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MILLIONAIRE - Under The Influence

Drei Jahre lagen zwischen den beiden Auftritten von Millionaire beim Haldern Festival. Jede Menge Veränderungen sind seitdem eingetreten. Wer am Niederrhein zugegen war, wird es wissen: das Wetter war schlechter. Tja, und so was hat alldieweil Auswirkungen auf den Gemütszustand des Menschen. Weniger euphorisch als damals wirkte die Band auf der Bühne, gegen Abend jedoch ging das Gute-Laune-Thermometer wieder hoch, oder hatte nur Teufel Alkohol seine Finger im Spiel?
Zur Begrüßung gab´s jedenfalls Liebesgrüße aus Belgien, ehe unerwartete Anrufe, leere Biergläser und angeborene Hyperaktivität einzelner Bandmitglieder das Chaos in Gang brachten. Sicherlich regte der ein oder andere Griff zum Glas Sänger und Gitarrist Tim Vanhamel dazu an, immer wieder nicht ganz ernstzunehmende Aussagen über Musik-Faschismus, Crack-Konsum und gleichgeschlechtliche Liebe unter Interviewpartnern zu tätigen, zwischen den Zeilen war jedoch auch zu erahnen, dass der Musik-Clown des Abends seine Musik ernster nimmt als sein Auftreten und so manchen musizierenden Kollegen. „Wir hören so ziemlich alles an Musik, sowohl das was deine Mutter mag, als auch das, wovor sie dich immer gewarnt hat. Dabei geht es nicht darum, ob etwas Mainstream ist oder nicht. Es gibt eines, was uns entsetzlich langweilt: mittelmäßige Musik, die von Leuten ohne Leidenschaft gemacht wird!“ Ein Mann, dessen Leben förmlich nur aus Musik besteht, darf so etwas sagen. Nicht nur maßgeblicher Songwriter in seiner Hauptband, sondern auch immer wieder als Gastmusiker oder Teilnehmer an Projekten wie den Eagles Of Death Metal begehrt, zieht sich Tim aus seiner Rolle als Mastermind jedoch so langsam zurück. „Ich selbst bin in meinen Augen nicht mehr als 1 % der Band. Damit eine Sache wie unsere funktioniert, müssen so viele Faktoren zusammenspielen. Ganz wichtig sind die Leute mit denen du zusammenarbeitest. Wir wissen genau, wie sehr wir uns positiv beeinflussen und wie gut wir befreundet sind. Deshalb denken wir über Chefpositionen in der Band auch nicht nach.“
Beim Stichwort „gute Freunde“ bietet es sich das Thema Queens Of The Stoneage und Josh Homme“ natürlich an. „Diese Jungs sind ganz einfach auf einer Wellenlänge mit uns. Und während sie im Gegensatz zu uns international ein großes Ding sind, liegt ihnen glücklicherweise am Herzen, uns zu unterstützen. Auch in den USA, wo uns auf der Tour niemand kannte, hat uns das einige Türen geöffnet.“ Ganz klar, dass es sich Josh da nicht nehmen ließ, das neue Album höchstpersönlich zu produzieren. Auch wenn die Verschrobenheit des Erstlings damit ein wenig einem Sound gewichen ist, der vermeintlich breitere Hörerschichten anspricht, ist man in der Band darüber nicht unglücklich. „Joshs Arbeit ist großartig, und da wir ihn auch als Musiker schätzen, war er genau der richtige Mann, der uns und unsere Musik kennt. Allein aus Freundschaft haben wir sein Angebot definitiv nicht angenommen.“ Und wer weiß, vielleicht kommt der Mann ja bald schon wieder zum Einsatz, denn 3 Jahre werden sich Millionaire bis zum nächsten Album nicht gönnen. „Nach dem Debüt sind wir 2 Jahre mit den Songs getourt und haben uns dann noch mit unseren Projekten vergnügt. Diesmal werden wir Konzerte im Herbst und wohl auch im Winter geben, aber ich bin sicher, dass es schon nächstes Jahr ein neues Album geben wird.“
Große Versprechungen also, man darf gespannt sein. Für alle Fans von unwichtigen Informationen hier noch ein Nachtrag, nämlich die deutschen Top-3-Songs von Schlagzeuger Dave: 1. Peter Maffay – Du; 2. Nena – 99 Luftballons ; 3. Tocotronic – Die Welt kann mich nicht mehr verstehn ! Das birgt, wie ich finde, doch einiges an Aussagekraft.
Aktuelles Album: Paradisiac (Pias/Warner)
Weitere Infos: http://www.millionaire-theband.com
© 01. Oktober 2005  WESTZEIT ||| Text: Sven Trappen
Oktober 2005

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