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SPITTING OFF TALL BUILDINGS - Energieleistung!

Für die meisten Künstler bleibt es ein unerreichbares Ziel: Eine ausführliche Würdigung in der FAZ bekommt nun einmal nicht jeder! Spitting Off Tall Buildings gelang das Kunststück dagegen gleich mit einem ihrer ersten Auftritte abseits der Berliner Heimat. Zugegeben, vermutlich nicht nur deshalb, weil sie großartige Bands wie Jingo De Lunch, Fugazi, die Pixies, The Fall oder Sonic Youth mögen und ein wenig auch so klingen. Das Interesse an dem völlig unbekannten Quintett beruhte vor allem auf der Tatsache, dass Sängerin Jana Pallaske als Mimin aus Filmen wie „Engel und Joe“ oder „Alaska.de“ einschlägig bekannt war.
Um das ungeliebte Image von der singenden Schauspielerin als Frontfrau möglichst schnell loszuwerden, tourten die Spits unermüdlich – auch wenn sie dabei bisweilen vor einem – vorsichtig ausgedrückt –handverlesenen Publikum spielten. Denn wer die Band einmal live gesehen hat, nimmt es Jana ab, dass ihr die Musik wichtiger ist als ihre Leinwandpräsenz. „Ich wollte nie Schauspielerin sein“, sagt sie beim Treffen mit der WESTZEIT vor dem Konzert im Kölner Sonic Ballroom. „Ich habe keine Schauspielausbildung gemacht, und das war auch nie ein Traum von mir. Ich bin da reingerutscht, es war alles irgendwie ganz nett und ich bin dem Schicksal auch dankbar dafür, aber glücklich gemacht hat mich das nie. Es gibt sicherlich Leute, für die Schauspielern der Traumjob ist, aber ich mag die Passivität dabei nicht und dass man keinen Einfluss darauf hat, wie das Endprodukt wirklich wird.“
Als Band wurden Jana und ihre Mistreiter Paul Radermacher, Greg Albrecht, André Jürgens und Niels Eberle zunächst vor allem nach ihrer Intensität und Härte beurteilt. Gab es bei ihren frühen Konzerten kaum Atempausen, spielt das Quintett auf seinem unbetitelten Debüt geschickt mit der Dynamik von laut und leise, der Spannung zwischen Hook und Härte und den Nuancen von Rock, Punk und Wave. „Als wir angefangen haben, wollten wir ein Maximum an Energie erzeugen und haben gedacht, das tut man am besten, indem man die ganze Zeit volle Pulle draufprügelt“, erinnert sich Gitarrist Paul. „Dabei haben wir allerdings vergessen, dass das die Leute nach 15 bis 20 Minuten extrem nervt – und uns selbst auch. Dann haben wir festgestellt, dass laute Stellen natürlich viel besser kommen, wenn es vorher ruhiger war, und das hört man der Platte auf jeden Fall an.“ Produziert wurde das Album übrigens von Moses Schneider (ja, der von den Beatstakes und Tocotronic) und Gordon Raphael, der seinen Bekanntheitsgrad damit erheblich steigerte, dass er daheim in New York The Strokes fit für den Zeitgeist machte.
Dass die Spits live und auf Platte so wuchtig klingen, liegt teilweise allerdings auch an einem kleinen Kunstgriff. Bei einigen Songs spielt Paul nämlich nicht Gitarre, sondern einen zweiten Bass. „Wir waren als Support von Mclusky auf Tour, und deren Basssound war der Hammer. Da haben wir uns gefragt, wie man das wohl hinbekommt“, erklärt er die ungewöhnliche Aktion. „Zuerst hat André es mit einem Distortion-Pedal versucht, aber es hat einfach nicht so geklungen. Dann habe ich einfach einen Bass in den Gitarrenamp gesteckt und voll verzerrt drübergespielt, und das kam der Sache relativ nah. Dann haben wir mit zwei Bässen gespielt, und das war dann halt richtig gewaltig. Das ist also eigentlich Mcluskys Schuld. Die haben sich dann auch sofort aufgelöst, als sie das gehört haben!“
Weitere Infos: www.spittingofftallbuildings.com
© 01. Oktober 2005  WESTZEIT ||| Text: Carsten Wohlfeld ||| Foto: Sanctuary
Oktober 2005

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