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EL*KE - Schritt für Schritt ins Paradies

Obwohl El*ke im letzten Jahr mit „Ramona“ den Durchbruch schaffte, handelt es sich keineswegs um eine Clique von Damen. Vielmehr haben die Herren Peter Bolmer, Hubert „Hubi“ Deters und Martin „Mücke“ Krüssel sich nach einer jahrelangen „Ochsentour“ den Weg zum Erfolg hart erarbeitet. Die WZ recherchierte Fakten, als das Trio auf der Hamburger Reeperbahn „(an)schaffen“ ging...

Keine Angst, damit sind nicht sexuelle Praktiken gemeint. El*ke präsentierte lediglich das Material des dritten Studioalbums „Häuser stürzen ein“ in der „Prinzenbar“. Der Name könnte Programm werden, denn die in Berlin wohnhaften Ex-Meppener könnten zeitnah die Regentschaft der deutschen Rockmusik übernehmen. Lassen wir vorab kurz die Vergangenheit Revue passieren: Als zwei Mitglieder die Band „Swamphead“ verließen, schlugen sich der eher introvertierte Peter Bolmer (Vocals, Gitarre), der scheinbar bodenständige Hubi (Drums) und Rock´n´Roller Mücke (Bass, Gitarre) mit dem Auto (Kennzeichen EL*KE...) nach Spanien und Portugal durch, um als Straßenmusiker zu tingeln. Dann emigrierten sie nach Berlin, wo in Neukölln eine WG mit Pola Roy (Wir Sind Helden) drei Monate bestand haben sollte. Anschließend zog El*ke kompakt nach Kreuzberg, wo in ihrem Keller das Ramones-Museum entstand. Man kooperierte mit dem Rosenstolz-Management, fand beim It Sounds-Label von Inga Humpe (2Raumwohnung) eine musikalische Heimat. Unzählige Clubtouren und Stadionkonzerte (u.a. als Support der Toten Hosen) folgten. Physisch wurden all diese Erfahrungen auf der Debut-EP „Adrenalin“ (2005), den Studioalben „Wilder Westen“ (2005), „Wir müssen hier raus“ (2007), der Konzert-CD „Live“ (2006), diversen Singles sowie dem OST zu „Video Kings“ (dessen Titelsong das o.g. „Ramona“ darstellt) dokumentiert. Nun kommt „Häuser stürzen ein“ auf den Markt. Der raue Punksound hat sich mit `hardrockigen´ Melodien arrangiert. Der Sound ist besser, professioneller.

Bolmer: „Das ist der Weg, den wir gehen wollen. Wir sind immer noch eine Punkband, haben überlegt, direkt nach diesem Album ein weiteres aufzunehmen. Die Idee, die wir leider nicht umgesetzt haben, war, zusätzlich ein Schmutzalbum einzuspielen, wo wir auf alles kacken. Einfach ein paar Songs aufzunehmen, die von der Geschwindigkeit durchgehend 190 dps haben.“

Bolmer lacht. „Wir wollten uns 10 Tage zusammen einsperren, und das, was dabei herauskommt, einfach `raushauen´. Aber im Grunde ist es das Verlangen einer jeden Band, dass ein Ergebnis professionell klingt.“

Der Sänger mag jedoch keinen Titel besonders hervorheben.

„Ehrlich gesagt, gibt es kein Stück, dass besonders herausragt. Es war alles ein neues Gefühl. Es gab hier und dort ein bisschen mehr Melodie. Beim Gesang war das sehr wichtig. Vor allem die Texte entstanden anders. Ich habe mich mit einer Frau zusammengesetzt, ein bisschen geschrieben. ´Das Größte´ ist wichtig, ´Tanz ab´ ebenso... Die Songs geben einfach Stimmungen wider.“

Deters äußert sich zu den inhaltlichen Werten albenübergreifend.

„´Aufstand´ spiegelt mit `Wussten Sie das schon...´ die Anrede im Dorfladen wieder. Wenn hinter dem Wursttresen die neuesten Lästereien gehandelt werden. Der Song behandelt die dörfliche Ignoranz und Spiessigkeit. `Ich will nicht mehr tot sein´ aus `Häuser stürzen ein´ zeigt an, dass einem die Decke auf den Kopf fällt. Dass man etwas ändern muss. Es beinhaltet dieses zerstörerische Element, um nicht selbst zerstört zu werden...bis alles einstürzt, um abermals neu beginnen zu können. Energie wird auch in `Wilder Westen´ freigesetzt. ´Brichst mir die Rippen – mit deinem Unterarm´. Wir versuchen, Situationen zu beschreiben, die uns passiert sind. `Fühl mich nass und ausgelutscht´ aus `Wir müssen hier raus´ ist das Gefühl einer durchzechten Nacht. `Easy Rainer´ ist wichtig, da er der erste von Mücke gesungene Song ist (Anm. d. Verf.: Der ´hidden´ Bonus-Track auf „Wir müssen hier raus“ war ebenfalls, gar in Plattdeutsch, von Mücke eingesungen worden)!“

Bolmer: „Den Text hat Mücke zudem selbst geschrieben. Wenn wir einen Text verfassen, gehen wir am Ende noch mal alle zusammen drüber, überlegen, wie wir das so zusammenbringen, dass alle zufrieden sind.“

„Easy Rainer“ rückt die Gruppe aufgrund der `schmutzigen´ Gitarren / Wortspielereien etwas in die Richtung einer Biker-Band.

