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THE MARTINIS - Keep it in the family

Natürlich gibt es keinen passenderen Zeitpunkt, um das Album seiner zweiten Band ein wenig in den Vordergrund zu rücken. Im Zuge der Reunion seiner legendären Hauptband genießt Pixies-Saitenhexer Joey Santiago natürlich eine Menge Aufmerksamkeit. Dass diese aber auch alleine vom Debüt „Smitten“ seiner Familienband The Martinis herrühren könnte, scheint vielen eher zweifelhaft. Fakt aber ist: sein einzigartiges Gitarrenspiel ist auf dem Album enthalten. Ach ja, und - nebenbei bemerkt - noch ein Haufen richtig guter Songs.
Urheber des Ganzen ist allerdings seine Frau Linda Mallari, die neben den Songs noch ihre wunderbare Stimme ins Geschehen einbringt. „Wir haben seit 1995 immer mal wieder an ein paar Songs gearbeitet, konnten einen mal auf einem Soundtrack unterbringen und erhielten schließlich einen Deal, nachdem wir ein paar vereinzelte lokale Shows gespielt haben.“, berichtet Linda über die Anfangstage. „Es war eher so ein Mom-und-Dad-machen-Musik-Ding, nur Spaß.“ Inzwischen ist aus dem Spaß aber wirklich Ernst geworden, auch, wenn es von den ersten 4-Spur-Aufnahmen zum ersten richtigen Album ein paar Jahre gedauert hat. „Wir haben tatsächlich ein paar Jahre hart daran gearbeitet. Die Aufnahmen sind meiner Meinung nach sehr gut geworden und wir konnten eine paar richtig gute Musiker dafür gewinnen.“ Da taucht neben Smash Mouth-Basser Paul DeLisle noch Über-Drummer Josh Freese, der neben seinen Hauptbands The Vandals und A Perfect Circle noch unzähligen anderen Acts (u.a. Chris Cornell, Suicidal Tendencies, Juliana Hatfield, Paul Westerberg) zumindest im Studio seine Künste lieh, in den Credits auf. „Unser Produzententeam hat die beiden vorgeschlagen und wir waren sehr glücklich, dass es geklappt hat. Sie sind beide sehr talentiert und haben definitiv ihren Anteil am Gelingen dieser Platte.“ Die Songauswahl muss bei einer Existenz des Projektes von mehr als 8 Jahren gigantisch gewesen sein. „Es ist schon eine Menge gewesen und wir haben auch ein paar aus den Anfängen genommen, aber einige Dinge mussten einfach im Off verschwinden.“ Ausserdem haben einige Songs eine große Wandlung erfahren, sind doch viele von ihnen als Demo nur mit Akustikgitarre und Gesang entstanden. „Bei einigen Tracks habe ich mich schon gewundert, was aus ihnen geworden ist.“, verrät Linda. „So viel rockiger hatte ich dann einige Passagen doch nicht erwartet, aber die Vorstellung und Durchführung sind immer zwei verschiedene Angelegenheiten.“ Auch der Albumtitel hat mitunter zwei Seiten, „smitten“ kann als unsterblich verliebt oder auch vollends befallen gedeutet werden. „Manche Songs handeln tatsächlich davon, dass man sich so furchtbar verlieben kann, bis man wirklich befallen davon ist, so, dass es richtig weh tut.“ Besonders auffallend auch oder gerade selbstverständlich: die Gitarrenarbeit. „Joey hat stundenlang damit zugebracht, die richtige Begleitung zu finden, um nicht mit dem Gesang zu kollidieren. Das dürfte auch Pixies-Fans gefallen, aber das ist auch nicht Ziel gewesen. Das ist ja auch kein Rip-Off. Aber wie kann Joey denn bitte nicht wie er selbst klingen?“ Warum auch sollte Joey hier aus seiner Haut fahren. Ist es eigentlich eher Fluch oder Segen, ihn in der Band zu haben? „Sicherlich hilft seine Geschichte im Sinne von Aufmerksamkeit, trotzdem würde ich mir aufgeschlossene Leute wünschen, die der Musik an sich eine Chance geben.“ Darauf am besten einen Martini, Linda‘s einstigen Lieblingsdrink, der auch Namensgeber war. Den wird sie sich allerdings in den nächsten Wochen noch verkneifen müssen, steht doch die Geburt ihres nächsten Kindes ins Haus. Bis zur Tour dauert es also noch etwas, aber solange hilft ja das Album.

Aktuelles Album: Smitten (Cooking Vinyl/Indigo)
Weitere Infos: www.themartinis.com
© 01. September 2004  WESTZEIT ||| Text: Axel Nothen
September 2004

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