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THE GENERATORS - Ein Arschtritt fürs Leben

Im Gegensatz zur skandinavischen Rock'n'Roll-Bewegung pflegen The Generators aus Los Angeles kaum Glam-Attitüde, sondern besinnen sich auf die Ausdrucksstärke und Kraft ihres Sounds. Keine Masken, keine Scheinwelt, keine bloßen Floskeln, die das universelle Fake vermitteln mögen. Vielmehr sprechen die fünf Freunde aus ihrer Seele. Wenn es in punkiger, britisch angehauchter Manier um alles geht, bleiben sie sich vor allem selbst treu. So etwas sucht man im heutigen Business oftmals vergeblich. Wenn man dazu noch am Pol des vermeintlichen Verfalls haust, werden die Unterschiede noch deutlicher.

"In L.A. ist alles verrückt.", berichtet Sänger Doug in aller Frühe am Telefon, bevor er seinen täglichen Dienst als Textilverkäufer antritt. "Es gibt Ecken, wo gar keine Musik und Szene existiert, an anderen Stellen konzentriert es sich dermaßen, dass man den Überblick sehr leicht verlieren kann. Vor 20 Jahren explodierte die Punk- und Hardcore-Szene mit Bands wie Black Flag oder den Circle Jerks, die England-Welle schwappte herüber, danach wurde es aber etwas stiller. Der Punk wich dem Glam, Hollywood-Rock'n'Roll wie von Guns'n'Roses war das Ding. Ab dann war es nie mehr dasselbe, alles wurde kommerzialisiert." Eine Tatsache, die von der amerikanischen Jugend in gewissem Sinne leider nicht unterstützt wird. "Hier in Amerika ist es so unglaublich schwer, ein paar Platten zu verkaufen. In Europa ist den Leuten gute Musik noch etwas wert. Hier geben die Kids für alles mögliche Geld aus, nur Musik ist Freiwild im Internet. Die älteren Leute in unserer Heimatstadt respektieren uns als Band sehr wohl, aber für die Jüngeren sind wir einfach schon zu alt, entsprechen nicht mehr deren aktuellen Idealen und sind ganz einfach aus dem Rennen. Sie fressen das, was ihnen aus dem Kommerzsumpf vorgetragen wird. Mein Gott, wir haben halt keine meterhohen Iros, aber sind und bleiben dennoch eine Street-Rock'n'Roll-Band, oder?" Der Name des neuen Albums, "Excess, Betrayal... And Our Dearly Departed" scheint nicht gerade positiv zu klingen und diesem Zweifel Rechnung zu tragen. "Er beschreibt eigentlich nur den normalen Alltag und vor allem das, was uns in letzter Zeit alles widerfahren ist. Der Exzess ist die wahnsinnige Durchführung vieler berauschender Partys, nach 20 Tagen auf Tour sind wir einfach unendlich müde. Wir sollten uns auf diesem Sektor besser etwas einschränken. Die Betrügereien sind allgegenwärtig, immerzu hauen Leute ab und bescheissen dich. Und dann haben wir in den letzten sechs Monaten vier Leute aus unserem Umfeld verloren, was sehr hart war und ist. Unter anderem verloren meine Frau und ich unser Baby. Und genauso schicksalshaft ist uns diese Platte passiert. Als wäre Gott herabgestiegen und hätte sie uns zugeworfen, wirklich verrückt. Das Album hat sich irgendwie selbst gemacht. Wir haben kaum an den Songs gearbeitet, sie sind alle quasi ungewollt entstanden. Eigentlich entsteht so die beste Musik, spontan und unerwartet." So klingt das Ergebnis rau und direkt und zu einem gewissen Maße ungeplant, dafür aber überaus vital. "Wir haben nicht wirklich viel darüber nachgedacht. Ich hatte durch all die aktuellen Begebenheiten im Bandumfeld sehr viel Textmaterial im Kopf. Wenn Du richtig in die Platte einsteigst, kannst du fast einen Film ablaufen sehen. Ich mag es, wenn Musik visuell wird."
So mag das Artwork eher eine dunkle Seite verbildlichen, die Musik überrascht dagegen deutlich mit einer Menge positiver Energie. "Nachdem du eine Menge extrem schwieriger Sachen durchlebt hast, bleibt dir nichts anderes übrig, als weiter zu kämpfen. Jeder Tag ist ein Kampf. Entweder du ergibst dich und bleibt am Boden liegen, oder du bleibst in Bewegung und kämpfst. Und genau dass möchte ich auch zum Ausdruck bringen. Mein Vater hat mich immer in den Arsch getreten, wenn mir was schlechtes widerfahren ist und hat mich immer wieder gefragt, wer mir erzählt hätte, dass das Leben leicht sei. Ich habe in letzter Zeit so viel Scheisse gesehen, aber ich weiss, dass ich überleben kann. Wir alle werden das Schlechte überleben, wenn wir unsere Ziele nicht aus den Augen verlieren und dafür kämpfen." Genauso manifestös betreiben The Generators ihre Version des Rock'n'Roll. Ehrlichkeit und Mut gehören sicher dazu. "Leider haben einige Bands keine natürliche Entwicklung mitgemacht, sondern folgen einfach nur einer bestehenden Richtung mit dem Ziel, ein fest abgestecktes Terrain möglichst solide zu beackern. Es wirkt gekünstelt und zum Teil gestellt. Nun kenne ich ja meine Band besser als jeder andere, aber ich denke, dass wir unsere Echtheit wirklich verkörpern und immer versuchen, so ehrlich und energetisch wie nur eben möglich aufzutreten. Warum sonst würden wir solche wahnsinnigen Partys feiern?" Und die nächsten auf deutschem Boden stehen bereits in diesem Monat an. Nicht verpassen!
Aktuelles Album: Excess, Betrayal... And Our Dearly Departed (People Like You/SPV)
Weitere Infos: www.the-generators.com
© 02. Juli 2003  WESTZEIT ||| Text: Axel Nothen
Juli 2003

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