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MANHEAD - Schizophrenie als künstlerisches Prinzip

Dass ein Musiker in verschiedenen künstlerischen Kontexten existiert, ist nichts Besonderes. Viele spielen in verschiedenen Bands, starten neue Projekte unter anderem Namen, um dem eigenen Schaffensdrang auch außerhalb der etablierten Grenzen zu Geltung zu verhelfen. Oft ist es den Beteiligten dann ausgesprochen wichtig, die verschiedenen Identitäten auch getrennt von einander beurteilt zu wissen. Robi Insinna aus Zürich geht da einen anderen Weg. Er ist gleichzeitig Headman und Manhead. Schon die strukturelle Ähnlichkeit legt nahe, dass es sich nicht um zwei völlig verschiedene Welten handelt.
Als er als Headman 2001 auf dem Münchner Label Gomma sein Album „It Rough“ veröffentlichte, gehörte er neben The DFA, Trevor Jackson oder Ivan Smagghes Band Black Strobe zu den Vorreitern des Disco Punk – dem Sound, der Electroclash als neues Underground-Ding ablösen sollte. Insinna ließ als Headman den New Yorker No Wave der späten 70er wieder aufleben: prototypische Basslines und exzessive Percussion. Wie tief er in die musikalische Leftfield-History der letzten 30 Jahre eingetaucht ist, konnte man erst vor wenigen Monaten auf seinem Mix „Dance Modern“ für das belgische Label Eskimo nachhören. Doch während Headman immer größere Wellen schlug, tauchten auf Trevor Jacksons (Playgroup) Label Output die ersten Tracks von Manhead auf. Druckfehler? Chinesischer Schriftsetzer? Insinnas musikalische Handschrift war unverkennbar, doch der Bezugspunkt war nicht mehr eine Band mit Live-Instrumenten, sondern der Dancefloor.

„Ich wollte dem Live-Charakter von Headman etwas Elektronisches entgegensetzen. Headman hat immer den Touch einer Rockband, ich spiele als erstes die Live-Basslines ein. Manhead sollte dagegen rein elektronisch sein. Die Wurzeln sind vergleichbar, aber bei Manhead möchte ich mit total verrückten Sounds herumexperimentieren und meine Vorliebe für Disco und Pre-House voll ausleben.“
Dass eine derart omnipräsente Szenefigur wie Robi Insinna ausgerechnet aus Zürich kommt verwundert ein wenig, ist doch die Schweiz nicht gerade für ihren florierenden elektronischen musikalischen Untergrund bekannt.
„Ich habe in Zürich eigentlich nie meine eigene Szene gehabt. Ich bin schon früh viel gereist, habe in Südamerika gelebt und in Italien Kunst studiert. Meine musikalische Szene findet sich eher in London, Paris, Berlin oder New York. Hier habe ich meine meisten Kontakte und tausche mich ständig mit Freunden aus. So ist auch der Kontakt zu Trevor Jackson entstanden. Er ist einfach ein Freund von mir und irgendwann kam dann die Idee, dass er auf Output die ersten Manhead-Sachen rausbringen wollte. Das Album möchte ich nun aber lieber über mein eigenes Label Relish releasen.“
Mit Relish hat Insinna übrigens einen Labeldeal mit Fine Records, das wiederum der Disco-Spielplatz der Fantastischen Vier ist. Für Acts wie Michi Becks Turntablerocker, Mocky oder Tiefschwarz sollte eine eigene Plattform her und so gebar Four Music Berlin eine Dependence in London. Über diese Konstellation erscheint nun Manheads Album „Manhead“ im Vertrieb des Universal-Konzerns. Der Status als Geheimtipp scheint sich somit wohl erledigt zu haben. Gleichzeitig hat Insinna schon das nächste Headman-Album im Kasten, das für diesen September bei Gomma geplant ist. Und da „Manhead“ massiv einschlagen wird, kann man gespannt sein, wie fett Headman nachlegen wird. Mehr von Mr. Multitasking, bitte.

Aktuelles Album „Manhead“ (Relish/Fine/Four/Universal)
© 01. Mai 2005  WESTZEIT ||| Text: Dennis Behle
Mai 2005

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