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I AM KLOOT - Songs als Wegweiser

Als Musiker und Songwriter könnten Johnny Bramwell, Peter Jobson und Andy Hargreaves mit Bands wie Coldplay oder Keane den Boden aufwischen, schrieb unlängst die britische Presse über I Am Kloot. Nicht ohne Grund, denn auch wenn dem Trio mit seiner sympathisch- menschlichen Note und seiner unaufdringlichen Bodenständigkeit der große kommerzielle Erfolg bisher vorenthalten geblieben ist, weil dafür heutzutage - zumindest in England - ein gewisses Maß an Anrüchigkeit und Fragwürdigkeit zwingend notwenig zu sein scheint - seine Songs mit den so treffenden Beobachtungen alltäglicher Hoffnungen und Ängste, dem beißenden Humor und den gekonnten Wortspielen werden ständig besser. Pop mit Köpfchen, der dennoch nicht kopflastig ist.

„Wir sind keine Intellektuellen“, unterstreicht Johnny beim Treffen mit der WESTZEIT in Köln, „aber deshalb muss man sich doch nicht als verdammter Dummkopf präsentieren, oder?“ Dass sie anfangs noch in die Schublade der „Quiet Is The New Loud“-Bewegung gesteckt wurden, hört man „Gods And Monsters“, ihrem dritten, mitunter recht komplexen Album, rein gar nicht mehr an. Die neuen Songs sind nicht nur wesentlich weniger zerbrechlich, sie sind auch ambitionierter instrumentiert. Geblieben dagegen sind die Freiräume zwischen den Noten, die mitunter genauso wichtig erscheinen wie das eigentlich Gespielte und die textlichen Eigenheiten. „Wir mögen es, wenn der Song uns den Weg weist“, erklärt Johnny. „Wir räumen dem Song an sich viel Raum ein, schließlich sind wir ein Trio. Wenn die Songs bei unseren Proben entstehen, ist die Instrumentierung sehr beschränkt.“
Erst bei den Aufnahmen im Moolah Rouge in Stockport, nur 30 Autominuten von ihrer Heimatstadt Manchester entfernt, entstand die Idee, zusätzliche Instrumente zu verwenden. „Das Studio war mit allen möglichen Instrumenten voll gestopft“, erinnert sich Andy. „Deshalb sagten wir uns: Alles, was uns in den Sinn kommt, wird ausprobiert, und dann schauen wir mal!“ Diese Art der Spontaneität war Neuland für die Band, doch das Risiko hat sich ausgezahlt, findet Johnny: „Am Ende hatten wir mehr, als wir das für möglich gehalten hatten! Die erste Platte war ein bisschen struppig, aber nur, weil wir es auch waren. Die zweite war breiter gefächert und man hört, dass wir zuvor sehr viel live gespielt hatten. Dieses Mal ging es uns in erster Linie darum, die Frische und Schärfe einzufangen, die wir in den letzten Jahren entwickelt hatten.“ Deshalb macht es auch Sinn, dass ausgerechnet die wohl untypischsten zwei Nummern, „No Direction Home“ und das Titelstück, die neue Platte eröffnen und so von Anfang an klarstellen: Hier beginnt ein neues, spannendes Kapitel.
Das lässt sich durchaus auch auf andere Ebenen übertragen. Bevor die drei im Mai auf deutsche Bühnen zurückkehren, steht auch noch ihre allererste US-Tour überhaupt an. Irgendwelche Erwartungen? „Ehrlich gesagt - wir wissen es nicht“, sagt Johnny grüblerisch, „aber alleine der Gedanke, in New York spielen zu können, ist großartig!“ Pete dagegen fiebert dem Abenteuer USA aus ganz anderen Gründen entgegen: „Ich möchte mir vor allem ein paar billige Jeans kaufen!“ Die Zeiten, in denen das Trio versuchen wollte, mit drei Dezibel Lautstärke Leben zu verändern, sind also endgültig passé. I Am Kloot sind gekommen, um ihrem Publikum zu zeigen, wer die Hosen anhat!
© 01. April 2005  WESTZEIT ||| Text: Carsten Wohlfeld ||| Foto: PIAS
April 2005

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