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THE ROYAL WE - Nichts ist, wie es vorher war

Es hat knapp 5 Jahre gedauert, bis sich Dylan Kennedy, seinerzeit Bassist vom Blackmail-Ableger Scumbucket, wieder der Musik zuwandte beziehungsweise ein neues Zeugnis dessen erschien. Das Potential, das Dylan als Songwriter besitzt ist aller Ehren wert. Nun erscheint nach der EP "A New Sunrise” der erste Longplayer von The Royal We, einer Band, die man wirklich als gewachsen bezeichnen darf. Und natürlich gibt es Unterschiede zu alledem, was vorher geschehen ist.

Die Geschichte der Band beschreibt niemand so wundervoll wie Dylan selbst:

"1999 habe ich mich von Scumbucket getrennt und bin im selben Jahr nach Berlin gezogen. Ich habe hier eine Arbeit gefunden, der ich heute noch mit Freude nachgehe. Ich habe mich völlig von der Musikszene distanziert, da ich davon einfach die Schnauze voll hatte. Ende 2002 geschah dann ein Wunder. Die Silver Jews brachten "Bright Flight" heraus und ich war so von dieser Platte verzaubert, dass ich plötzlich den Drang hatte Musik zu machen. All diese Ideen sprudelten aus mir heraus. Es war so, als ob ich eine Sammlung von Melodien über 60 Jahren auf einmal im Ohr hatte. Ich wußte ehrlich gesagt nicht wohin mit dieser Energie!"

Natürlich erstmal ins Studio! Schön, dass es die alten Kontakte noch gab und etwa Kurt Ebelhäuser zur EP mit Rat und Tat zur Seite stand. Und genau deshalb erkannte man wohl damals gemeinhin Parallelen.

"Ich denke wir reden hier hauptsächlich über den Song "Tomorrow’s Today". Den Song habe ich mit Kurt zusammen geschrieben. Klar treten dabei gewisse Ähnlichkeiten auf, aber ich finde insgesamt, dass die Songs auf der EP sich von Scumbucket stark unterscheiden. Da sind kaum harte Gitarren zu hören. Die Songs sind offener und basieren vielmehr auf Akustikgitarren. Die Ähnlichkeiten stammen wahrscheinlich von den Moll-Melodien ab, die dem ganzen einen melancholischen Touch verleihen. Ich habe ehrlich gesagt nie daran gedacht, den Sound bewußt nach Scumbucket klingen zu lassen. Ich wollte davon ja eher weg. Außerdem kam die aktuelle Scumbucket erst nach meiner EP raus, also liegt mein Einfluß möglicherweise eher bei denen."

Die Eigenständigkeit von The Royal We ist nun, mit dem Debütalbum, manifestiert und zeigt die Philosophie, die Dylan von dieser Band hat, deutlich auf.

"Es sollte schon immer etwas neues und eigenständiges sein. Es stützt sich nicht auf musikalische Trends, sondern auf die Versuchung, interessante Musik zu machen, die mir und meinen Mitmusikern Spaß machen soll."

Und gerade die Mischung der teilnehmenden Musiker scheint das große Plus dieser Band zu sein.

"Ich wollte mit The Royal We flexibel bleiben, damit die Musik sich auch in verschiedenen Richtungen entfalten kann. Somit kann ich auch mal einzelne Instrumente mit Gesang umsetzen und auch mal ein bißchen Minimalismus genießen. Das geht nicht so einfach, wenn ein Schlagzeuger, oder Bassist ständig mitspielen will. Die vollwertige Band ist erst während den Aufnahmen zum neuen Album dazu gestoßen. Die kannten bereits das Prinzip von The Royal We und verstanden die Tatsache, dass nicht jeder Song mit voller Besetzung gespielt werden soll."

Und was so wunderbar klingt, ist es auch. Auch, wenn erschwerend hinzu kommt, dass Dylan in Berlin und der Rest der Band in Köln lebt.

"Gerade deswegen funktioniert es so gut", erklärt Dylan. "Ich verabscheue wöchentliches Proben. Wenn man sich die Spaß am Musikmachen verderben will, dann so. Wir haben seit April nicht mehr zusammen geprobt. Im September werden wir an 2 Wochenenden Intensivproben á 8 Stunden durchziehen. Danach sind wir bereit Live zu spielen."

Aktuelles Album:

The Royal We (Raketemusik/Rough Trade)
© 01. Oktober 2005  WESTZEIT ||| Text: Axel Nothen
Oktober 2005

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