Solche Marginalien bestimmen definitiv nicht das gesamte Erscheinungsbild. Eine besondere Nähe zu Ton Steine Scherben besteht ebenfalls nicht, obwohl es diverse gleichlautende Songs im Repertoire gibt. „Wir müssen hier raus“ oder „Land in Sicht“ stehen hier stellvertretend für viele Parallelen.

Bolmer: „Eigentlich wollten wir `Land in Sicht´ `S.O.S.´ nennen. Es war zuerst auch vom Text so angelegt. Doch der Name war uns irgendwie nicht cool genug. Diese Überschneidung ist Zufall. Wir haben mehrere Titel geändert, ´1000 Mal´ z.B. hieß ursprünglich `Vorbei´. `Wir müssen hier raus´ war das zweite Album. Das ist traditionell das orientierungslose Album. Da weiß man nicht, wo die Reise hingeht. 4-5 Lieder davon waren wirklich El*ke, der Rest war mehr so `Wir müssen da jetzt durch´. Die Single `Ich mag dich´ lief oft im Radio. Zu der Zeit haben wir in Berlin im `Postbahnhof´ gespielt, und es sind 700 Leute gekommen! ´Adrenalin´ hat anders funktioniert. Damals waren wir mal Vorband hier, mal Vorband da.“

In diesem Monat supporten El*ke Billy Idol auf seiner Tour, im August folgt dann der `Ritterschlag´ als Anheizer für Iggy & The Stooges. El*ke-Konzerte sind begehrter denn je. Denn nicht nur das Album, auch das Management, die Organisation, alles hat nunmehr richtig professionelle Züge angenommen.

„Früher hatten wir bei Konzerten oft das Merchandising vergessen...das passiert heute nicht mehr. Bei der zweiten Platte hatten wir kein Management, haben alles selbst gemacht. Davor waren wir mit dem Management von Rosenstolz zusammen. Das passt ja eigentlich überhaupt nicht! Als sich das Management dann aufgelöst hatte, waren wir plötzlich frei. Dennis hat einen Teil übernommen, doch es war noch keine richtige Struktur vorhanden.“

Besagter Dennis ist mittlerweile als Booker in einer großen Agentur tätig. Hier plant er nun professionell die Live-Aktivitäten von El*ke, in deren Pre-Version er bereits einmal als Sänger engagiert war. In jener Frühphase wurden allerdings noch Rage Against The Machine-Coverversionen dargeboten. Doch ist dies ein Beweis dafür, dass sich Zusammenhalt, gepaart mit konsequenter Weiterentwicklung, durchaus auszahlt. Mit „Häuser stürzen ein“ schließt sich noch ein weiterer Kreis in der Historie der Formation.

Bolmer: „Es war gar nicht so geplant, hat sich einfach zufällig ergeben. Mit Mirko Schaffer, er hat bei der letzten Ärzte-Platte assistiert / coproduziert, haben wir vor zehn ahren schon einmal etwas aufgenommen. Noch mit der damaligen Band Swamphead. Wir haben uns zufällig in Berlin getroffen. Und uns für Mirko entschieden. Es gab wieder diese Energie, die wir früher hatten. Wir hatten das Gefühl, wir müssen etwas vollenden, was wir vor zehn Jahren begonnen hatten. Das haben wir gemacht! Meiner Meinung nach ist daher jetzt unser emotionalstes Album entstanden. Wir haben ein neues Album! Jetzt geht es weiter. Wir müssen uns neu beweisen! Aber wir machen auch noch ein viertes Album!“

Dabei wäre es vor „Häuser stürzen ein“ fast zu einer Trennung gekommen!

Deters: „Wenn man so lange zusammen arbeitet, parallel in derselben Wohnung lebt, ist es wohl so, dass man irgendwann aneinander gerät. In unserem Fall war es für die Entwicklung des Albums sehr positiv, da wir aus dieser Stress-Situation neue Energie gewonnen haben, und alles eine neue Bedeutung bekommen hat.“

Die WG hat ihren Standort gewechselt. Das Ramones-Museum hat seine Pforten geschlossen... zumindest solange, bis es einen neuen, guten Platz gefunden hat. The times, they are a-changin´...

Aktuelles Album: Häuser stürzen ein (It Sounds/ EMI) VÖ: 04.07.
Weitere Infos: www.alleselke.de
© 03. Juli 2008  WESTZEIT ||| Text: Ralf G. Poppe ||| Foto: Ben Wolf
Juli 2008

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