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KEN - Spiel auf Zeit

Wir wissen ja, wie‘s läuft. Aydo Abay, hauptamtlich Sänger bei Deutschlands Alternative-Aushängeschild Blackmail, hatte mal wieder Zeit für dessen kleinen Bruder Ken, die heimlich gehütete Dreckpeitsche und Freund und Feind im Studio. Aber halt! Was dann geschah, war unerwartet wie überwältigend, denn aus eins wurde drei und aus Frust wurde Lust. Wird Ken jetzt richtig erwachsen?

Wir erinnern uns: „Have A Nice Day“ erschien im Sommer 2002 in einer Blackmail-Atempause, eine kurze Tour folgte und man wendete sich kurz danach wieder der Familie zu. Damals sagte Aydo uns, er hätte halt die Zeit für so etwas. Und heute? „Bedingt ist das immer noch so. Immer, wenn ich Geld habe, habe ich keine Zeit. Und immer, wenn ich mal in Urlaub fahren könnte, habe ich kein Geld, weil ich mir so viel Schrott gekauft habe. Also mache ich in dieser Zeit eben Platten.“ Schön für uns, schlecht für ihn, möchte man meinen, doch auch der Künstler wächst mit seiner Arbeit und strahlt sogar so etwas wie den nötigen Ernst im Interview aus - eine Seite, die man ihm nun gerade nicht als erstes andichten würde. So war Ken relativ schnell nach dem Major-Rausschmiss bei einem neuen Label untergebracht und das, nachdem nur ein Song vom „richtigen“ Album belauscht wurde. Zuvor entstand aber noch das Cover-Album „I Am Thief“, das vorrangig als Spaß-Nummer gedacht war. „Diese Platte galt eigentlich nur der Musikerfindung für das eigentliche Ken-Album und der Erweiterung des Horizonts. Mein Management fuhr allerdings tierisch auf das „Stronger“-Cover ab, was aber nicht in das Konzept der eigentlichen Platte passte, und so wuchs die Coverscheibe quasi wie von selbst.“ Im Endeffekt waren etwa 20 Leute an diesem Album beteiligt, die Aydo für diverse Songs einlud. Interessant dabei ist, dass viele Stücke, die mit prominenteren Gästen eingespielt wurden, es garnicht aufs Album geschafft haben. Die Stimmung des Albums ist größtenteils etwas traurig - Geht es bei allen um verlassene Liebschaften oder sonstige böse Erinnerungen? „Ja, so etwas und „View From A Bridge“ war mein Hit, als ich nicht versetzt worden bin.“ Lassen wir das so stehen und kommen zu den neuen Songs. Die neue Mannschaft, die sich dann letztendlich herauskristallisierte, beinhaltet auch zwei alte Bekannte, Guido Lucas am Bass und Ole Fries an der Gitarre. „Guido‘s Ratschlag ist mir immer noch sehr wichtig und Ole ist sehr praktisch, weil er alles kann.“ Und auch der Rest ist nicht so unbekannt, als da noch der Blackmail-Tour-Keyboarder Marcel von der Weiden, Jelly Planet-Drummer Jens Küchenthal und Urlaub in Polen-Tasten-Saiten-Hexer Georg Brenner wären. „Für mich war von Anfang an klar, dass da Leute wechseln müssen, allein wegen der Spannung. Ausserdem wollte ich definitiv nicht so eine Platte machen wie zuvor, und mit den gleichen Leuten hätte das sicher ähnlich geklungen. Und es sollte kein Rockalbum werden.“ Ist es auch nicht, sondern eher Keyboard-lastig. „Und deshalb sind Georg und Marcel auch auf der nächsten Scheibe nicht mehr dabei“, verrät Aydo direkt. „Weil sie die Platte sehr stark geprägt haben. Aber es war schön, so einen Fluss im Songwriting zu haben, das war in dieser Form ziemlich einmalig. Und es klingt schön modern, so ganz ohne Gitarren... Natürlich sind Gitarren drauf, aber eigentlich sind die herrlich belanglos.“ Will heissen: wohldosiert. Live allerdings greifen die Herren auch gerne in die Saiten, und auch dafür ist die Zeit bald reif. Schnell mitnehmen, bevor auch dieses Kapitel schon wieder vorbei ist. Richtig, Herr Abay?
Aktuelle Alben: Stop! Look! Sing Songs Of Revolution & I Am Thief (StrangeWays/Indigo)
© 01. Mai 2005  WESTZEIT ||| Text: Axel Nothen
Mai 2005

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