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LIEDFETT - Bullerei & Katerstimmung!

Man sollte ihm nicht trauen, sagt sogar Liedfett-Sänger Uecker persönlich. Doch deshalb, und weil er einem energetischen Naturheilkunde-Background entsprungen ist, ist er noch lange kein Schweinehund! Oder? Die tierische Story von Liedfett begann im Jahre 2007, und sie wird stetig fortgeschrieben. Der Unplugged-Underground liegt den drei Herren bereits zu Füßen, kleinbürgerliche Hörerschaften werden zeitnah ebenfalls mit dem Trio klarkommen. Denn die Hamburger Jungs haben „es“ nicht „Verkackt bevor es losgeht“, wie sie es so schön im Opener des neuen Longplayers besingen. Bis zum ´Schweinehund´ sind es dann lediglich noch vier Lieder...

Gitarrist-Sänger-Songschreiber Lukas Uecker lacht: „Der Albumtrack ´Schweinehund´ ist tatsächlich autobiographisch, aber sehr überspitzt. Man ist ja nicht immer nett, in Beziehungen, beiderseitig. Darum geht es in dem Lied. Außerdem sagt er aus, dass man mir nicht vertrauen sollte.“

Warum nicht? Uecker und Philipp Pöhner (Cajón) wirken so, wie sie sich beim Interview präsentieren - im St.Pauli-Shirt mit Pauli-Tattoo – sicher für Fußballfreunde in ganz Deutschland vertrauenswürdig. Folgerichtig haben die Künstler auch bereits im „St. Pauli-Shop“ auf der Reeperbahn gespielt. Statements wie „St. Pauli steht für etwas! HSV steht eher für nichts!“ sind somit keine Überraschung, sie lassen die Band in großen Teilen der heimatlichen Hansestadt durchaus als Sympathieträger erscheinen. Also werden die beiden sich doch nicht zum Interview eingefunden haben, um Unwahrheiten zu verbreiten? Eben. Eigenen Angaben zufolge sind sie dem Punkbackground entsprungen, und Alkohol gewohnt.

„Katerstimmung gibt es im Moment nicht mehr...(Gelächter). ´Kater´ war eins unserer ersten Lieder, die wir je zusammen gemacht haben. Es war noch auf keiner Platte drauf. Katerstimmung kommt nicht auf, wir sind an Alkohol gewöhnt.“

Der ´Kater´ ist bereits vier Jahre alt, er ist so etwas wie die Stimmungsgarantie des Trios. Auf ´Klar Komm mit Liedfett´ ist er nun erstmals allen Bürger(Innen) zugänglich.

Aber kommt das Trio, vervollständigt durch Daniel ´Sprinder´ Michel (Gesang, Kazoo), selbst auch ´klar´?

„Immer mehr,“ bestätigen Uecker und Pöhner, der 2010 als letzter zur Formation stieß.

„Deshalb haben wir ja die ganzen Lieder geschrieben, um irgendwie klar zu kommen, nachdem wir den Plattendeal gewonnen hatten und nun Rockstars sind...“, bekennen sie mit einem Augenzwinkern. ´Klar Komm´ sei eindeutig Zweideutig: „Einmal ist es die Frage, `kommst Du mit´ uns, andererseits bedeutet es aber auch, mit uns klarzukommen.“

Einem von Uecker komponiertem Track namens „Gott und die Nabelschnur“ hört man sehr stark an, dass er auf die Musik von Wir Sind Helden sehr gut klarkommt. „Ja, den Song habe ich geschrieben. Ich mag es gerne, wie Judith Holofernes singt. Ich persönlich finde Wir Sind Helden großartig. Die anderen beiden sind eher keine Fans.“ – aber dennoch nicht ignorant. Denn Liedfett ist das Gegenteil von Ignoranz. Die Formation ermöglicht sich selbst durch ein offenes Set Up (Gitarren, Gesang) live eine große Vielfalt. Uecker: „Wir können machen, was wir wollen, umgehend jedes Genre durchsetzen.“

Wo das nicht spontan möglich ist (siehe CD), geben sie ´Die Anleitung´.

Uecker: „Das Skit ist die Anleitung zum klarkommen, wie im darauffolgenden Song `Einatmen´ zu hören. `Die Anleitung´ ist von Sprinders Vater gesprochen. Der ist Yoga-Lehrer. Sprinders Eltern haben lange in Indien gelebt, damit einen besonderen Input gegeben. Meine eigene Mutter hat eine Praxis, was energetisches Heilen angeht. Naturheilverfahren. Interessant auf jeden Fall“, aber dann doch nicht 100% Ueckers Welt, denn er ist „da eben so reingeraten.“ Ideale Voraussetzungen also, um extremes „Liedermaching“´ zu betreiben. Obwohl es auch vorkommen kann, dass einmal eine Platte ohne einen einzigen ´Message-Song´ erscheinen wird. Soweit ist es aber noch nicht. ´Klar Komm´ gibt überspitzte, authentische Themen zum Besten. Das 2011er-Debut ´Kochbuch´ dagegen war ein Songbook mit Rezepten für die Lieder in Akkorden. Passenderweise wurden Konzerte in Fresstempeln nicht ausgelassen – die ´Bullerei´ (17.05.13), aktuelles Restaurant von Tim Mälzer in Hamburg, ist ein solcher Ort. „Das ist ein Freundschaftsding – wir sind lediglich als inoffizielle Gäste auf der Release-Party des österreichischen Künstlers Fii, mit dem wir sehr gut befreundet sind, eingeladen.“

Klaro, wo Liedfett aufspielt, werden Kalorien verbraucht. Lieder zwischen Revolution und Alltag, kein Thema ist zu komplex, um von vornherein ausgeschlossen zu werden. Ob nun die Liebe, die Leber, der Kater oder die blinde Kuh besungen wird – Liedfett sprengt musikalische Ketten mit Cajon, Gitarre und Gesang, größtenteils ohne Pathos. Anklang durch Wohlklang! Und die Shows werden sicherlich (nicht) nach den Namen gebucht. Oder? Im August performt Liedfett auf einem Event namens ´Rock den Lukas´. Ist Uecker wohlmöglich Namensgeber des Festivals?

„Nee, wir kennen das Festival gar nicht.“ Auch der Ort Tarmstedt ist den Musikern nicht geläufig. Erst bei der Nennung eines Nachbarortes kommen die Mittzwanziger mit der Auftritts-Region klar. „Ach so... bei Worpswede. Da war ich mal auf einer Klassenreise.“

Da wird Uecker sicherlich erstmals die ´Bonze des Humors´ gesehen haben. Es würde passen, denn eine gewisse Art von Wortwitz muss man dem Liedfett einfach attestieren. So oder so!

Weitere Infos: www.liedfett.de

Aktuelles Album: Klar komm mit Liedfett (Ferryhouse / Warner) Vö: 05.04.
Weitere Infos: www.liedfett.de/
© 02. April 2013  WESTZEIT ||| Text: Ralf G. Poppe
April 2013

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