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OK GO - Blaues Licht gibt Lebenskraft

OK Go werden immer zuerst mit ihren Videos assoziiert. Unvergessen ihre clevere Laufband-Performance zu „Here It Goes Again“, die zum erfolgreichsten Internet-Musikvideo aller Zeiten wurde. Ob die Clips zu ihrem neuen Album ähnlich populär werden können, ist mehr als fraglich – ihre Plattenfirma liegt im Clinch mit YouTube. Das gibt den Blick frei auf die Musik: OK Go haben genug von verzerrten Gitarren. Auf „Of The Blue Color Of The Sky“ tauschen sie den Indie Rock der Vergangenheit mit einer entspannten Mischung aus funky Softrock, astreinem Pop und einer dicken Portion Prince.

Euer neues Album präsentiert OK Go mit neuem Sound. Was ist passiert?

Damian Kulash: „Vor den Aufnahmen zu unserer neuen Platte waren wir drei Jahre lang auf Tour. Danach hat es uns einfach nicht mehr umgehauen, mit der Gitarre vor einem lauten Verstärker zu stehen. Auf „Of The Blue Colour Of The Sky“ fehlt deshalb jede verzerrte Gitarre. Wir klingen vielmehr nach der Musik, die wir in der Zwischenzeit privat gehört haben. Und das, obwohl wir eigentlich nur Rockmusik spielen können. (lacht)“

Ihr habt also viel Prince gehört?

Tim Nordwind: „Nein, eigentlich nicht. Auf unserem Album ist viel Prince, das stimmt. Ich hab LCD Soundsystem gehört und The Knife. Damian hörte viel Soul. Offenbar eine princy Kombination.“

Wie funktioniert das Songwriting bei OK Go?

Damian: „Ich sitze am Laptop und nehme Songfragmente auf. Ich kann mir schon gar nicht mehr einen ganzen Song ausdenken, ohne immer wieder einzelne Teile anzuhören und zu verschieben. Was meiner Meinung nach eine Folge davon ist, wie Computer unsere Gehirne fragmentieren.“

Tim: „Früher war es so, dass Damian die Gitarre genommen hat, um uns einen neuen Song vorzuspielen. Heute drückt er die Leertaste. Was dann dazu führt, dass wir die Songs nicht spielen können, wenn wir ins Studio gehen. Der Produzent Dave Fridman war ratlos, als wir versuchten, ihm die neuen Sachen vorzuspielen. Als wir ihm jedoch die am Computer aufgenommenen Demos zeigten, wuchs seine Begeisterung. Wir mussten die neuen Sachen nur noch lernen. (lacht)“

Der etwas kryptische Albumtitel „Of The Blue Colour Of The Sky“ entstammt einem pseudowissenschaftlichen Buch aus dem 19. Jahrhundert. Was genau hat es damit auf sich?

Damian: „Das Buch dreht sich um die Farbe des Himmels, um blaues Licht. Der Autor General A.J. Pleasonton versuchte, Hoffnung und Optimismus wissenschaftlich zu beweisen. Kurz gesagt glaubte er, dass durch blaues Glas scheinendes Sonnenlicht heilsam ist und Lebenskraft gibt. Und das Verrückte ist: Die Welt hat das zwei Jahre lang geglaubt. Das amerikanische Patentamt gab ihm sogar das Patent auf die Farbe blau. Pleasonton starb in dem Glauben, etwas wirklich wegweisendes entdeckt zu haben. Das ist die schönste Geschichte, die ich je gehört habe.“

Ihr werdet häufig auf eure Videoclips reduziert. Enttäuscht eucht das?

Damian: „Nein. Die meisten Bands nehmen Videos als PR-Werkzeug wahr, für uns hingegen sind sie ein gegenüber der Musik gleichberechtigter Teil unseres kreativen Outputs. Deine Frage ist ein bisschen so, als würdest du Thom Yorke fragen, ob die Musik von Radiohead sein Lebenswerk überschattet. Wir machen sowohl Musik als auch Videos – und gehen in beidem auf.“

Ihr habt euch in einer E-Mail an eure Fans gewandt, weil es Komplikationen zwischen YouTube und eurer Plattenfirma gibt, was eure neuen Videos angeht. Was ist das Problem?

Damian: „Man kann unsere Videos nur noch auf YouTube anschauen und nicht mehr, wie das noch vor Kurzem möglich war, in Blogs einbetten. Das ist fatal für uns, die Fans erwarten, dass sie über unsere Videos bloggen können. So wird ein wichtiger Weg, über den sich unsere Musik verbreitet, erheblich beschnitten. YouTube bezahlt den Labels nur Geld, wenn ein Video auf YouTube selbst angeklickt wird. Weil die Musikindustrie jeden Cent haben will, den sie bekommen kann, verhindern sie also alles andere. Das können wir zwar nachvollziehen, es trifft uns aber hart.“

Aktuelles Album: Of The Blue Color Of The Sky (Virgin / EMI)
© 01. März 2010  WESTZEIT ||| Text: Benjamin Weber
März 2010

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