wurde direkt ein Traum für die Band wahr: „Sanguine“ erscheint auch in den USA! „Das ist natürlich nur ein kleiner Schritt, aber es ist zumindest einer. Es wird auch dort Promotion geben, aber ich denke nicht, dass es viel wird. Aber man wird Harmful dort hören können, und das ist gut!“ Man kann dies sicher als Erfolg werten, reihte sich das letzte Album auch dort ein? „Sicher gibt es einige Bands, die gerne in unserer Situation wären, es ist aber auch manchmal genau andersrum. Dieses Herumreiten auf Plattenverkäufen ist doch furchtbar. Wir sind mit unserer Situation zufrieden, wir haben mit jeder neuen Platte mehr verkauft, mehr Fans hinzugewonnen und das ist doch ein schöner Prozess, immer ein Stückchen nach vorne zu gehen. Der Weg ist das Ziel und daran ändert sich auch mit diesem Album nichts.“ So hat sich auch inhaltlich nicht viel geändert, ausser das ein wenig mehr Melancholie und Härte im Spiel ist. „Durch die Querelen mit der Majorwelt ist eine Seite von uns im Verborgenen geblieben, die jetzt wieder befreit aufspielen kann. Das ist unsere harte, mitunter anstrengende Seite, die trotz unserer Entwicklung nicht in Vergessenheit geraten ist. Es ist eine harte Platte geworden, der es nicht an Melodie fehlt, die aber verschlüsselter wirkt.“ Eben eine Herausforderung, die bei anhaltendem Konsum die gewünschte Wirkung erzielt: sie fesselt. Wohl auch, weil der ständige Arbeitstrieb der Band keine Ruhepausen zulässt. „Wir schreiben schon wieder neue Songs, die Harmful-Maschinerie läuft! Wenn das irgendwann aufhören sollte, hat es keinen Sinn mehr, auch, wenn sich die Platte millionenfach verkauft.“ So kommt es auch bei der eingespieltesten Band mal zu Reibereien. „Aber nie auf musikalischer Ebene, sondern mehr auf der persönlichen. Diese Situationen haben uns aber stärker gemacht und wir sind mittlerweile echt robust, was diverse Eskapaden angeht, weil wir untereinander eine starke Einheit sind und wir einfach wissen, was wir wollen. Das geht sicherlich auch nicht an unseren Zuhörern vorbei, weil wir kontinuierlich arbeiten und das auch zeigen.“ Welche Band spielt heutzutage schon ihr fünftes Album in Originalbesetzung ein! „Das zeigt, dass wir es ernst meinen. Für uns ist Harmful einfach mehr als nur ein Hobby, sondern eine Lebenseinstellung, die wir mit ein bisschen mehr Wut auf dem neuen Album verewigt haben. Die Platte klingt frisch, mutig und vor allem kein bisschen müde.“ Harmful werden sich selbst einmal mehr gerecht. Ihr Name trägt ihrem Sound Rechnung und mit „Sanguine“ - heissblütig - ist ein Adjektiv gefunden worden, dass nicht nur den neuen Longplayer treffend beschreibt, sondern auch die Band an sich. Und, nebenbei bemerkt, hat die Betitelung eine interessante Geschichte. „Ich habe ein Interview mit Madonna‘s Ehemann Guy Ritchie gesehen, in dem er versuchte, etwas sehr intensives, fast schon transzendentales zu beschreiben, aber er hat einfach dieses Wort nicht gefunden. Und ich klebte vorm Fernseher und fragte mich, was der Typ denn ausdrücken möchte, bis er es auf einmal als „sanguine“ beschrieb. Da kannte ich die Übersetzung des Begriffs noch gar nicht, aber ich wusste sofort, dass es etwas ist, das sehr viel Leidenschaft und positive Energie ausdrückt. Und das trifft auch auf uns zu. Wir stehen stets zu unserer Sache und glauben daran. Es geht weiter. So lange man das respektiert und wir diese Energie auch live rüberbringen, können wir uns glücklich schätzen.“ So zieht sich das Konzept auch bis hin zur Covergestaltung. „Die Dame ist eine einzige Versuchung. Eine Versuchung des Oberflächlichem im Leben. Unser Verstand gaukelt uns oftmals nur plakative Dinge vor. Es ist ein erotisches, ästhetisches Bild, das diese Person nicht abwertet. Und es passt gut in die Reihe unserer alten Platten, sie sind alle relativ steril, aber farblich intensiv.“ Ein Kontrast, den Harmful anno 2003 mehr denn je verkörpern. „Wir wollten immer, das man sich nicht genau vorstellen kann, wie die Musik denn klingt, wenn man sich das Cover ansieht. Man muss eben nicht immer das Klischee erfüllen.“



Aktuelles Album: Sanguine (Steamhammer/SPV)
Weitere Infos: www.harmfulweb.de
© 02. Oktober 2003  WESTZEIT ||| Text: Axel Nothen ||| Foto: Thorsten Klapsch
Oktober 2003

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