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SUPERSYSTEM - Das Gegenteil vom Gegenteil

Rafael Cohen ist Gitarrist einer Band namens Supersystem. Diese hiess vormals El Guapo und dürfte als Dischord-Act ein Begriff sein. Nun erscheint Supersystem‘s Debüt „Always Never Again“ und bringt auf den Punkt, was auf den Punkt zu bringen ist. Es ist eine neue Band, es ist gewiss kein neuer oder revolutionärer Sound, aber zumindest eine belebte Auseinandersetzung mit dem, was andere als Chic oder Trend abtun mögen. Rafael Cohen macht keinen Hehl daraus.

Bestandsaufnahme: wie klingen Supersystem? „Wir machen moderne Musik mit Elementen vieler Richtungen. Disco, Rock, afrikanische Musik, Pop - und natürlich haben wir dabei auch eine gewisse Punk-Attitüde im Kopf.“ So einfach die Beschreibung, so schwierig die Vorstellung. Das Basis-Element ist auf jeden Fall der Beat, um den vielschichtig mit Vocals und Klängen experimentiert wird. „Während der gesamten Aufnahmen wurden viele Teile und Sounds geändert, weil der Klang und die Arrangements den Song doch ziemlich beeinflussen. Ausserdem muss man Musik so interessant machen, wenn sie um einen roboterartigen Beat herum entstehen soll.“ Und genau das sind die Gegensätze, mit denen Supersystem gerne kokettieren. Es ist das roboterartige, das allerdings eben nicht Überhand gewinnt, sondern eher unterstützende Wirkung besitzt. Sicherlich sind die verwendeten Rhythmen und Beats elektronisch und präzise, dennoch wirkt die Musik des New Yorker Quartetts doch eher organisch als maschinell. So liegt die Kardinalsaufgabe meist beim Gesang, denn die unterschiedlichen Charakteristika werden erst von der Stimme bzw. den Stimmen und eben deren Stimmung so richtig in Fahrt gebracht. „Die Vocals helfen, die Stücke lebendig zu machen, die Sounds sind allerdings genauso wichtig.“ Dennoch ist das Sampler- und Synthie-Sammelsurium nicht allzu übermächtig, sondern stellt nur eine Klangfarbe dar, die ihre Koloration allzu gern auf das Beatgerüst überträgt und rhythmisch mitquietscht, wenn die Situation es erlaubt. Rein musikalisch scheint manchmal eine ähnliche Arbeitsweise und Philosophie wie bei Nachbarn der Marke The Rapture durch, allerdings ist da auch anarchische Stringenz völlig anderer Genreverteter wie etwa At The Drive-In zu begutachten, denn kein Stück klingt wie das andere und doch passen alle gut zusammen - sicherlich auch eine Frage des Tempos, denn so richtig fällt hier nichts aus dem Rahmen. „Das ist oft ein Streitpunkt“, gibt Rafael zu. „Ich persönlich finde manche Songs auf dem Album zu schnell.“ Nur eine schiere Meinung oder tatsächlich eine Empfindung? Denn so gefühlvoll hier mit den einzelnen Bausteinen umgegangen wird, so schroff, hart und direkt sind dann doch manche Erlebnisse zu werten. Der Ursprung kann genauso Melodie wie stumpfe Zählzeit sein, ein Regelwerk sucht man im Hause Supersystem vergeblich. Aber der Name ist vielleicht auch hierbei einfacherweise Programm, denn Rafael und seine Kollegen arbeiten eben nicht einfach nur nach einem System, geben sich einem solchen nicht hin, sondern erschaffen ihr ureigenes. Ein System, das vieles zulässt und dennoch gewisse Grenzen braucht, um nicht den Pfad der Tugend zu verlassen - eben den Superlativ des Bestehenden. Und auch dieses Pferd will erst einmal geritten werden, aber da sind ja Rafael, Keyboarder Pete Cafarella, Bassist Justin Moyer und Neu-Trommler Josh Blair erfahren genug. So ist einmal mehr die Hingabe, dies mit der nötigen Sorgfalt und eben vorzüglich auszuführen, der Schlüssel zur Kunst, die Supersystem betreiben. Leider nur schlägt diese Hingabe manchmal auch in die andere Richtung um. „Dann ist da ein Hang zu nichts als reiner Faulheit.“ Schön, dass da zwischendurch noch solch ein Album entstanden ist.
Aktuelles Album: Always Never Again (Touch & Go/Cargo)
© 01. Mai 2005  WESTZEIT ||| Text: Axel Nothen
Mai 2005

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