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SPERMBIRDS - Eroberer des Jungbrunnens?

Die Sprungkraft auf der Bühne hat nach 27 Jahren verständlicherweise etwas nachgelassen. Dennoch steht der Name Spermbirds wie eh für Kontinuität in Sachen ´innovativer Hardcore´. Zudem, so stellte sich im WZ-Interview bezüglich der neuerlichen musikalischen Höhensprünge heraus, verziert Spaßvogel Roger Ingenthron seine Statements immer noch mit einem ´Blab-blub´ am Satzende...

1983 in Kaiserslautern von Lee Hollis (voc), Matthias Götte (dr), Markus Weilemann (bs), Roger Ingenthron (g) & Frank Rahm (g; Mitglied von 1983-2007; mittlerweile ersetzt von Steve Wiles) gegründet, gelten die Spermbirds als die deutsche Hardcore-Band schlechthin. Abseits vom Straight Edge-Gedanken („Natürlich hat die Band gerne mal eine Bier getrunken...“) etablierten die Musiker eine Spielart, die hierzulande den Nährboden für den Crossover-Sound legen sollte. Obwohl die Gruppe sich mehrmals auflöste / wiedervereinigte, der Lebensmittelpunkt der Mitglieder nach Köln, Berlin, Saarbrücken verlegt wurde, klingen die Spermbirds 2010 frischer denn je. Auch wenn die Tage im Übungsraum schwieriger zu realisieren sind. Einige Mitglieder haben feste Jobs, Kinder; Lee Hollis hat mit Steakknife eine weitere Band am Start; Götte drumt noch bei Kick Joneses. Finanzielle Aspekte spielen ebenfalls eine Rolle.

„Schließlich müssen einige von uns jetzt mit dem Flugzeug anreisen...“, sagt Ingenthron. Die Spermbirds sind weit davon entfernt, Reichtümer anhäufen zu können, dennoch weltweit aktiv. Die Tour zum bisher letzten Longplayer „Set An Example“ (2004) hatte die Musiker gar nach Südafrika geführt, lange bevor die Fußball-Weltmeisterschaft dort für Furore gesorgt hatte. Die Problematik der Armut von vielen Südafrikanern in den Ghettos wurde medial oft thematisiert. Ingenthron hat in gewisser Weise gar Verständnis dafür, wenn Einheimische Touristen Wertsachen abnehmen.

„Stell Dir vor, Du musst in einer kleinen Hütte leben, hast nichts zu essen, zu allem Überfluss eventuell noch den HI-Virus. Dann hast Du wirklich nichts mehr zu verlieren.“

Dennoch überwogen die positiven Momente: „Einmal haben wir in einem Club gespielt, da war ein südafrikanischer Bürger, der alle Texte mitsingen konnte, obwohl unsere Tonträger gerade dort wirklich sehr schwer erhältlich sind...“

Im letzten Jahr wurde eine Australien-Tour mit Konzerten in Adelaide, Melbourne, Sydney, Brisbane realisiert.

„Zwei australische Freunde haben die Tour für uns organisiert. Ein Fan, der gut betucht ist, hat die finanziellen Mittel ausgelegt. Letztendlich haben aber alle Beteiligten an dieser Tournee etwas verdient. Viele der circa 300 Leute fassenden Clubs waren sogar ausverkauft. Innerhalb von neun Tagen spielten wir 7 Konzerte.”

Während es in Südafrika / Australien eher ein „Best of-Programm“ gab (es wurde vorab teilweise online abgestimmt, welche Songs erwünscht werden), wird im September größtenteils das neue „A Columbus Feeling-Programm“ in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Belgien, den Niederlanden sowie in der Tschechischen Republik erklingen. Gerade weil es bei den neuen Songs wieder eine Menge an frischen Sounds zu entdecken gibt; das Songwriting diesbezüglich dauerte immerhin auch fast fünf Jahre.

Ingenthron vollendet(e) kurz vor Tourbeginn seinen 45. Geburtstag.

„Mit 60 werde ich nicht mehr auf der Bühne stehen!“, sagt er. Vielleicht bleibt der Gitarrist dem Business später als Produzent erhalten? Als solcher betreute er jedenfalls die Aufnahmen zu „A Columbus Feeling“ (Studioalbum No.8). 4 fertige Tracks fanden den Weg auf das Album nicht, weil in einer demokratischen Abstimmung unter den Bandmitgliedern die nun veröffentlichten 14 Songs bevorzugt wurden.

„ ´Black In A Rainbow´ behandelt z.B. die Problematik eines Freundes mit seiner Freundin. Sie kritisiert ständig, würde wahrscheinlich sogar in einem Regenbogen noch einen schwarzen Fleck finden – obwohl das eigentlich unmöglich ist.“

„Choose Not To Look“ erinnerte die Band, so Ingenthron, an Joy Division, hat jedoch gleichzeitig etwas von James Bond, während „Fat Chance“ ein grooviges Stück (fast schon Disco) im Geiste von „Only A Phase“ darstellt. In „Can´t Live Without It“ rechnet Lee Hollis mit der Produkthysterie ab, bevor er auf „A Cliff To Jump Off Of“ dem Wohlstand sarkastisch einen bösen Abgang verschafft. So richtig beginnt die klingende Entdeckungsreise jedoch erst mit dem Titelsong. Im Americana-Stil reitet das Intro auf einem Banjo dem Refrain entgegen – der Mitgröhlsong schlechthin! Mit „A Columbus Feeling“ beweisen die Spermbirds, dass Altern auch Vorteile mit sich bringt!

Aktuelles Album: A Columbus Feeling (Rookie Records / Cargo) VÖ: 03.09.
Weitere Infos: www.spermbirds.de/
© 01. September 2010  WESTZEIT ||| Text: Ralf G. Poppe
September 2010

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