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JAHCOOZI - Schlaflos in Berlin

Robert Koch ist ein umtriebiger Mensch mit einem Problem: Er schläft wenig bis gar nicht, kann nicht abschalten, ist vielleicht sogar hyperaktiv. Ob das direkten Einfluss auf seine musikalischen Soundbasteleien hat, sei mal dahingestellt. Seine neueste Kreation könnte allerdings diesen Eindruck vermitteln. Jedenfalls ist er nahezu 24/7 damit beschäftigt Musik zu machen und zu produzieren. Nicht umsonst nennen ihn die meisten seiner Mitmenschen "Robot".

"Vielleicht ist es eine Krankheit, ich weiß es nicht, aber so verbringe ich viel, viel Zeit im Studio und tüftle an neuen Sounds. Gesund ist das nicht, aber was soll ich machen – ich schlafe nun mal verdammt schlecht!?"

So therapiert er sich selbst und das Ergebnis sind zahlreiche musikalische Projekte, eines davon Jahcoozi. Gemeinsam mit Sängerin Sasha Perera (Sri Lanka und London) und Gitarrist/Bassist Oren Gerlitz (Tel Aviv und Indien) hat er nun den ersten Longplayer "Pure Breed Mongrel" fertiggestellt. "Ich habe selbst keine Ahnung, wie man unseren Sound nennen soll. Blip Hop, Ragga Tech? Es macht aber doch gerade den Reiz für den Hörer aus, das selbst zu entdecken und selbst zu definieren."

Hörbar sind auf jeden Fall vertrackte Rythmen, wummernde Breakbeats, hier ein Bass, selten mal eine Gitarre und dazu immer Sasha als extrovertierte Frontfrau, die live eine Show sondergleichen gibt. Wer tritt schon mit einem Sturzhelm und angeklebten Plüsch-Ohren auf? Überhaupt hat sich die Musik von Jahcoozi verändert und ist zugänglicher geworden.

"Früher war das alles noch viel sperriger und vertrackter, wir versuchen schon mehr Richtung Popmusik zu gehen – im weitesten Sinne. Unsere Einflüsse sind aber auch zu unterschiedlich. Ich komme vom Punk, Hardcore, Rock. Sasha ist ein Techno-Mädel, und Oren ist alter Jazzer und Raggae und Dub-Freak. Ich habe dann irgendwann mit elektronischer Musik angefangen, aber wir wollten auf keinen Fall diese Laptop-Perfomance liefern, wie man sie so häufig sehen kann. Ein Typ hinter seinem Bildschirm, der aussieht, als wolle er Emails schreiben oder im Internet surfen, und der macht dann irgendwelche Sounds und Beats. Aber dank Sasha haben wir eine Live-Show, die jeden anspricht. Raver, Rocker, Rapper und Techno-Kids." Auf jeden Fall basteln sie einen Sound, der extrem ungewöhnlich und interessant ist. Gewöhnungsbedürftig, vielleicht, aber er passt zu Berlin und New York, wo Robot einige Jahre seines Lebens verbracht hat. "Zum Glück sind die Jahre vorbei, wo dogmatisch zwischen Rock und Techno getrennt wurde. Darum geht es ja auch, wir wollen, dass die Grenzen zerfließen und das funktioniert auch mittlerweile. Wir kokettieren nicht als Elektronik-Freaks, sondern möchten, dass es live gut abgeht."

Des weiteren legt er wert auf die Feststellung, dass Jahcoozi keine politischen Botschaften vermitteln will. Es geht um gute Musik und Spaß. "Es kann sein, dass Sasha persönliche Erfahrungen aus London und Sri Lanka verarbeitet und dabei das ein oder andere politische Statement ablässt, aber das ist dann ihre private Sache. Eine Message in diesem Sinne haben wir sicherlich nicht." Einschlafen wird bei dieser Musik niemand. So viel ist sicher. Jahcoozi - der Sound für das Leben auf der Überholspur.
© 01. Oktober 2005  WESTZEIT ||| Text: Dietrich Limper
Oktober 2005

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