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SILBERMOND - Zeit-Reisende

Silbermond polarisiert. Doch die Band ist weiterhin in allen Medien präsent. Andere Formationen aus der Zeit, in der das Quartett in die Erfolgsspur startete, sind aus der öffentlichen Wahrnehmung längst verschwunden! Aus dem 20jährigen Mädchen, das Ende Mai 2005 in der Stadthalle Bremerhaven so zierlich mit dem Mikro in der Hand, scheinbar voller Lampenfieber, neben der Bühne stand, und im Begriff war, eben jene zu entern (als der Autor dieser Zeilen Interview-Slots mit den Vorgruppen Revolverheld und EL*KE hatte), ist eine selbstbewusste Frau geworden:

Silbermond-Sängerin Stefanie Kloß war am Abend des Interviews als Coach in der Pro7/Sat.1-TV-Show ´The Voice of Germany´ zu sehen. Live wird sie in dieser Profession wieder im Dezember bei den Live-Shows der Staffel zu sehen sein. Die Frage, ob sie ihren Vertrag als Coach verlängern wird, umgeht sie sehr galant:

„Man ist gerade so mittendrin, da ist das noch gar kein Thema. Die Studio-Shows werden noch sehr interessant. Ich freue mich auf die Live-Shows, habe interessante KünstlerInnen im Team. Jetzt bin ich gerade mit meiner Band (Thomas Stolle/g; Johannes Stolle/b; Andreas Nowak/dr) unterwegs, habe eine Platte fertig gestellt.“

´Leichtes Gepäck´ heißt sie, und die Reise geht mit einem neuen Produzenten-Team in neue Gefilde. Ob Kloß dafür etwas mitnehmen konnte aus ihren Voice-Coach-Erfahrungen?

„Weil man dabei sehr unterschiedliche Menschen trifft, hatte ich mich dafür entschieden, ein zweites Mal dabei zu sein. Erfahrene ebenso wie ganz junge Menschen von 16 /17 Jahren. Sie erinnern mich daran, wie ich mit 17/18 war. Ein tolles Gefühl. Die Leichtigkeit ging über die Jahre leider etwas verloren.“

Stefanie Kloß hatte ihre Musiker mit 14 Jahren kennen gelernt, nun gemeinsam das fünfte Studioalbum veröffentlicht.

„Wir haben bewusst 12 Songs ausgewählt, die das Album auf den Punkt bringen. `Leichtes Gepäck´, der Titelsong, steht als Überbegriff für das Gesamtbild.“

Kloß erinnert die Anfänge.

„Alles ging so schnell vorbei. Wir haben uns nie die Zeit genommen, zu realisieren, was das alles mit uns als jungen Menschen gemacht hat. Nach `Himmel auf´ ging ein bisschen der Mut verloren. Es hatte sich Ballast auf unseren Schultern angesammelt. Wir hatten halt nicht mehr die Naivität eines Newcomers. Es kam die Einsicht, dass sich etwas verändern muss, damit es weitergeht.“

Und das hat nicht an den im Gegensatz zu den ersten drei Alben ungleich geringeren Abverkaufszahlen gelegen, die bei Wikipedia mit + 10.000 angegeben wurden. Kloß ist sprachlos, diese Zahlen entsprächen keineswegs der Realität.

„´Himmel auf´ verkaufte 360.000 – 370.000 Stück. Nach dem Wahnsinn der ersten drei Alben hat die CD sicher am wenigsten verkauft. Doch es sind nicht die Verkaufszahlen, die glücklich oder unglücklich machen! Es ist das Gefühl. Da es mit unserem bisherigen Team kein kreatives Pingpong-Spiel mehr gab, entschieden wir uns für ein neues Produzenten-Team. Wir haben kreativen Input von außen zugelassen. Sind zu Poetry Slams gegangen, haben selbst dazu eingeladen. Wir hatten Bock auf Inspiration. Das hat uns befreit. Deshalb traf ich auch die Entscheidung zu `Voice of Germany´ zu gehen. Um einfach außerhalb der Gruppe musikalisch anders inspiriert zu werden.“

Der Resetknopf als Band wurde gedrückt. Es ging back to the roots. Und ins Studio nach Nashville. Der Ort gilt als die Wiege der Countrymusik. Was auf ´Leichtes Gepäck´ nicht nachvollziehbar ist. Kloß lacht.

„Nee nee, in den Blackwood Studios von Nashville haben auch die Kings of Leon bereits aufgenommen. Und Jack White. Die haben nun wirklich alles andere als Country-Wurzeln! Dennoch habe ich es genossen, jeden morgen auf dem Weg ins Studio auf NashFM Countrymusik zu hören. Wir haben in Nashville innerhalb von 12 Tagen die gesamten Basic-Tracks eingespielt. Täglich von 10–24 Uhr im Studio gearbeitet.“

Auf ´Himmel in die Stadt´ erklingt die Zeile ´Grau wie die Fassaden der DDR´.

„Ich finde die Zeile gut. Die Texte sind aber in Berlin entstanden.“

Gibt es eine persönliche Erinnerung an die DDR?

„Die Zeile ist eine niedliche Metapher, wenn man im Osten aufgewachsen ist. In meiner Kindheit war schon alles ein bisschen gleich. Wir haben auch noch in einem WBS-70 Bau gewohnt. Das waren die Hochhäuser, die Plattenbauten ...“

Mit ´B96´ gibt es eine weitere Ode an die Heimat, bzw. an die Bundesstraße dorthin. Leider reicht der Platz hier nicht aus, um jeden Song dezidiert zu diskutieren. Anhören!

Aktuelles Album: Leichtes Gepäck (Sony Music Germany)
Weitere Infos: www.silbermond.de
© 01. Dezember 2015  WESTZEIT ||| Text: Ralf G. Poppe ||| Foto: Harald Hoffmann
Dezember 2015

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