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NUKULAR - Bohemiens 3.0

Der Hamburger Popkurs, der hat schon viele zusammengebracht. Beispielsweise hat Judith Holofernes dort ihre Band Wir sind Helden gefunden oder die Ohrbooten sich. Auch vier sympathische Jungs aus der Rhein-Main-Region, die sich schon seit Jahren beschnuppert hatten, ohne jedoch bandtechnisch zu Potte zukommen, entdecken in Hamburg, dass ihr Herz für die gleiche Art von Rockmusik schlägt. „Wir sind zwar schon damals in Mainz und Wiesbaden lauernd umeinander gekreist“, rekapituliert Gitarrist Martin Berger, „komischerweise mussten wir in den Norden fahren, um die Anziehungskraft so groß werden zu lassen, dass diese zwei Zellen verschmolzen werden konnten.“

Textwerkstatt im Kopf

Gesungen werden deutsche Texte aus der Feder des Frontmanns William Veder. Wütend ist er. Manchmal zornig.

„Doch die Botschaft muss deutlich sein“, fordert William Veder von sich selbst, „kryptisches, abgedrehtes Zeug hat in meinen Texten nichts verloren. Meine Texte drücken genau das aus, was ich fühle. Das darf dann auch ungefiltert sein. Oder soll es sogar.“

William Veder scheint eine unaufhörlich arbeitende Textwerkstatt in seinem Kopf zu haben. Seine Sprache ist gelenk und fließend. Ob das Getextete nun massentauglich ist. ist ihm so was von egal.

„Die Tauglichkeit fürs Radio oder für Bühne, vor der sich die Massen fast totdrücken, die ist eh nicht planbar“, stellt er fest „entweder es schnackelt oder aber nicht. Aber ich muss in jedem Fall meine höchstpersönliche sicht der Dinge vortragen.“

Doch gegen das Wort ‚Botschaft’ wehrt er sich vehement.

„Warum reden wir nicht von Bildern, die ich mit den Texten male? Ich möchte niemandem einen Ratschlag mit den Weg geben, dass er so oder so zu handeln hat. Das steht mir nicht zu. Aber Denkanstöße? Warum nicht?“



Hart abrocken

Direkte, emotionale, organische Rockmusik. Das steht auf den wehenden Fahnen der Musikabteilung von Nukular, die natürlich nur theoretisch von der Textfabrik zu trennen ist. Denn die Musik wird gemeinsam erarbeitet.

„Wir haben im Laufe der Zeit einen sehr probaten Arbeitsstil entwickelt“, stellt ihn Schlagzeuger Ralf Schumacher vor, „wir schließen uns immer mal wieder in ein Ferienhaus ein und machen von früh bis spät Musik. Lassen eine stürmische Songidee nach der nächsten raus und schneiden so gut wie alles mit. Das Spontane ist meist auch das Durchschlagendste. William nimmt sich am Ende des Tages das, womit er etwas anfangen kann und textet. So kommt beides zusammen.“

Wenn die Songmaschinerie bei Nukular angesprungen ist und dann läuft, wie geschmiert. Dann geht es immer um das Gemeinsame. Nur so kann Kraft und Energie in die Stücke gepackt werden. Textlich wie musikalisch. Das darf laut sein, muss es aber nicht. Ohne die Komponenten der inhaltlichen Vision, der nachhaltigen Auseinandersetzung aber läuft bei Nukular gar nichts.



Junge Bohemiens

Alle Bandmitglieder haben ihr bisheriges Leben der Kunst und vor allem der Musik gewidmet, schon vor dem Popkurs in Hamburg. Jetzt steht die künstlerische Arbeit im Vordergrund.

„Wir haben alle keine Lust mehr, auf Messen Regale aufzubauen oder auf dem Bau Gerüste aufzubauen“, Bassist Dominik Gruszczyk, „so müssen wir uns halt noch in das genügsame Leben von modernen Neo-Bohemiens zurückziehen. Aber es ist klar, Musik ist unser Leben.“

Voller wilder Spiellust haben Nukular, komplett live, einen dermaßen fetten Sound eingespielt, dass selbst Produzent Ralf-Christian Mayer, der schon bei Clueso die Finger im Spiel hatte, absolut verblüfft war. Der Platte „Schere im Kopf „ ist es bestens gelungen, die angesprochene Konsequenz zu konservieren. Das, was aus dem Kopf plätschert, wird von der Musik schnell und dringlich, doch überaus eingängig vor sich hergetrieben. Selten waren klare Aussagen so voller Melodien.

Aktuelles Album: Schere im Kopf (Like the Mountain / Rough Trade)
© 01. März 2010  WESTZEIT ||| Text: Franz X.A. Zipperer
März 2010

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