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THE NIGHTWATCHMAN - Der nimmermüde Tom und sein Vehikel

Früher hat er alles stehen und liegen gelassen, um Gitarre zu spielen. „Sie war wie ein Virus, der mich niemals mehr loslassen sollte. All die anderen Interessen in meiner Jugend waren plötzlich völlig irrelevant.“ Nun hat seine große Liebe seit mehreren Jahren aber Konkurrenz bekommen, die Muse der Gerechtigkeit nämlich. Ein ausgeprägter Sinn für soziale Ungerechtigkeiten schiebt seinen politischen Aktivismus täglich und unermüdlich voran. Diese Zwillingsleidenschaft hat er nun vereint: Tom Morello ist The Nightwatchman.
Man möchte fast meinen, dass ihm das ganze Ausgequetsche über seine musikalische Vergangenheit zum Halse heraushängt. Aber mitnichten, freut er sich doch merklich, auf seine alten Rage- und Audioslave-Tage angesprochen zu werden.

„Speziell Audioslave war eine wirklich gute Zeit. Die musikalisch-kreative Freiheit und das bandinterne Miteinander waren besser als in jeder anderen Bandformation, in der ich seit der Highschool gespielt habe.“

Das ist aus bekannten Gründen nun Geschichte, aber ganz offensichtlich nicht das Ende der musikalischen Fahnenstange des Tom Morellos. Denn nun bzw. seit nicht weniger als fünf Jahren ist er allein auf so unerwartet countryesquen Solopfaden unterwegs. Das muss schon ein eigenartiges Gefühl sein, wenn man jahrelang als einer der innovativsten und deshalb auch renommiertesten Gitarristen im kommerziellen und krachigen Rockbereich unterwegs war und nun plötzlich als Solokünstler in ganz anderen Gewässern fischt. Speziell auch dann, wenn man zum ersten Mal die Gesangesstimme öffentlich erhebt.

„Das war so eine Art Übergang“, erklärt Tom seinen eingeschlagenen Weg, „denn eigentlich habe ich nie in meinem Leben gesungen, bevor ich vor ungefähr fünf Jahren damit anfing. Als ich damals begann an dem Nightwatchman-Material zu arbeiten, bin ich zu Open-Mic-Veranstaltungen gegangen und hab das einfach mal ausprobiert. Das war natürlich schon ein bizarrer Gegensatz, einerseits diese ausverkauften Arenen mit Audioslave und dann andererseits solche Open-Mic-Abende mit acht Personen vor mir.“

Wer Morello und seine Geschichte kennt, dem ist klar, dass es ihm bei diesem Weg aber von Anfang an nicht um Reputation ging. So wie er zum Beispiel auch mit Serj Tankian von System of a Down zusammen die Non-Profit-Organisation Axis of Justice gegründet hat, um eine politische Plattform für Musiker und Fans zu schaffen, die gemeinsam für soziale Gerechtigkeit kämpfen. Die Verbindung von Musik und Politik ist Morello schlicht eine Herzensangelegenheit.

Als Nightwatchman zieht er nun mit einer Akustikgitarre bewaffnet allein in den Kampf und singt und spielt erstmals ungewohnt leise.

„Es begann als ein Ausgleich für mich. Ein Ausgleich zu der politischen Organisation der Axis Of Justice und ein Gegengewicht zu dem harten, rockenden Zeug, das ich mit Audioslave machte. Ich brauchte ein Vehikel, um meine Vision als Künstler und Aktivist auszudrücken. Und das klappt auf diesem Weg sehr gut.“

Als ein persönlicher Balanceakt und passioniertes Seitenprojekt, das in diesen mit acht Leuten gefüllten Kaschemmen begonnen hat, ist ein Hauptprojekt geworden. The Nightwatchman ist eine Art, das Leben zu leben, sozusagen „The Road I Must Travel“, einem der ersten Songs, die Morello für sein Soloprojekt schrieb. Es ist Toms persönliche, täglich aktiv anzutretende Reise auf seinem musikalisch-politischen Vehikel. Auch wenn er vor diesen Wagen Dylan, Springsteen und Cash gespannt hat, sei allen zur Beruhigung ausgerichtet, dass er deshalb der Verzerrung nicht für immer und ewig entsagt hat, denn schließlich standen zwischenzeitlich auch diverse Proben für ein paar Rage Against The Machine-Liveauftritte auf dem Programm. Und dort kracht es natürlich gewohnt gewaltig.

Da möchte man auch wieder fast meinen, dass ihm das ganze Ausgequetsche über seine musikalische Zukunft, sprich ein potentielles neues Rage-Album zum Halse heraushängt. Aber mitnichten, obgleich er sich in diesem Fall recht diplomatisch gibt:

„Es gibt vorerst keine Pläne.“

Was Tom aber definitiv weiß und auf seinem Nightwatchman-Trip entdeckt hat, ist, dass Musik nicht laut sein muss, um hart zu sein:

„In einer bestimmten Weise ist „One Man Revolution“ das härteste Album, das ich bisher gemacht habe. Wegen der Texte, der Stimmung, dem Tonfall und der Dunkelheit.“

Man höre und staune selbst, über diese Zwillingsleidenschaft des nimmermüden Aktivisten.

Aktuelles Album: One Man Revolution (Red Ink / Rough Trade)
© 01. Mai 2007  WESTZEIT ||| Text: Björn Bauermeister
Mai 2007

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