interviews
kunst
artexpo
cartoon
konserven
liesmich.txt
filmriss
dvd
vorlesungs-
verzeichnis

cruiser
agenda
live reviews
stripshow
lottofoon
kontakt
SIXXTEN - Freiheit und Abenteuer in Bombastien

Jugendliche Großmäuligkeit, die hat ja was. Sich ihrer Faszination zu entziehen ist schwer. Doch oft, zu oft, bleibt sie pure Pose. Und nichts dahinter. Das ist bei der Nord-Viererbande Sixxxten anders. Bei denen geht es dahinter erst richtig los. Um dahin zu kommen, muss der geneigte Zuhörer zunächst drei „x“ überwinden. „Die stehen für Freiheit und Abenteuer“, daran lässt Frontmann Hanno Klänhardt nun gar keinen Zweifel „das letzte „x“ bleibt der freien Auslegung erhalten.“

Verwirrt? Das findet Hanno Klänhardt dann so richtig Klasse.

„Ich bin großer Fan von Sachen die mich verwirren. Warum sollte ich das nicht an die Hörer weitergeben?“

Und wenn der Kerl dann zügellos weiter los rhabarbert, trägt das auch nicht unbedingt zur Beseitigung von Unklarheiten bei. „Die Jungs mögen wirklich Falco. Wirklich Ostblock-Trance. Wirklich Heavy Metal.“ Sag Bloß? „Nülsen, unser Keyboarder ist Techno-DJ. Das ist ein sehr guter Einfluss für die Band. Er wäre als Punk DJ sicher nicht dabei. Und doch. Er kann mit Synthesizern punkiger umgehen, als Jimi Hendrix mit einer brennenden E-Gitarre.“

So, so. „Minimalismus empfinde ich als peinlich.“

Nein, wirklich? „Ich mag Sachen, die mich eigentlich anekeln.“ Unglaublich. „Wenn du eine alte Falco-Platte rück-wärts hörst, hörst du die neue Sixxxten-Platte vorwärts.“ Geschwätz lass’ nach. „T.Rex und viele andere 70er-Recken dürfen auch mitmachen. Und der große andere Rockbombast auch.“ Ich glaubs ja nicht. „Eins noch, Metal finde ich auch gut.“ Ja, ja.



Minimalismus ist peinlich

Was will der Dichter uns damit sagen? Doch nichts dahinter? Totale Blender, die Sixxxten-Knaben? Auch darauf ist Hanno Klänhardt bestens vorbereitet: „Sixxxten ist die Antwort auf dumme Fragen.“ Nach erneutem intensivem Plattendrehen ihres Debüts „Jugend Violencia“ wird klar, Sixxxten lügen nicht. Die genannten Zutaten sind drin. Immer und überall. In jedem Stück. Nicht nur die, sondern noch viel mehr. Die aktuelle Platte von Sixxxten gerät so zu einer Lobeshymne auf die Rockmusikgeschichte. Und gleichzeitig ist eine Abrechnung mit ihr.

„Ich denke, dass es an der Zeit ist alte Helden abzulösen“, wirft Hanno Klänhardt den Fehdehandschuh in den Ring, „alle, zu viele Herzen schlagen nur noch aus Gewohnheit.“

Eins ist sicher, Sixxxten werden da noch einige dieser Recken frohlockend zu Grabe trage. Das musikalische Rüstzeug dazu haben sie allemal. Darüber hinaus hatten sie die Ehre, dass bei den Aufnahmen Marc Schettler am Pult saß. Der hatte seine flinken Finger schon bei Bands wie Slayer und Machine Head drin. Auch Farin Urlaubs letztes Album hat er gemischt. Ach ja, eine Bemerkung am Rande noch. Sixxxten singen in Deutsch. Gleich steht Hanno Klänhardt wieder auf der Matte, um das zu relativieren:

„Man sollte es einfach hinnehmen, in der Sprache zu singen, die man beherrscht und sich davor hüten, das als wichtig zu empfinden.“



Lauter, krachiger und

dreckiger

Können Sixxxten diese Großmäuligkeit in eine grandiose Live-Darbietung überführen? Sie können. Doch nicht, ohne dass Hanno Klänhardt auch dazu eine Klarstellung vornimmt:

„Für mich gehört eine gewisse Großmäuligkeit halt einfach dazu. Ich gehe nicht auf die Bühne um zu diskutieren, ob meine Band der Knaller ist. Ich gehe da einfach mal von aus.“

Zu Recht. Da wird mit Extrembeschleunigung auf die Überholspur gewechselt und brutalst möglich nach vorne gerockt. Und der Frontmann zollt dem Publikum größten Respekt:

„Wenn die schon mal den Arsch zu uns bewegen, sollen die auch alles kriegen. Alles.“ Sixxxten regieren.

Zornig. Brüllend. Laut. Und es gibt wieder Dosenbier. Und ab geht er.

Aktuelles Album: Jugend Violencia (Bitzcore / FDI Music / Soulfood)
© 01. Juni 2009  WESTZEIT ||| Text: Franz X.A. Zipperer
Juni 2009

Links

suche