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THE MOVEMENT - Wer rastet, der rostet!

Bei dem Begriff Mod denkt man sicherlich zuerst an The Who und The Jam, Tommy, aufgemotzte Vespa-Roller, Parkas und Union Jack. Ab jetzt darf man getrost noch die dänischen The Movement einreihen, die mit vollem Elan und ein paar Sprenklern Ska und Punk dem Mod-Pop von einst neues Leben einhauchen. Agilität wird groß geschrieben, politisches Bewusstsein ist auch mit im Boot, Feuer frei also für eine Band, die einen etwas anderen Retro-Spirit mit sich führt, als viele ihrer skandinavischen Kollegen.

Sprachrohr und Mastermind des unzähmbaren Trios ist Lukas Scherfig, der die Bandphilosophie schnell auf den Punkt bringt. „Wir möchten kraftvolle Musik machen und als Bewegung alles, was von politisch linker Seite kommt, unterstützen. Das und nichts anderes ist unsere Zielsetzung.“ So ist der Bandname nicht nur auf musikalischer Ebene im Sinne von extrem tanzbarer Unterhaltung zu deuten, sondern auch als Bewegung gegen rechte Vorhaben. So kam es auch, dass die Band mehr oder weniger durch Mundpropaganda innerhalb des letzten Jahres zahlreiche Shows vor allem in Deutschland spielte. Und das, obwohl sie bis auf ein paar Demotapes bislang keine Veröffentlichung zu verzeichnen hatten. „Durch das Internet und einige Mod-Communities bekam ich Kontakte zu Clubs und Veranstaltern, wir spielten auf einem großen Mod- und Scooter-Festival, woraufhin sich viele Leute per e-mail meldeten und wir irgendwie nach Berlin kamen und im Wild At Heart auftraten. Dort trafen wir auch Archie von der Terrorgruppe, der schließlich unser Album produzierte.“ Wird die Message denn vom Publikum angenommen und verstanden? „Ich denke schon. Viele Leute kommen natürlich nur wegen unserer Musik, aber unsere Message ist eigentlich ziemlich simpel, sie ist sozialistisch und anti-kapitalistisch.“ In Berlin wird diese Bewegung inzwischen sehr wohlwollend aufgenommen, ausverkaufte Clubs sprechen für sich. Im Gegensatz zur skandinavischen Rock‘n‘Roll-Bewegung mit Bands wie Turbonegro, The Hellacopters, The Hives oder Gluecifer konzentrieren sich bei The Movement die Einflüsse eindeutig aus der britischen Vergangenheit. „Bei uns in Dänemark ist das ein wenig anders, die größte Rockband wird immer noch D.A.D. sein. Aus Schweden und Norwegen kommen neben einigen guten leider auch eine Menge ganz schrecklicher Bands, die ausser ihrer Attitude-Pflege kaum Weitblick beweisen. Als ich The Movement gründete, hatte ich die Ausrichtung bereits im Kopf. Ich wollte von Anfang an maximal drei Leute in der Band, die mächtig Druck erzeugen und keine auch textlich belanglose Truppe. Das hatte ich zur Genüge in anderen Rockbands. Es macht mit ernsthaften Themen genauso viel Spaß und man kann sich doch etwas abgrenzen.“ Könnte das Rezept auch in einem anderen stilistischen Umfeld funktionieren? „Sicherlich, es wäre schön, wenn es noch viel mehr Bands gäbe, die noch auf vielen anderen Baustellen ausser Hardcore-Punk diese Kunde verbreiten würden. Uns gefällt der Style und der Kontrast, dass man eine Message auch darstellen kann, wenn man sich im Gegensatz zum Punk ordentlich kleidet. Eine radikale Aussage muss man nicht unbedingt radikal verpacken. Unsere Sache wird sich bestimmt auch noch weiter entwickeln.“ Womit dem Namen Rechnung getragen wird. Ende September kann sich jeder selbst ein Bild der Herren machen, bis dahin verwöhnt der exzellente Longplayer zur Genüge. Move!

Aktuelles Album: Move! (Destiny/Aggropop/SPV)
Weitere Infos: www.themovement.dk
© 01. Juli 2003  WESTZEIT ||| Text: Axel Nothen
Juli 2003

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