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TIMID TIGER - Tiger auf Samtpfoten

Da tauchte im letzten Jahr eine EP auf, auf dessen Cover ein kleiner, vom Kölner Künstler Klaus Cornfield gezeichneter Tiger verbissen Gitarre spielte. So hörten sich dann die vier Songs auch ungefähr an. Und das war von vorneherein Absicht, auch wenn die jetzt erscheinende Debüt-CD "Timid Tiger & A Pile Of Pipers" der nach dem Streifentier benannten Kölner Band jetzt noch poppiger klingt, als die ersten Gehversuche.

"Die EP herauszubringen war notwendig, um halt mal eine Visitenkarte abgeben zu können.", erklärt Christian, der Gitarrist der Band, "wir haben die Arbeit daran auch recht konzentriert gehalten, weil wir damals noch nicht so weit waren, unsere Vision richtig auf Tonband zu bringen." "Die EP haben wir auch genutzt, um an größere Labels heranzutreten", ergänzt Sänger Keshav, "und so ist auch der Kontakt zu Lado entstanden." Und das Tocotronic-Label ließ sich nicht lange lumpen und schickte die Jungs zusammen mit Phillip Boa auf Tour – noch bevor die eigene CD herausgekommen war. Dabei stellte die Band dem Publikum dann erstmals das vor, was sie als "Cartoon-Pop" bezeichnen. "Wir haben unsere Musik zunächst Tiger-Beat-Elektro-Punk genannt", erklärt Christian – darauf verweisend, daß die ersten Songs mehr Gitarrenanteil hatten, als jetzt die auf der eher Keyboard-dominierten CD, "jetzt heißt sie aber Cartoon-Pop. Das auch als Anspielung auf die späten 60er, die wir als Inspirationsquelle anführen. Da gab’s diese Comedy-Rock-Bewegung mit Rückbesinnung auf die Vaudeville Musik der 20er Jahre. Damit angefangen haben die Beatles mit diversen Ausbrüchen auf dem weißen Album oder Sgt. Pepper’s oder die Beach Boys mit Pet Sounds und die Kinks. Die alle hatten Comedy-Rock-Elemente in der Musik und wir fanden, daß sei eine gute Art und Weise mit der Vergangenheit umzugehen und beschlossen, das Ganze mit einem eigenen Stil zu versehen und in die heutige Zeit zu übertragen." Herausgekommen ist dabei eine erstaunlich leichtfüßige Pop-Musik, die genresprengend alles mögliche aufsaugt und unter allerlei Getöse, Gefiepe, Geblubber und sonstigen Comic-Geräuschen wieder ausspuckt. "Was den Cartoon-Effekt betrifft, so ist es z.B. auch wichtig, daß wir uns von den Cartoons, den Bildern von Klaus Cornfield inspirieren lassen", fügt Keshav hinzu, "wir bekommen immer neue Tiger-Bilder zugeschickt und hängen die im Proberaum auf." Cornfield, ein Freund der Band, entwarf den Tiger als feststand, daß die Jungs mit ihrer Musik etwas bewegen wollten – im literarischen wie im übertragenen Sinne. Denn Timid Tiger wollen den Fans eine theatralische Alternative zum ansonsten eher biederen Live-Vortrag bieten, den die meisten Rock-Bands pflegen. Und dazu gehört auch ein bißchen Trash. "Es war für uns auch wichtig, daß Klaus uns so sah – so bunt, so weich, so kitschig", überlegt Christian, "er hat ja eine gewisse Eigenart zu zeichnen – rund und zart mit Retro-Schimmel. Als wir das Bild sahen, hatten wir das Bedürfnis, unsere Musik so klingen zu lassen, wie der Tiger aussah." Und irgendwann vermischten sich dann Phantasie und Realität: "Die Charaktere auf unserer CD, wie Miss Murray, kommen zwar aus dem Cartoon-Land, existieren aber auch in unserer Welt", versucht Christian, den Bogen zu schlagen, "das ist dann eine Art Parallel-Welt. Der Unterschied ist der, daß wir nicht gezeichnet sind, und die Tiere hier – anders als in der Cartoon-Welt – nicht sprechen können." Eines steht fest: Timid Tiger ist jedenfalls die quietschfidelste, munterste Band, die seit langer Zeit aus deutschen Landen frisch auf den Tisch gehüpft ist.
© 01. Mai 2005  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer
Mai 2005

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