interviews
kunst
artexpo
cartoon
konserven
liesmich.txt
filmriss
dvd
vorlesungs-
verzeichnis

cruiser
agenda
live reviews
stripshow
lottofoon
kontakt
WOLVERINE-RECORDS - Kein Verkauf von Schweinehälften

In einer schönen Stadt am Rhein im Jahre 1992: Ein Soziologiestudent, der dem Punkrock verfallen ist, veröffentlicht für die Band seines Kumpels eine Single. Kurze Zeit später hängt der Düsseldorfer Sascha Wolff sein Studium an den Nagel und ein neues Label ist geboren: Wolverine-Records.
„Diese Live-Single mit The Bullocks habe ich aus reinem Spaß gemacht und sie an ein paar Fanzines verschickt. Es stand nie die Überlegung dahinter, eine große Firma daraus zu machen. Dann bekam ich aber schon die ersten Demos zugeschickt und es ging Schlag auf Schlag. Ich habe einfach abgewartet was passiert. Zum Glück ist es gutgegangen und ich kann mittlerweile davon leben.“ Am meisten liebt Sascha seine Unabhängigkeit. „Ich kann mir sehr schwer vorstellen für jemand anderen zu arbeiten, da ich selber Entscheidungen treffen möchte. Außerdem finde ich es toll, an etwas beteiligt zu sein, was die Bands erschaffen. Ich möchte den Leuten keine Schweinehälften verkaufen, mit denen ich nichts zu tun habe, sondern etwas, wo ich hundertprozentig hinterstehe.“ Zu den bekanntesten Combos, deren Platten bei Wolverine erschienen sind, zählen Psychotic Youth, The Cheeks und Across The Border. Bekannt geworden ist das Label vor allem durch die Sampler-Reihe „Punk Chartbusters“. „Diese Scheiben verkaufen sich mit Abstand am besten und haben Wolverine-Records auch weltweit bekannt gemacht.“ Die aktuellste Veröffentlichung ist das dritte Album von Hammerhai aus Hannover, die natürlich Anfang Mai bei der zweitägigen Labelparty im Haus der Jugend in Düsseldorf mit am Start sind. Bei dem Jubiläumsfestival anlässlich des zehnjährigen Bestehens erweisen auch die Yeti Girls ihren Fans noch einmal die Ehre. Obwohl die vier Kölner 1997 zu einem Majorlabel gewechselt waren, hatte Sascha immer eine sehr persönliche Beziehung zu der Spaßcombo. So kam es, dass die Band trotz ihrer Auflösung im letzten Jahr sofort für den Jubiläumsgig zusagte. Konzerte sind jedoch nicht die Regel im Arbeitsalltag von Sascha. Sein Tag beginnt meist damit, e-mails zu bearbeiten, von denen mittlerweile viele aus dem Ausland kommen. „Dann schaue ich mir die Post an und je nachdem welche Veröffentlichung gerade ansteht, kümmere ich mich um die entsprechende Promotion. Das Layout für Anzeigen mache ich grundsätzlich selber. Meine Arbeit ist sehr vielschichtig, aber leider bleibt auch der nervige Bürokram nicht aus.“ Pro Woche landen im Schnitt etwa fünf bis zehn Demos im Briefkasten von Sascha und dementsprechend groß ist die Auswahl an Bands. Nach welchen Kriterien sucht der Düsseldorfer die Combos aus, die er unter Vertrag nimmt? „Zunächst einmal muss mir persönlich der Sound der Band gefallen. Und dann schaue ich, wer dahinter steckt und wie die Gruppe arbeitet. Es hat absolut keinen Sinn, wenn eine Band nicht schon von selber unheimlich viel auf die Beine stellt und nicht bereit ist, sich auch weiterhin den Arsch aufzureißen. Denn dann reicht auch ein toller Sound nicht.“ Besonders freut sich Sascha über den Vertrag mit der argentinischen Band Attaque 77. Stolz erzählt er: „Ich bin total froh, dass ich diesen Zuschlag bekommen habe. In Argentinien haben die Jungs die Größenordnung wie hier Die Toten Hosen und sind dort auf dem Majorlabel BMG. Sie machen klassischen Punkrock in der Richtung von The Clash und der spanische Gesang ist einfach großartig.“ Die neue Platte der Argentinier erscheint am 20. Juli. Mehr zur Deutschlandtournee von Attaque 77 und zu vielen anderen Punk-, Ska- und Swingkapellen erfahrt Ihr unter www.wolverine-records.de
© 07. Mai 2002  WESTZEIT ||| Text: Verena Roelvink
Mai 2002

Links

suche