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twah! - Fluch und Segen

Also da sage noch einer, es gäbe keine Musik-Liebhaber mehr! Kent Nielsen muß ein solcher sein – denn wer kommt schon auf die Idee, ein eigenes Label zu gründen, nur um seine Lieblingsmusik hören und verfügbar machen zu können? "Twah! Wurde 1989 als Punk Rock/HC Mailorder/Bauchladen gegründet und fing ein Jahr später an, Platten zu veröffentlichen", meint Kent hierzu.

Das sind geradezu erstaunliche Parallelen zum "großen Bruder", dem Glitterhouse-Label. Auch dort fing man ja recht roh an. Wahrscheinlich muß man das auch tun, um die Musik, die twah! heute macht – Singer-Songwriter-orientierte Barden aller couleur – repräsentieren zu können. Zunächst mal gab´s allerdings die üblichen Schwierigkeiten: "Ich dachte, ich könnte das alles besser, als die Labels, bei denen ich damals mit meinen Bands gesignt war", meint der begeisterte Musikant Kent, dessen eigene Band, One Bar Town, natürlich auch auf twah! Vertreten ist, "das war allerdings ziemlich naiv, denn ich hatte kein Geld. Und den DIY-Pfad zu verlassen und mit verschiedenen Partnern zusammen zu versuchen, alles "größer" zu machen war vielleicht der größte Fehler." Und wieso gibt es dann heute, 10 Jahre später, twah! Immer noch – wo doch ansonsten alles kollabiert? "Heutzutage glaube ich, daß die Philosophie von Labels wie ´Bloodshot´ am meisten Sinn macht: Eine Scheibe rauszubringen und erst mal abzuwarten, bis sich diese verkauft, bevor man dann weitermacht. Leider muß man dazu einen "ordentlichen" Job nebenher machen – was ich damals nicht wollte. Aber wir lernen ja aus unseren Fehlern." Und so kommt es denn, daß twah! Heute als kleines, schlagkräftiges Team da steht. Neben Kent gibt es noch Tim Lynge, der die Presse betreut und Stefanie Gollon, die das Artwork macht. Daneben gibt es noch einige dänische Kollegen, denn Kent hat twah! An die dänische Die Hard Gruppe lizensiert, einfach, um mit einem richtigen Team arbeiten zu können. "Ich bin im Musikgeschäft, weil ich Musik liebe", meint Kent abschließend, "das ist zugleich ein Fluch, wie ein Segen." Und vor allen Dingen der Hauptgrund, warum die Musik bei twah! immer an erster Stelle steht. Einer der Vorteile eines so kleinen Labels ist der, daß die Musiker dort mit Inbrunst und ohne Prioritäten-Abstufung (wie etwa bei der Industrie) betreut werden. So werden denn die aktuellen Veröffentlichungen -
Michael Weston King, Mick Thomas und John Doe (den sich Kent gekrallt hat, weil er ihn für einen der 5 besten Sänger überhaupt hält) - von der Veröffentlichung bis zur Tour für den Rest des Jahres intensiv "bearbeitet" werden, bevor Kent dann Zeit findet, die dritte Folge des populären "SEKA-Sister" Samplers in Angriff zu nehmen. Wollen wir hoffen, daß es Kent gelingt, sich auf diese Weise ein "regelmäßiges Einkommen" zu erwirtschaften, damit es das twah! Label auch in 10 Jahren noch gibt.
© 07. Mai 2002  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer
Mai 2002

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