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WIR SIND HELDEN - Land in Sicht?

Vor circa 20 Jahren wurde aus der Existenz guter Bands, die zufällig deutsch sangen, eine Welle gemacht. Dieses Phänomen wiederholt sich gerade.Was nicht paßt, wird passend gemacht. „Von hier an blind“, das neue, zweite Album von Wir Sind Helden, könnte also ein Statement zum Zeitgeist sein. Aber ist es das...?

Selbst der „Stern“ brachte kürzlich einen mehrseitigen Bericht über die neue deutsche Musikszene, scheute den Vergleich -im übertragenden Sinne- zwischen Äpfeln und Birnen nicht. „Dieser Artikel“, sagt Mark Tavassol (31; Bass), „beschreibt eine Situation, von der man sagt, sie sei im Augenblick gegenwärtig.Tendenz - viele Bands = eine neue Strömung. Wir sind jetzt Post-NDW. Entgegen aller Vermutungen sind wir nicht von der NDW beeinflußt. Dieses Welle-Phänomen ist uns total bewußt, aber es gilt ja nicht nur für deutschsprachige Musik. Es ist überall das Gleiche.“ Da landet man schnell auf Samplern, die z.B. „Junge Helden“ heißen. Pola Roy (29; Drums): „Wir haben eine Fülle von Anfragen, die über den Musikverlag laufen. Trotz größter Mühe passieren Fehler. Dann findet man sich auf einmal in einem Umfeld wieder, dass einem nicht gefällt. Oder man weiß nicht, wie der Sampler heißt. `Junge Helden´ klingt saudoof.“ So kommt zur lebenslustigen, fröhlichen Musik schnell ein trauriger Aspekt. Auch auf „Von hier an blind“ befinden sich nachdenklicheMomente. Pola: „`Darf ich das behalten´ führt eine absurde Verhandlung mit dem Tod, etwas nicht wegzunehmen.Einen Menschen, den man liebt. Es ist ein offentsichtlicher Wunsch, wenn man Angst um jemanden hat.“ Mark: „Wobei ich das Gefühl habe, dass das Thema Abschied, im weitesten Sinne also auch der Tod, immer wieder vorkommt. Das war eines der ersten Dinge, die uns aufgefallen sind. Wo wir Angst hatten, dass es die Leute `runterzieht. Aber widerum finden, dass es ein positiver Umgang ist mit einem Thema, dass sehr kraftvoll sein kann. Denn diese Lebensregelung, der Tod, kommt unweigerlich irgendwann. Wenn man es schafft, es in sein Lebensbild zu integrieren, sein Leben aus dieser Perspektive zu betrachten, kann es helfen, gewisse Prioritäten zu ordnen.“ Die Helden sind zwar bekannt für ihre allseits freundliche, bodenständige Art, für die witzigen Texte, aber es gibt halt mehrere Nuancen im künstlerischen Schaffen. So experimentiert das Quartett auf „Gekommen um zu bleiben" mit dem Swing, für das Video im stilechten 20er-Jahre-Ambiente wurde gar kollektiv Tanzunterricht genommen.
Überhaupt sind die Vier eine sehr kuschelige Gruppe, die (trotz der geographischen Entfernungen der Wohnorte Berlin, Hamburg, Hannover) sich fast alles teilt - auch das Songwriting. Jean-Michel Tourette (29): „Ich habe anfangs nur Keyboards gespielt, obwohl ich eigentlich Gitarrist bin. Und weil es mich genervt hat, nur hinten zu stehen, habe ich diesmal meine Songs auf der Gitarre geschrieben. Dadurch lag es Nahe, dass ich bei diesen Titeln Gitarre gespielt habe. Meine Songs vom `Reklamation“-Album hatte ich auf Keyboards komponiert.“ Judith Holofernes (28): „Ich habe im Moment keinen Focus beim Selbstverständnis als Gitarristin. Singen und spielen gleichzeitig verknotet alles! Ich empfinde es zum Teil als große Behinderung, bin natürlich auch ein bißchen Stolz darauf, mag das auch als Körpergefühl. Dadurch entstehen unheimliche Einschränkungen, auch im Kontakt mit dem Publikum. Ich bin wahnsinnig damit beschäftigt, alles zu koordinieren.“ Das Publikum wird es trotzdem zu genießen wissen. Die Dates der April-Tour sind nahezu ausverkauft! Aber am 10.06.05 gibt es den großen Auftritt beim „Hurricane-Festival“ in Scheeßel...
Aktuelles Album: Von hier an blind (VÖ. 04.04. - Labels / EMI)
Weitere Infos: www.wirsindhelden.de
© 01. April 2005  WESTZEIT ||| Text: Ralf G. Poppe
April 2005

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