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WIR SIND HELDEN - Der Stich ins Wespennest!

Nach einer fortpflanzungsbedingten Auszeit bekommt die Discographie von Wir Sind Helden endlich auch wieder Zuwachs. „Bring mich nach Hause“ beendet die Zeit des ´Vorsichhinwurschtelns´ und thematisiert u.a. Verlorenheit und Verlaufensein. Live im Studio eingespielt, präsentiert die CD nebst Akkordeon, Banjo & Cuica zudem viele Neuerungen...

Der Einsatz von Gastmusiker Jörg Holdinghausen (Tele) am Bass ist lediglich eine von unzähligen Überraschungen – Mark Tavassol war an die Gitarre gewechselt, damit Judith Holofernes sich mehr dem Gesang widmen konnte. Sagt Pola Roy (Schlagzeug), der fernmündlich Informationen überlieferte, bevor besagte Judith im Vorfeld des umjubelten Gastspiels beim wunderbaren Hamburger „Dockville-Festival“ weitere Ansichten dezidiert mit uns eruierte. Mark und Jean-Michel Tourette (Gitarre) blieben diesmal außen vor –schließlich hatten sie die beiden Interviews zur Westzeit-Titelstory in No. 06/07 gegeben.

PR: „Wir haben viel Zeit damit verbracht, zu gucken, welcher Song nach welchem kommen kann. Nicht nur der Titel, sondern einfach die transportierte Stimmung.“

JH: „Die Titel, die jetzt drauf sind, lassen sich nicht so verorten in Raum und Zeit. Sondern so, dass es fast eine Traumwelt / Parallelwelt ist. Die drei entfallenen Songs waren Lieder, die eindeutig verortet waren. Ein Lied davon hat musikalisch nicht so gepasst. Obwohl ich textlich sehr daran gehangen habe. ´Die Wespe´ – mein Kommentar zur letzten Wahl – ist nun die B-Seite der ´Alles´- Single. Ein Lied über Wespen & warum ich die Farbkombination Schwarz-Gelb nicht mag. Musikalisch irgendwo zwischen Chemical Brothers und Rai, war es so ein bisschen der eine Haken zuviel.“

Klingt „Bring mich nach Hause“ Erwachsen?

JH: „Ich glaube, dass Leute, die keine Kinder haben, denken, damit wird man ausgeglichener. Ich finde, Kinder bringen wahnsinnig viel Heiterkeit ins Leben. Man hat immer etwas zum Lachen. Aber das hilft einem nichts, wenn sie in Richtung Straße tapsen. Es bringt die größten Ängste ins Leben, die man sich vorstellen kann. Elternsein ist definitiv alles andere als heiter und unbeschwert. Das Bedürfnis, die Kinder heiter und unbeschwert zu machen, macht für die Eltern viel Beschwertheit.“

Der Song „Die Träume anderer Leute“ beginnt mit einem Kinderreim...

JH: „Genau an der Stelle könnte ich mir vorstellen, dass ich das vor 5 Jahren auch ohne Kinder so geschrieben hätte. Weil es mir bei dem Song sehr darum ging, wie viel Zeit und Energie man in die Umsetzung von Träumen steckt, die vielleicht noch nicht einmal die Eigenen sind. Ich habe einmal über eine Studie gelesen, die mich sehr beeindruckt hat. Sie besagt, dass man sich über einen geschenkten Blumenstrauß messbar mehr freut, als über einen bestandenen Studienabschluss. Das lässt Rückschlüsse zu, wie man sich manchmal verhaut mit den Träumen, auf die man jahrelang hingearbeitet und Zeit investiert hat. Die dann nicht einlösen, was man sich versprochen hat. Oder man in Wirklichkeit noch nicht einmal scharf darauf ist, was sie dann einlösen. Da sind so viele Vorstellungen im Raum, was man zu träumen hätte, dass viele Leute ihr ganzes Leben vorbeiträumen an dem, was sie eigentlich dazu befähigen würde, ein glückliches Leben zu leben. Dort ein Kinderlied, ein ordentlich verhunztes, voranzustellen, war naheliegend, da einem viele dieser Träume mit relativ viel Nachdruck in die Wiege gelegt werden. Ich wollte als Kind gar nichts werden, außer vielleicht glücklich. Mir war auch klar, dass das nur in zweiter Linie damit zu tun haben würde, was ich so mache. Selbst wenn man das macht, was in der gesamten Benutzeroberfläche so aussieht, wie das, was man sich mal gewünscht hat, heißt noch nicht, dass es einen glücklich macht. Für Leute wie uns, die - sagen wir mal so - eindeutig ihren Traum leben, ist das fast noch schwieriger. Ich habe dieses Lied geschrieben, und dachte, ich schreibe über andere Leute. Dann habe ich gemerkt, für mich ist es mindestens genau so schwer. Sobald man anfängt, sich über ein Detail zu beschweren, sagen die Leute, ´Na ja, immerhin lebst Du deinen Traum´. Und ich muss dann immer sagen – Vielleicht lebe ich Deinen Traum; meinen nur zu soundsoviel Prozent!“

Ein Lächeln huscht über die Gesichter... Danke für das Gespräch!

Aktuelles Album: Bring Mich Nach Hause (Reklamation Records/Columbia)
Weitere Infos: www.wirsindhelden.de
© 01. September 2010  WESTZEIT ||| Text: Ralf G. Poppe
September 2010

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