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ENNO BUNGER - Schmachtfetzen

Das mit den Herzen ist so eine Sache. Sie liegen gleich neben Herzschmerz. Und Kitsch wohnt auch in der gleichen Straße. Aber lebt da nicht auch der alte Adlige, von Herzen? Der kannte sie noch, die Geschichten von denen, die sich ein Herz fassen. Genau diesen alten Erzählungen hat Enno Bunger gelauscht.

Harmoniesucht

Enno Bunger ist ein junger Kirchenorganist, irgendwo im Norden Deutschlands. „Klar hat man dann ein klassische Klavierausbildung, mit allem, was dazu gehört, Bach, Chopin und die ganz wilde Mischung“, bekennt Enno Bunger, und eine Organistenausbildung noch dazu.“

Bekanntlich macht eine solche Ausbildung einiges leichter, vor allem, wenn es um Texturen, Strukturen oder andere mathematisch anmutende Grundlagen der Musiktheorie geht. „In diesen Hinsichten sicherlich“, lacht Enno Bunger, „aber du trägst natürlich auch jede Menge Bombast als Ballast mit dir rum. Aber wenn es um Popstücke geht, macht es vieles auch schwerer.“

Dies ist für ihn auch der Grund, sich ausgiebig mit Reduktion zu befassen. „Im Poplied muss alles auf Punkt gebracht werden. und zwar in drei Minuten“, weiß Enno Bunger, „diese kurze Zeit muss nicht nur zum Glimmen gebracht werden, sie muss strahlend hell leuchten.“

Eins kann und will Enno Bunger musikalisch nicht reduzieren und da gibt es wieder eine Verbindung zur Funktion der Kirchenorgel, er ist gnadenlos süchtig nach opulenten Harmonien.



Popklaviertrio

Anfangs sitzt Enno Bunger allein im stillen Kämmerlein an seinem Flügel und über die Zeit haben sich zwischen die Notenblätter mit geistlichen Liedern eigenhändig voll geschriebene Zettel geschoben. „Ich habe diese Zettel dann rausgesucht und dabei gemerkt, wie viele Lider ich schon hatte“, blickt Enno Bunger zurück, “ich habe sie für mich selber dann auf Platte gebannt. Aber schnell wird klar, wenn ich mich kreativ austoben will, dann möchte ich die Kommunikation mit anderen Musikern dabei haben.“

Bass und Schlagzeug ergänzen nicht nur seine Tasten, sondern geben den Stücken auch mehr Größe und Kraft. Diese Zusammenarbeit legt auch andere Wirkfaktoren frei. Es vereint The Beatles und Nine Inch Nails mit The Prodigy. Nicht das Klaviertrio jetzt in Richtung Brachialität marschiert. Ganz und gar nicht. Aber es legt die Texturen und Strukturen der angesprochenen Kompositionen hinter dem Lärm frei und macht sie für Enno Bungers Stücke dienstbar. So werden die den Liedern innewohnenden Gefühle unterstrichen und die Gänsehaut so richtig hervor gekitzelt. Auf diese Weise weisen Enno Bunger und seine Mitstreiter dem eher aus Jazz bekannten Klaviertrio einen festen Platz in Popzusammnehängen zu.



Hoffnungsträger

Leicht. Luftig und wohlig perlend, so machen sich die Stücke von Enno Bunger auf den Weg in die Gehörgänge. Garniert mit seiner leicht sonor angehauchten überaus klaren Stimme kommen sie auch schnell an den Ohrwächtern vorbei und wirken, wirken und wirken. Auch deshalb, weil die Texte keinen Herzschmerz transportieren. Sie fordern vielmehr auf, sich ein Herz zu fassen und mutig ins Leben hinaus zu schreiten. Enno Bunger ist eine musikalischer Mutmacher. Ein Hoffnungsträger fernab jeglicher Jammerei und Schnulzenromantik.

Aktuelles Album: Ein bisschen mehr Herz (PIAS/RTD)
© 01. März 2010  WESTZEIT ||| Text: Franz X.A. Zipperer
März 2010

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