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Maximilian Hecker - Die Leiden des jungen M

"Hold Me Tight, Heal My Wounds" diese Zeilen singt Maximilian Hecker immer wieder auf seinem neuen Album "Rose". Herzschmerz, Einsamkeit und Leere verarbeitet er in seinen traurigen Songs. Ob Hecker auch im wahren Leben leidet, wie in seiner Musik, verriet er der Westzeit im Interview.
Im Sommer 2001 spielte ein schlaksiger Kerl mit Britpopfrise in einem kleinen Berliner Club. Ganz allein stand auf der Bühne, mal am Klavier, mal an der Gitarre und sang mit hoher Stimme seine Popstückchen. Kaum zu glauben, dass dieser Typ bei Kitty-Yo ein Album rausbringen sollte, wirkte er doch auf der kleinen Bühne fast verloren und die angestimmten Granddaddy- und Aha Songs kamen auch besser an, als die eigenen Stücke. Heckers Debüt "Infinite Love Songs" sorgte im Herbst 2001 für eine Überraschung. Platte des Monats da, die neue deutsche Pophoffnung da - überschwängliches Lob an allen Ecken. Hecker machte aus seiner Vorliebe für die Beatles oder Radiohead keinen Hehl, bewahrte sich trotz der Einflüsse aber genug Eigenständigkeit. Mit dem Album im Gepäck gings auf Europatour, sogar nach Israel: "Polyester war 2001, der drittmeiste gespielte Song im israelischen Radio. Als ich dort auf Tour war, wurde ich wie ein richtiger Star abgefeiert", so Hecker.

Bei der neuen Platte "Rose" macht Hecker einen großen Schritt nach vorne beim Songwriting. Neben den Gitarrenpopstücken, wie "I Am Falling" und "Fool", die an die Debütplatte anknüpfen, gibt es einige ausufernde Klavierballaden. "Kate Moss" ist so eine Ballade, die auch als Filmsoundtrack funktionieren würde: "Kate Moss und auch 'Fool' sind von der Musik von Hitchcock Filmen inspiriert", so Hecker. "Ich mag Woody Allen gern, aber ich habe keinen Lieblingsregisseur, für den ich einen Soundtrack machen wollte." Wegen des Bombasts wird Heckers Musik teilweise als Kitsch abgetan, worunter er aber nicht leidet: "Dinge, die eigentlich schön sind, wurden irgendwann negativ als Kitsch bewertet. Ich verwende dieses Schöne in meiner Musik und selbst wenn ich es manchmal mit den Stilmitteln übertreibe, werde ich so weitermachen, solange mich meine Musik berührt." Hecker schreckt nicht davor zurück, über Goldminen und süßes Haar im Titelstück "Rose" zu singen. Dieser Text passt aber gut zur Musik, die sich über sieben Minuten mit Klavier und gezupfter Gitarre langsam aufbaut, bevor ein Dynamikschub mit verzerrter Gitarre und polterndem Schlagzeug einsetzt. Der befreundete Kings Of Convenience Gitarrist Erlend Oye hat Hecker vorgeschlagen, sich mit seinem Stil und seinen platten Texten als Songschreiber für Boybands zu versuchen. Auch diese Kritik geht ihm nicht unter die Haut, ist er doch seinerseits wenig angetan von Oyes Soloplatte. Dabei ist auf "Rose" mit "Daylight" auch ein tanzbarer Synthiepopsong, der Oye und Hecker gefallen dürfte.

Trotz der positiven Resonanz auf seine Musik ist Hecker nach wie vor unglücklich. Der Alltag macht ihm zu schaffen: "Beschäftigungslosigkeit ist ein großes Problem. Ich muss jeden Tag neu ausfüllen, da ich nicht aufstehen und zur Arbeit gehen muss." Eine Liebe könnte ihm den Alltag verschönern, sagt er, vielleicht wie in "Rose", wo ihn sein Schwarm mit vom Himmel geklauten Sternen füttert. Zu wünschen wäre es Hecker, damit er weiterhin zu großartigen Lovesongs und Trennungsopern inspiriert wird.








Weitere Infos: http://www.kitty-yo.com
© 01. Mai 2003  WESTZEIT ||| Text: Lars Weber
Mai 2003

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