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Lisa Germano - Völlig aufgelöst

Nahezu fünf Jahre nach der Veröffentlichung ihres letzten Albums "Slide" gibt es mit "Lullaby For A Liquid Pig" nun endlich wieder ein neues Lebenszeichen von Lisa Germano. Zwischenzeitlich sah man sie lediglich als "Orchesterleiterin" auf der "Eels Orchestra 2000" Tour und bei Neil Finn. "Ist die Lisa nicht wie eine kleine Blume?" frug Mastermind E. anläßlich eines gemeinsamen Konzertes aus einer Eingebung heraus das Publikum. Und wenn das auch eher als Gag gedacht war: Irgendwo hat er damit schon recht.
Ab und an – z.B. anläßlich der Veröffentlichung eines neuen Albums – blüht Lisa Germano eben auf, ansonsten überwintert sie im richtigen Leben. Z.B. in einer Buchhandlung, in der sie die letzten beiden Jahre arbeitete. Welche Funktion hat denn eigentlich Musik im Leben der Lisa Germano? "Nun das wichtigste für mich ist zu ´fühlen´", erklärt sie, "Musik hilft mir dabei, die Stimmung zu verstärken, in der ich mich gerade befinde. Wenn ich zornig bin, höre ich Nirvana. Wenn ich Pasta koche, höre ich mir Opernmusik an. Es ist mir wirklich wichtig, mich von der Welt lösen zu können, in der ich mich gerade befinde. Und Musik hilft mir dabei." Vielleicht liegt es also daran, daß Lisas Scheiben immer diesen leicht unwirklichen, traumähnlichen Charakter haben? "Ich denke, das ist immer der Plan, bei all meinen Platten", stimmt Lisa zu, "für mich sind Songs keine losgelösten Stücke. Für mich sind sie immer Teil des Ganzen. Ich kann Songs erst nachher als solche erkennen. Wenn ich eine CD mache, müssen alle Stücke zusammenpassen, ansonsten wüßte ich nicht, warum ich sie auf die Scheibe nehmen sollte." Was hat es denn mit dem "flüssigen Schwein" – einer Metapher für Alkohol - im Titel auf sich? "Ich schreibe ja dauernd" erklärt Lisa, "irgendwann macht dann etwas Sinn für mich. Irgendwann wurde mit dann klar, daß es bei dem Thema, daß sich dann entwickelte, darum ging, etwas zu brauchen. Ich setzte das dann mit dem Alkohol gleich – eine Substanz, mit der Du Dich von Deinem Leben entfernen kannst. Es können viele Dinge sein. So oder ähnlich entstehen übrigens alle meine Alben." Wie kamen denn die Kollaborationen auf dem neuen Album mit ihren Freunden Johnny Marr, Neil Finn oder Butch von den Eels zustande? "Ich hatte ja schon Scheiben ganz alleine gemacht und wollte dieses Mal etwas anderes machen", erinnert sich Lisa, "ich arbeitete jetzt erstmalig mit Pro-Tools und da war es mir klar, daß ich andere mit einbeziehen wollte. Ich wollte dann mal sehen, was passiert. Es war ein ´Work in Progress´, das genau dann fertig war, als mir das Geld ausging."
Wird es denn jetzt wieder regelmäßig Lisa Germano Scheiben geben? "Weißt Du was seltsam ist? Ich denke gar nicht in Begriffen wie ´Veröffentlichungsrhythmus´.", führt Lisa aus, "Es ist für mich auch nicht so was wie eine Karriere. Ich tue halt, was ich tue. Ich weiß gar nicht, ob ich je wieder eine Scheibe herausbringen werde. Abgesehen davon, daß ich mit meinem neuen Album touren werde, habe ich selber keine Ahnung, was als nächstes passieren wird."
© 01. Mai 2003  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer
Mai 2003

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