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ABSYNTHE MINDED - Fusion Furieuse

Die grüne Fee wird einem wohl nicht gleich begegnen, wenn man die neue Absynthe Minded hört, aber der ein oder andere Geist wird einem dabei schon über den Weg laufen. Stimmung ist das Zauberwort - calm, mellow und eigenartig. Mit Songwriter Bert Ostyn sprachen wir über den nächsten Tag, trübe Stimmung und schweren Likör.
Ihr habt gerade Euer zweites Album "Next Day" veröffentlicht. Worin besteht, deiner Auffassung nach, der Unterschied zu "Acquired Taste", eurem Debut?

„Wir haben die Platte aufgenommen, nachdem wir eine lange Zeit getourt sind, hauptsächlich in den Niederlanden und Belgien, deshalb sind viele Stücke live eingespielt worden, für uns eine neue Herangehensweise. In den Songs besteht der Unterschied darin, dass sie "erwachsener" sind und ihrer Reihenfolge unvermittelter zwischen soft und hart wechseln. Ich wollte eine Geschichte erzählen, beim ersten Album fiel mir das viel leichter?“

Liegt das an einer anderen Erwartung bei den Fans?

„Wohl eher daran, dass ich ein sturer Typ bin. Ich wollte die Geschichte Fortsetzen und gleichzeitig Experimente machen. Wir haben auch während der Aufnahmen immer wieder zwischendurch live gespielt und haben dann vieles von Bühne mit ins Studio genommen. So was hatten wir bis dahin noch nicht gemacht. Ich würde das aber nicht wieder tun, beim dritten Album werden wir uns mit Sicherheit viel mehr Zeit nehmen.“

"Next Day" ist im Ganzen stiller, nicht melancholischer, aber poetischer, würdest du dem zustimmen?

„Ja, auf jeden Fall. Es fangt hart an, wird dann ruhiger, expoldiert noch mal und endet friedlich. Ich wollte es ein bißchen wie ein Schlaflied gestalten.“

Wie stark nimmt deine persönliche Umwelt Einfluss auf die Musik?

„Sehr viel. Erstmal höre ich viel Musik aus allen Richtungen, dann kommt dazu, dass wir eine echte Live-Band sind und schließlich kommt jeder von uns aus einer anderen Richtung und hat seine Art, mit den Songs die ich schreibe umzugehen und seinen eigenen Einfluss auszuüben. Und so schreibe ich die Songs dann auch so, dass sich jeder dort einbringen und wieder erkennen kann. Dazu kommt, das wir viel unterwegs sind, viel erleben und eine Menge Menschen kennen lernen. All dies hinterlässt natürlich Spuren in unserer Musik.“

Gab es irgendein Ereignis in den letzten Monaten, dass sich besonders ausgewirkt hat?

„Ja. Ich habe eine Beziehung beendet. Das hat sich sicher ausgewirkt. Ich erzähle da aber weniger von meinem Leben direkt. Es sind eher die Stimmungen die sich übertragen. So was kann man ja auch nicht steuern. Da waren einfach Sachen die rausmussten, dass hatte auch viel mit Träumereien zu tun, nach dem Motto "Was wäre wenn..". Diese Dinge suchen sich ihren Weg.“

Also das alte Hornby´sche Dilemma von Popmusik und Liebe?

„Vielleicht ja, obwohl ich eigentlich immer versuche davon weg zu kommen, was uns ja auch meist gelingt, aber diesmal war es einfach so.“

Belgien hat eine riesige Musikszene. Wie habt ihr es geschafft unter all den anderen aufzufallen?

„Ich weiss nicht, ich will nicht großkotzig klingen, aber ich glaube es hat damit zu tun, das wir Popmusik machen wollen, Jazz machen wollen, Rock machen wollen und noch jede Menge fremde und merkwürdige Elemente einbauen. Die meisten Bands machen klar Rock oder Gitarrenpop. Wir wollten etwas anderes tun. Vielleicht kommt das, weil wir als Akkustik-Truppe angefangen haben, mit Gitarre, Violine, Klavier und Double-Bass. Später, als wir rocken wollten kam dann die Rhythm-Section dazu. Wir wollten immer auch jazzig bleiben und neue Horizente entdecken. Ich glaube die Leute mögen unsere Musik weil sie all diese Einflüsse bekommen und sie mögen, wie wir unseren Horizont ständig erweitern.“

Euer Name "Absynthe Minded" würde auch zu einer Metal oder HC-Kombo passen, wenn man eure Musik hört denkt man aber eher an Barcelona in den frühen 30ern. Meinst du solche Horizonte?

„Ich weiß nicht, irgendwie schon. Als ich das erste mal Absinth getrunken habe, dachte ich erst "ein schwerer Likör" und dann "Hoooo!". Das ist ein bischen wie die zwei Seiten, von denen man jedes Ding betrachten kann, oder wie der Mann im Café, der mit seinen Gedanken komplett woanders ist. Aber lustig ist das mit Barcelona, in der Tat sagen uns ganz viele Leute, dass wir irgendwie südlich klingen.“

Aktuelles Album: Next Day (Keremos)
© 01. Oktober 2005  WESTZEIT ||| Text: André Helfers
Oktober 2005

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