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Terrorgruppe - Bin Laden kann keine Instrumente spielen

Schon seit langem gehört Terrorgruppe zu den besten West-Berliner Punk-Bands der 90er. Inspiriert von amerikanischen Vorbildern wie den Wipers, Adolescents, Social Distortion und Descendents, oder anklingend englischen Eroberern wie in etwa The Clash, The Boys oder UK Subs, flirten die vier "Spaß-Terroristen" mit den musikalischen Zutaten der Genannten. Natürlich haben auch deutsche Helden wie Slime, ZK, Male und nicht zuletzt auch Die Ärzte, mit denen sie schon zusammen tourten und eine Split-EP ("Rockgiganten vs. Strassenköter") aufnahmen, ihren schöpferischen und ideologischen Niederschlag auf die Terrorgruppe nicht verfehlt. Ihre Texte spiegeln Zukunftsangst, Sarkasmus pur, Post-Pubertät und den Heißen Herbst wieder. Und ausgerechnet zwei Jahre nach dem 11.09. veröffentlicht eine hiesige terroristische Vereinigung ihre Betrachtungsweisen (mit leichtem Anti-Ami-Einschlag) via Konserve auf dem Tonträgermarkt eines Schurkenstaates. Auf jenem Stück Erde wo die Verbrechen am Big-Apple vorbereitet wurden. Wenn das mal keine Kriegserklärung ist?!

"Willkommen zum verflixten 7. Album der Terrorgruppe, endlich haben sie es vollbracht…" lautet die Einleitung des heurigen Infos zu "Fundamental", für dessen Aufnahme sie sage und schreibe 15 Monate benötigten und nicht wie sonst üblich, höchstens zwei Wochen. Und wenn man davon ausgeht, das sie ihre Mixtur aus Punk, Schweinerock, Powerpop, Reggae, Surf und Ska, die sie selbst als "Aggropop" bezeichnen, von Album zu Album verfeinerten, muss dies ein Hammer-Album sein. Was hat "Fundamental", was ihre anderen Alben nicht hatten? Ein Slogan, der nicht nur in der Werbebranche auf offene Ohren und neugierige Gemüter stößt. Zeit und Stoff für ein Telefonat mit Johnny Bottrop, seines Zeichens Gitarrist und Texter der "Alka-Seltzer-Vereinigung".
Wie kam es zu der langen Produktionszeit von "Fundamental"?
"Immer dann wenn wir gerade Zeit hatten, z.B. zwischen Touren und Konzerten, gingen wir ins Studio. Wir haben die Songs wie einzelne Singles aufgenommen. Daher ist ´Fundamental´ eine Single-Compilation."
Die letzten Alben hatten so etwas wie ein Konzept. Habt ihr auch diesmal wieder eine geschlossene Themenstellung verfolgt?
"Es geht um die Rückkehr von Fundamentalismen in die Köpfe der Menschen und alle damit verbundenen Desaster. In den letzten Jahren und gerade nach dem 11. September findet bei immer mehr Menschen eine Rückbesinnung mittelalterlicher Posen statt. Patriarchade Gedanken, religöser Wahn und die Begierde nach einfacher Volks- und Stammes-Gemeinschaft, sind die Folgen. Unsere neuen Songs halten dagegen, spiegeln den puren Sarkasmus wieder und sollen zum Nachdenken anregen."
Das heisst, diese Thematik zieht sich wie ein roter Faden durch eure Songs?
"Ja, angefangen von Aberglauben ("Hedonistische Heilfront") über schnelle Schuldzuweisungen ("Marylin") bis hin zu Anti-Werten aus 25 Jahren Punkrock ("Pogotopia")."
Aber eure erste Single-Auskopplung "Angela", eine Persiflage auf Frau Merkel, fällt da aber wohl etwas aus dem Rahmen!?
"Den Song haben wir genommen, weil er mit einem astreinen Garagenbeat untermalt ist. Und da die Hits aus den 50ern immer mit ´see that girl…´ anfingen, dachten wir uns das passt schon."
Ihr habt mit Slash Vicious einen neuen Mann am Bass.
"Mit ihm haben wir das Glück im Döschen. Seit er die Saiten zupft, ist der Bass laut und fett, was unserem Sound echt zugute kommt."
Welche Auswirkungen hat der (Band-)Name Terrorgruppe nach dem 11. September?
"Wir haben nach dem besagten Tag keine Konzertanfragen aus den USA bekommen. Selbst nicht von Veranstaltern und anderen Bands, die der Punkszene angehören. Auf unserer Webseite waren urplötzlich vieleSaudis, Angehörige der Armee, der Sicherheitsdienst der USA, wir bekamen Drohungen. Das hatte zufolge, das wir für zwei Tage überlegten, unseren Namen zu ändern. Aber dann dachten wir uns: Bin Laden kann keine Instrumente spielen!"

Aktuelles Album: "Fundamental" (Destiny / Aggropop / SPV) VÖ: 6.10.
Weitere Infos: www.terrorgruppe.com
© 01. Oktober 2003  WESTZEIT ||| Text: Georg Lommen
Oktober 2003

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