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THE YARDBIRDS - 35 Jahre Ferien

„Wir haben eben 35 Jahre Ferien gemacht“ schmunzelt einer der drei verbliebenen Original-Yardbirds, Rhythmus-Gitarrist Chris Dreja auf die Frage, warum es gerade jetzt zu einer neuen Scheibe kommt. Die anderen beiden sind Drummer Jim McCarty, der auch 5 der 7 neuen Songs auf dem Album „Birdland“ schrieb sowie Jeff Beck, der allerdings lediglich den Gitarrenpart auf „My Blind Life" beisteuerte.

Wie so einige andere auch: Unter anderem halfen Slash, Steve Lukather, Joe Satriani, Brian May und Steve Vai, auf dessen Favored Nations Label die CD erscheint, an der Gitarre aus. Das Album besteht dabei zur Hälfte aus neu eingespielten Yardbirds-Klassikern wie „For Your Love" – die dann auch noch dem Original sehr nahe kommen. Was ist denn der Grund hierfür? „Nun, es gibt ja schon subtile Unterschiede", wirft Chris Dreja ein, „aber wir waren alle der Meinung - weil wir ja so lange weg waren - daß wir einige Stücke einem neuen Publikum neu vorstellen wollten. Ich muß auch gestehen, daß mir die alten Sachen soundtechnisch nicht besonders gefallen." Den besseren Grund liefert indes Jim McCarty: „Wenn etwas nicht kaputt ist, sollte man es nicht reparieren", überlegt er, „wir haben mal ein neues Arrangement für ´Heart Full Of Soul´ gemacht - das hat irgendwie funktioniert - war aber nicht so memorabel.“ Die neuen Stücke sind indes nicht unbedingt schlechter als die alten. „Wir sind die Yardbirds und haben eben einen bestimmten Sound", erklärt Dreja, „wir wollten diesen modernisieren, ohne ihm aber untreu zu werden. Das Lob hierfür gebührt dem Produzenten Ken Allardyce (Weezer), der diesbezüglich ein wahrer Meister ist." „Du mußt Dir vorstellen, daß die Yardbirds eine Band sind, die dazu tendiert, während des Spielens ganz natürlich das Tempo zu variieren", sagt McCarty und spielt auf die lange Live-Traditon an, „deshalb dauerte es ganz schön lange, um z.B. mit dem Computer einen variablen Click-Track hinzubekommen. Es war aber sehr interessant." Ein Gründungsmitglied, Keith Relf, weilt ja nicht mehr unter den Lebenden. Dreja widmete ihm den „Song For Keith". „Ich hatte da dieses Buch über die Band zu Hause und da kamen die ganzen Erinnerungen hoch.", gesteht er. „Ich denke, daß Keith ein sehr unterschätzter Künstler war. Er war sehr originell und richtungsweisend." „Was viele nicht wissen, ist daß Bowie sich an Keith orientierte.", wirft McCarty ein. „Seine ganze Davey Jones Personality richtete er am Vorbild von Keith aus." Wie fühlt man sich denn, wenn heutzutage junge Musiker das zur Vollendung gebracht haben, was man vor 35 Jahren selbst losgetreten hat? „Das ist eine Ehre", räumt Dreja ein, „besonders, wenn diese Leute auf uns zukommen, wie das in dem Fall geschehen ist. Ich denke, alle sind irgendwo Teil der Band geworden. Nimm z.B. Brian May, der unverkennbar er selbst ist. Er spielt auf seinem Lieblings-Yardbirds-Song ´Better Man´ - als Yardbird." „Und man darf Gypie Mayo nicht vergessen", erinnert McCarty. Mayo ist der neue Frontmann der Yardbirds und war eine Zeitlang Gitarrist bei Mr. Feelgood. „Mayo ist ein total origineller und vielseitiger Gitarrist und er spielt total verrückte Sachen. Es war von Anfang an klar, daß er der Richtige für uns war." Dreja und McCarty machen hiermit auch deutlich, daß die Yardbirds jetzt wieder eine richtige, lebende Band sind und nicht etwa ein Fossil aus dem Museum. Das wollen sie demnächst auf einer ausgedehnten Tour unter Beweis stellen.
Weitere Infos: www.favorednations.com
© 01. Mai 2003  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer
Mai 2003

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