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RUBBERSLIME - Die kultivierte Revolution

Es waren Hamburger, die Punkrock und Unbeugsamkeit so genial und ansprechend verschmolzen, dass sie in den 80ern als die Demagogen für Punx, Linke, RAF-Sympathisanten, Antifaschisten und Anarchisten gleichermaßen galten. Die Rede ist von Slime, die drakonischere Ton Steine Scherben-Variante, die mit „Mollies und Steine gegen Bullenschweine“ den wohl bekanntesten und kämpferischsten Slogan deutscher Punkgeschichte schrieben. Bei dem beispiellosen ´83er Slime-Gig in Hamburg-Harburg haben der Legende nach 26 Polizeibeamte aufgrund erlittener Angstqualen ihren Dienst quittiert, was „sicherlich eine beispiellose Legende“ dafür ist, welchen Status sie durch ihre Positur hatten.

Schon im Vorfeld mussten sie sich von der radikalen linken Punkszene als Kommerzschweine betiteln lassen und so löste man sich nach dem ´94er WDR-Rockpalast-Gig, zum Leidwesen der gesamten deutschen Punkszene, radikal auf. „Dies schien für den Drummer Stephan Mahler damals wohl die einzige Möglichkeit, unbeugsam und somit sich selber treu zu sein.“ Zur gleichen Zeit am selben Ort lösten sich die Rubbermaids, Hamburgs Aushängeschild in Sachen Punk´n´Roll, auf. Jahre zogen ins Land und plötzlich trat letztes Jahr auf dem Force Attack-Festival eine Band namens RubberSlime auf, die gleichsam beide vermissten Bands vor einem großen Publikum vereinte. Und nur ein knappes Jahr später knallen sie ihr schmissiges Studioalbum „Rock´n´Roll Genossen“ der wartenden Meute vor dem Bug. Motive und Antrieb genug, mich mit Elf, seines Zeichens Gitarrist und Texter, über Rubber und Slime auszulassen.

Wie kam es eigentlich zu der Fusion von Rubbermaids und Slime?

„Sven Brux vom FC St.Pauli wollte gerne Slime in Originalbesetzung für das RETTER-Festival 2003 haben, was aber nicht ging, weil die anderen Ex-Mitglieder keinen Bock darauf hatten. Also haben wir praktisch die Besetzung von C.I.A. reaktiviert, nur der Drummer ist jetzt Dynamike von den Rubbermaids. Die Gelegenheit wollten wir uns nicht entgehen lassen im Millerntor Stadion vor 7000 Leuten zu spielen.“

Könnte man die Fusion auch als eine Art Slime-Reunion sehen?

„Eindeutig nein, da fehlen drei Originalmitglieder und es war von Anfang an nicht unsere Intention.“

Aber was ist dann der Grund dafür, das ihr auf euren Gigs (siehe DVD) immer noch sehr viele Slime-Songs spielt?

„Da immerhin Dirk und ich von Slime dabei sind, erschien es uns doch naheliegend, den Leuten nach 10 Jahren noch mal ein paar ´Golden Oldies´ anzubieten nach dem Motto: Give the people what they want.“

Slime stand immer für eine klare, radikal linke Position. Was ihr sagen konntet und wolltet, habt ihr gesagt. Wird das mit Rubberslime ähnlich sein?

„Die neuen Texte sind vordergründig sicher nicht mehr so radikal wie einige Slime Stücke waren, aber unsere Meinung werden wir weiterhin kundtun. Man kann natürlich musikalisch und inhaltlich nicht immer wieder dieselbe Schiene fahren wie vor 25 Jahren.“

Was ist für dich der große Unterschied zwischen Slime, Rubbermaids und Rubberslime?

„Slime war eine knallharte Hardcore Politpunkrock Combo. Rubbermaids eher die Rock’n Roll-Fun Abteilung. Rubberslime bewegt sich zwischen diesen beiden Polen, mal auf die eine, mal auf die andere Seite.“

Ihr ward nie die Band, die Humor auf ihre Fahnen hattet. Auf „Rock´n´Roll Genossen“ jedoch ist eine gepflegte Portion Heiterkeit enthalten. Was ist der Anlass, Witz zu versprühen?

„Spaß haben, oder? Die Welt ist nicht besser geworden in den letzten 25 Jahren und das in jeder Hinsicht. Da kommt man manchmal nur mit Ironie gegen an. Den einen oder anderen ernsthaften Text haben wir im Übrigen auch noch am Start.“
Aktuelles Album: Rock´n´Roll Genossen (Dröönland/PIAS)
© 01. Mai 2005  WESTZEIT ||| Text: Georg Lommen
Mai 2005

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