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LAST DAYS OF APRIL - Der kleine Diktator

2002 war ein arbeitsreiches Jahr für die Schweden von Last Days Of April. Zuerst erschien das üppig produzierte zweite Album der Band um Sänger, Gitarrist und Songschreiber Karl Larsson, "Ascend To The Stars", dann folgten viele, viele Konzerte, als Headliner ebenso wie als Supportact für Sportfreunde Stiller in Deutschland und The Superjesus in Australien. Schon damals sagte Larsson, dass die nächste Platte soundtechnisch wohl wesentlich zurückgenommener sein würde.

Mit dem nun erscheinenden vierten Werk, "If You Lose It", liefern die Skandinavier ein schlankes, aber dennoch muskulöses Indierock-Album ab, auf dem die Band heute oft vergessenen Helden der späten 80er und frühen 90er Jahre wie Dinosaur Jr. oder den Lemonheads huldigt. Die zurückgeschraubte Produktion ist einerseits eine Reaktion auf das Vorgängeralbum, andererseits ein Produkt der ungewöhnlich langen Vorbereitungszeit der neuen Platte. "Im letzten Jahr haben wir so gut wie gar nichts gemacht", erinnert sich Larsson beim Treffen mit der WESTZEIT in Köln. "Es gab keine Tournee, wir haben gerade einmal vier Shows in Schweden gespielt. Ich hatte also viel Freizeit und habe eine Menge Demo-Aufnahmen gemacht. Ich hatte das komplette Album bereits aufgenommen, sodass jeder einzelne Song schon komplett fertig war, als wir ins Studio gingen, um alles noch einmal aufzunehmen." Ausschlaggebend für diese Herangehensweise war unter anderem auch, dass "If You Lose It" nicht mit dem langjährigen, aber dieses Mal zu beschäftigten Produzenten Pelle Gunnerfeldt am Mischpult entstand, sondern mit Mathias Oldén, dem Bassisten der Band Logh. Weil Larsson dem Gedanken an einen neuen Producer anfangs skeptisch gegenüberstand, wollte er so wenig wie möglich dem Zufall überlassen. "Es gab im Studio keine Experimente, wir haben uns darauf beschränkt, die Songs aufzunehmen und dabei so viel wie möglich live einzuspielen, um ihnen mehr Gefühl zu geben", erklärt er. "Das war eine große Hilfe." Der Grund für sein Unbehagen dem neuen Mitstreiter gegenüber ist denkbar einfach. "Ich bin ein echter 'control freak'", gesteht Larsson. "Ich mag es, wenn jeder seine Meinung äußert. Solange die Vorschläge gut sind, setzen wir sie auch um, aber im Großen und Ganzen gehe ich lieber meinen eigenen Weg. Ich weiß, dass das nicht gut ist, aber so arbeite ich nun einmal. Ich bin ein kleiner Diktator!"
Aber auch Diktatoren haben Schwächen. So wurde Larsson im tourlosen letzten Jahr zu einem kleinen TV-Junkie, der mit Vorliebe Castingshows am Bildschirm verfolgte: "Ich gucke diese Shows jeden Abend und mache mich über die Kandidaten lustig", erzählt Larsson lachend. "Meine Freundin kann das gar nicht ab, wenn ich so böse werde. Ich hasse diese Shows, aber ich liebe es, sie mir anzuschauen! Ich gucke auch immer 'Big Brother'! Das sind meine Lieblingsshows!" Trotzdem freut er sich auf die im März in Schweden startende neue Tournee, die im April auch in unseren Breiten Station machen wird. Einerseits, weil ihm das Gefühl, auf der Bühne zu stehen, gefehlt hat, andererseits aus ganz pragmatischen Gründen: "Ich habe noch genau 50 Euro in der Tasche, mit denen ich noch bis zum ersten Konzert auskommen muss. Es wird Zeit, dass die Tour endlich losgeht!"
Weitere Infos: www.ldoa.com
© 01. März 2004  WESTZEIT ||| Text: Carsten Wohlfeld ||| Foto: Starkult
März 2004

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