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FARIN URLAUB - Der beste Urlaub der Welt!

Die Gitarre, seine Stimmbänder und spleenigen Aphorismen sind die Standbeine des großen Blonden mit dem breiten Lachen. Farin, der „nur für Freunde und Familie Jan heißt“, ist ein Macher, jemand der sein Ding durchzieht, und der sich in dieser Rolle auch gefällt. Er ist egomanisch, galant und wirkt ungeheuer kontrolliert. Nur in seltenen Momenten, etwa, wenn man versucht seine Privatsphäre zu beleuchten, wird ein Hauch von Verdrossenheit spürbar.

Farin Urlaub ist ein untypischer Rockstar, der seine Erfolge ohne Drogen, Verwüstungen und sexuelle Ausschweifungen erlangt und dennoch ungehemmt genießt.

Mit Soilent Grün, King Kong und der besten Band der Welt verkündete er den kalkulierten Wahnsinn, vereinte Kids und Altpunx zu einem tobenden Publikum, gewann von mal zu mal ihre Herzen und an Selbsterfahrung. „Gott ist neidisch, denn zum zweiten Mal geb ich alles und noch ein bisschen mehr.“ Ein kühner Satz. Vor allem, wenn die Messlatte ziemlich hoch hängt. Es ist die alte Geschichte von David gegen Goliath, diesmal im absoluten Alleingang. Nur für die Frauenstimmen, Streich- und Bläserarrangements holte er sein zuverlässiges 10köpfiges Racing Team ins Studio. „Am Ende Der Sonne“ betitelt die Ausbeute und ist ein unbeschwerter Spaß: ehrlich, spitzfindig, rotzig, melodiös und so bescheuert wie ein „Marilyn-Manson-Ähnlichkeitswettbewerb“. Und wenn der nimmer in die Röhre schauende Farin „Stirb, Fernseher, stirb!“ ruft, dann gleicht das eher einer erzieherischen Vorsorge als einem Gefasel, denn solange tuckige kleine Schwammköpfe das Kinderprogramm bestimmen, sich Schiedsrichter in Talkshows als verkommene Schieberschweine entpuppen und Michael Jackson-Doubles mit Barbara Salesch-Komparsen in improvisierten Law-Soaps den großen Kinderschänder-Prozess nachspielen, hat das seine Existenzberechtigung. Neugierig auf seine geistige und körperliche Größe begab ich mich zum Interview in die Höhle des Urlaubs.

Wer von uns beiden ist nun eigentlich größer?

„Ok, lass uns das eben klären. Stell dich mal hin … hmm … ich bin 1,94…“

Jawohl - ich bin 1,95 und somit größer (mein Therapeut hätte sich für mich auch gefreut)!

„Kein Bock mehr…;-)“

Was ist der Unterschied zwischen deinem Ego Farin Urlaub und dem weltlichen Jan Vetter?

„Wenn man das überhaupt so trennen kann, dann ist Farin die reduzierte Version von mir, der öffentliche Teil sozusagen. Wie wenn du eine Hausbesichtigung in einem alten Schloss machst und dann ist Jan der abgesperrte Bereich, die Privatgemächer des Grafen. Man ist ja als normaler Mensch viel zu komplex für eine öffentliche Figur und bevor die Medien mich auf irgendwelchen Scheiß reduzieren, mach ich das lieber selber.“

Was würde denn der Jan gerne tun, was sich der Farin nicht traut?

„So was gibt´s nicht.“

Und umgedreht?

„Ja, das macht er aber auch, z.B. vor vielen Leuten auf die Bühne gehen. Du traust dich natürlich mehr in einem Umfeld, wo man sowieso bestimmte Dinge von dir erwartet. Dann ist das nicht so ein großer Schritt sich vor 30.000 Leuten hinzustellen und zu sagen, Hose runter oder so ein Schwachsinn.“

Du isst kein Fleisch, nimmst keine Drogen und zerstörst keine Hotelzimmer. Aber dennoch siehst du dich als Rock´n´Roller!

„Nee, das ist eine Bezeichnung die ich überhaupt nicht brauche. Ich mache Musik!“

Aber deine Musik hat doch viele Rock´n´Roll-Elemente?

„Ja, ich mach Rockmusik, aber ich betrachte mich selber nicht als Witzfigur, die irgendwelche Vorbilder als Mensch erfüllen muss. Ich muss keine schwarze Lederjacke tragen, durch Sonnenbrillen kucken und Journalisten verprügeln, obwohl… manchmal…“

Bitte nicht - Hiillfffee…

„Ick weiß nicht woher dat kam oder kommt, man kann diese Musik auch machen und dabei und dabei total sanft sein, oder wat auch immer, anders halt.“

Was bedeutet denn für dich Rock´n´Roll?

„Erstmal Punk. Und das bedeutet für mich: tu was du willst. Es ist diese Musik, die mich auf den richtigen Weg gebracht hat.“

Da haben wir eins gemeinsam. Nun, es gibt ja die Dreifaltigkeit „Sex, Drugs & Rock´n´ Roll“ - du jedoch, lebst alles das, was mehr mit der Dreifaltigkeit „Vater, Sohn und heiliger Geist“ zu tun hat. Warst du mal Messdiener?

„Ich bin nicht getauft und gläubiger Atheist!“

Hast du denn schon mal in deinem Leben daran gedacht Priester zu werden?

„Ich bin Priester…!“

Was ist eigentlich „Am Ende Der Sonne“?

„Es ist kein Ort, es ist die Unendlichkeit.“

Was ist der deutliche Unterscheid zwischen „Endlich Urlaub“ und „Am Ende Der Sonne“?

"Ich finde alles gut, was ich mache. Und den Unterschied zu definieren ist die Aufgabe der Journalisten und von daher bin ich die denkbar schlechteste Adresse einer Argumentation. Ich finde die Texte besser, die Songs sind einfach ausgereifter und haben mehr Fracht. Okay, an Lustigkeit haben sie verloren, aber das war Absicht. Sie sind nicht so leicht massenkompatibel und nicht mehr ganz so leicht zu verdauen. Die Musik ist einfach härter und hat viel mehr Volumen.“

Auch der beste Urlaub der Welt geht mal zu Ende und so musste ich leider Abschied nehmen. Schade, aber der nächste kommt bestimmt!

Aktuelles Album: Am Ende Der Sonne (Völker Hört Die Tonträger)
© 01. April 2005  WESTZEIT ||| Text: Georg Lommen
April 2005

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