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THE GO-BETWEENS - Weit auseinander

Das neue Werk der Go-Betweens heißt schlicht "Oceans Apart" – und hat somit endlich mal einen Titel, der etwas aussagt. Bzw. aussagen könnte (und das, obwohl er von Grant McLennan stammt, wie uns Robert Foster erklärt). Auch wenn die neuen Stücke in London eingespielt wurden: Robert und Grant leben immer noch in Australien und natürlich liegt zwischen ihnen und uns mindestens ein Ozean – doch es steckt wohl noch mehr dahinter.
"Ich denke, der Titel bezieht sich auf die Strecken und die Reisen die wir mit unserem Werk im Laufe der Zeit bewältigt haben", philosophiert Robert, "und auch die Distanz zwischen unseren Wohnorten. Außerdem ist es ja auch so, daß Grant und ich manchmal als Menschen ganz schön unterschiedlich sind. Deswegen paßt auch hierzu der Titel ganz gut." Das kann man ohne weiteres bestätigen: Obwohl beide auf ihre Art ein wenig exzentrisch sind, scheint Robert der eher lustige, geradlinige Typ zu sein, während Grant lieber geheimnisvoll grübelt. Mindestens so verschieden hören sich die Stücke der beiden ja auch an. Und nein: Auf der neuen Scheibe gibt es kein neues "Too Much Of One Thing", daß beide zusammen geschrieben haben. "Weißt Du, das ist ein logistisches Problem", meint Robert hierzu, "die Songs werden ja im Laufe von 2 Jahren geschrieben. Und da wir nicht zusammen wohnen, sehen wir uns so oft auch nicht." Es ist ja auch nicht unbedingt notwendig, denn die Go-Betweens stacheln sich mit ihren jeweiligen Elaboraten – ähnlich wie die Beatles – ja geradezu gegenseitig an und schaffen es dabei immer wieder, neue Levels zu erreichen. So auch mit dem neuen Werk: Dermaßen viele echte Go-Betweens Hits hat man auf einem GB-Tonträger eigentlich noch nie zusammen versammelt gesehen. Mit all ihren Eigenarten und Unterschieden. Dennoch klingt das neue Album wie aus einem Guß – vielleicht weniger rockig als gewohnt? "Ich denke, das hängt eher mit dem Produzenten, Marc Wallace, zusammen", erklärt Robert, "das ist so, wie er die Sache sieht und das haben wir gar nicht so geplant." Marc Wallace, der ja z.B. das legendäre "Nevermind" von Nirvana abgemischt hat, sah in den Go-Betweens 2005 offensichtlich eher eine Folk-Band als sonst etwas – was aber dem Material durchaus entgegen kommt. Mit allen Konsequenzen. Neben eines Foster-Stückes namens "Darlinghurst Nights", das mit bemerkenswert urbanen Bläsersätzen überrascht, gibt es noch eines namens "Lavender" von Grant McLennan, daß allen ernstes ein karibisches Feeling offenbart. "Ich glaube, ‘Lavender’ war für uns selber am Unerwartesten", erinnert sich Robert, "dieses gewisse Reggae-Folk-Feeling hängt damit zusammen, daß Dave Ruffy, ein sehr guter Londoner Drummer, der für uns die Click-Tracks programmierte, mit diesem Muster zutage kam, das uns gut gefiel. Dadurch entwickelte sich diese Reggae-Stimmung. Ich denke, das bringt frischen Schwung in ein Go-Betweens-Album. Es ist immer gut, wenn neue Sounds zustande kommen." Doch keine Angst: Die alten, liebgewonnenen Go-Betweens sind keineswegs tot. Ganz im Gegenteil: Irgendwo scheinen sie gelöster und unbeschwerter aufzuspielen als je zuvor. "Da stimme ich zu", stimmt Robert zu, "das ist eine gute Sache. Ich weiß nicht, woran es liegt, aber es ist so. Ich habe mittlerweile sogar Angst, daß wir vielleicht zu entspannt sein könnten und dann nicht mehr so gute Sachen machen können. Aber ein gesundes Selbstbewußtsein hilft schon ein bißchen. Es gehört alles irgendwie zusammen." Nun ja, so lange sie so brillante Songs wie auf "Ocean’s Apart" fabrizieren, sind die Go-Betweens mit Sicherheit noch lange nicht zu entspannt ...
© 01. Mai 2005  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer
Mai 2005

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