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THE STRYPES - Swinging London reloaded

Mit den meisten Vorgruppen ist das ja so eine Sache – sie oder die Plattenfirma haben dafür bezahlt, dass sie vor einer bekannten Truppe spielen dürfen. Das  ist die Zeit, die man als Besucher nutzt, noch mal die Toilette aufzusuchen oder noch ein Bier zu ordern und sich anschließend platztechnisch für die Hauptattraktion des Abends in Position zu bringen.  Doch manches Mal taugt dieses Ritual dann doch nicht. So kürzlich geschehen bei Arctic Monkeys und ihrer Vorband The Strypes.

Das Licht geht aus und als der erste Ton erklingt drehen sich alle, die sich gerade abwenden wollten der Bühne zu. Dort stehen - gewandet in 1960er-Jahre Anzügen und mit schmalen Krawatten - The Strypes. Eine Combo, die aussieht, sich bewegt und auch sonst so benimmt, als wären sie dem Swinging London der Carnabystreetzeit entsprungen. Doch Nachforschungen ergeben, die vier Jungs – Sänger und Mundharmonikaspieler Ross Farrelly, Gitarrist und Sänger Josh McClorey, Pete O’Hanlon am Bass und Evan Walsh am Schlagzeug-, von denen sich noch keiner an die 20-Jahre-Altersgrenze gekratzt hat, stammen aus Irland. Doch die Musik klingt, wie ihre Klamotten aussehen. Es ist kerniger Beat und britischer Rhythm’n’Blues im Stile von The Yardbirds, Dr. Feelgood oder The Animals. Doch damit sind die Ähnlichkeiten noch nicht erschöpft, sie haben bereits in der Abbey Road gearbeitet und werden von Chris Thomas produziert, der bereits das weiße Album der Beatles produziert und mit den Sex Pistols gearbeitet hat. Tonal bewegen sich genau zwischen den Genannten, ihren hartkantigen Stil teilen sie sich mit The Yardbirds, den bluesigen Rock mit Dr. Feelgood und den folkigen Einschlag mit The Animals.

„Die Leute, die uns hörten, haben zu Beginn ganz komisch reagiert“, erinnert sich Ross Farrelly, „sie vermittelten uns dabei die Botschaft, dass es Jugendlichen, wie wir welche waren, nicht gestattet sei Rhythm’n’Blues zu spielen.“

Doch genau von solchen Sprüchen Erwachsener lassen sich The Strypes nun überhaupt nicht beeindrucken.

„Schließlich ist es schon immer das Privileg jugendlichen Leichtsinns gewesen, alles Varianten des Rock spielen zu dürfen. Ohne wenn und aber“, lächelt Josh McClorey.

 

Der jugendliche Leichtsinn

 So ganz ohne Unterstützung stehen The Strypes nicht da, Paul Weller ergreift für ihren Klangkosmos Partie, ebenso Elton John oder .

„Und auch ohne unsere Eltern wäre gar nichts gegangen“, führt der Gitarrist weiter aus, „sie waren alle entweder selber Musiker oder arbeiteten als Roadies und sie hatten die Platten im Schrank, die uns angefixt haben und denen wir uns verpflichtet fühlen.“

Hinzu kommt, dass The Strypes über bemerkenswerte instrumentale Fähigkeiten verfügen, die sicherlich auch nicht vom Himmel gefallen sind.

„Wir haben im Schlafzimmer unserer Schlagzeugers vier lange Jahre geübt, geübt, geübt und dann in jedem Fuchsloch gespielt“, erklärt Ross Farrelly rückblickend. Zu erwähnen ist noch, eins der Elternteile war immer mit dabei. Das ist bei der aktuellen Tour mit den Artic Monkeys nicht anders. Dort frönen sie nachhaltig einer Mission.

„Die meisten Jugendlichen, die heute Musik hören, haben noch nie etwas von Howlin’ Wolf oder Bo Diddley gehört“, sagt Josh McClorey, „das sollten sie aber, um überhaupt verstehen zu können, wie sich Rock musik-Geschichte ausgewirkt hat und bis heute wirkt - auch dann, wenn du auf dem iPad Musik zusammenzimmerst. Wenn jetzt also Leute losziehen und sich diese Platten kaufen und den alten Rhythm’n’Blues für sich entdecken, ist das doch nur großartig.“

Doch eins zum Schluss ist noch klarzustellen: an einem original nachgespielten Klang sind The Strypes nicht interessiert. Mit ihrem jugendlichen Energieüberschuss und ihrem Können an den Instrumenten erfinden sie die Vergangenheit neu und interpretieren sie für die heutige Zeit. Wer The Strypes aufmerksam zuhört, wird den möglicherweise aufkeimenden Gedanken, hier seine Retro-Kopisten am Werk gleich wieder verwerfen.

Aktuelles Album: Snapshot (Virgin / Universal Music)
© 01. Dezember 2013  WESTZEIT ||| Text: Franz X.A. Zipperer
Dezember 2013

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