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MONSTER MAGNET - Der wohltemperierte Bleifuß

Dave Wyndorf hat die Kurve gekriegt, wie man so schön umgangssprachlich sagt. Monster Magnet‘s Mastermind wirkt belebt, frisch, clean und strotzt beim Pressetermin nur so vor Elan, im Gepäck ein Album, das alte wie neuere Freunde der Band gleichsam bedient und auch ebenso verzaubern soll. Eine Hälfte straight-up Rock‘n‘Roll, solide und teilweise stampfend, die andere Hälfte gefühlvolle Psychedelic-Orgien mit schweren Grooves, Tiefgang und Schmiss. Nicht unbedingt das, was man erwartet hätte, aber die Erklärung liegt wohl nahe: Die Band hat offensichtlich wieder zu sich selbst und zu alter Stärke gefunden. Die besten Monster Magnet, die es je gab? Immerhin sind nach „God Says No“ ein paar Jahre ins Land gezogen, bevor im letzten Jahr ein paar Festivalshows auf dem Programm standen...

Wahrscheinlich hat Gott tatsächlich sein Veto eingelegt, die Band so weiter bestehen zu lassen. Was also ist in den vergangenen 3 Jahren passiert? „Mit dem letzten Album haben wir tatsächlich fast eineinhalb Jahre getourt, dann habe ich mir das Knie gebrochen, was etwa 8 Monate in Anspruch nahm, Ich habe meinenm Plattenvertrag verloren, weil unser Label von einer großen Firma geschluckt und alles ganz furchtbar wurde und schließlich habe ich meinen Manager gefeuert. Dann sollte ich in Kalifornien den Soundtrack für ein Motorradmovie schreiben, habe die Musik aber wieder zurückgenommen, weil der Film echt scheisse war, ein echter Alptraum. Und in meiner Freizeit arbeitete ich an Monster Magnet-Songs, das war in der Zeit rund um 9/11, eine denkbar schlechte Zeit, sich um einen neuen Deal zu kümmern.“
Gab es jemals einen Zeitpunkt, an dem Wyndorf ans Aufhören dachte? „1997, kurz vor dem Erscheinen von „Powertrip“ war ich fast soweit, aber jetzt bin ich viel zu zielstrebig dafür. Ich liebe Musik und tue alles dafür, um weiter daran arbeiten zu können.“ So gestaltete sich die Suche nach einem neuen Labelpartner nicht allzu schwierig, aber die eine oder andere bittere Pille lag stets bereit. „Ich war auch der Suche nach einer unabhängigen Firma. Bad news for Rock‘n‘Roll, wenn es auf einmal nur noch zwei Majors gibt, die alles aufkaufen, was sich dort auf dem Markt tummelt. Aber ich bin sehr glücklich mit dem jetzigen Verhältnis.“ In der Tat hat sich viel im Business getan, was sicherlich auch Einfluss auf die Entwicklung der Band hatte. „Die Unterschiede der Band heute und vor 10 Jahren sind allerdings nicht so gravierend, wie mancher denken mag. Nun, wir haben jetzt ein paar neue Leute dabei, aber der einzige Unterschied ist wohl, dass ich mich der Sache viel mehr verschrieben habe, als zuvor. Ich glaube, dass ich jetzt besser weiss, wie ich verschiedene Sachen anpacken muss, ich bin ein besserer Produzent und auch Songwriter geworden. Damals war ich zu oft high und habe zu gerne diese „was-auch-immer“-Mentalität an den Tag gelegt, egal, worum es auch ging. Ich beabsichtige, noch sehr viele Platten mit Monster Magnet zu machen und bin sehr motiviert.“ Eine Kraft, die nicht von ungefähr kommt und von seinem Auftreten definitiv unterstrichen wird. „Durch die ganzen Erfahrungen, die ich im Musik-Business gesammelt habe, fühle ich mich stärker. Ausserdem habe ich das Trinken aufgegeben, denn das saugt dir echt die Energie aus dem Körper. Ich habe damals alles genommen, was man mir gegeben hat, jeden Abend eine Flasche Wodka, Valium, kistenweise Bier... es hat einige Zeit gedauert, bis ich mich davon erholt habe.“ Das war nach „Dopes To Infinity“, die folgenden beiden Alben entstanden in dieser „Aufwach“-Phase. Nun also mit voller Kraft voraus.
Leider aber gab es Differenzen innerhalb der Band. „Ich habe Joe und Jon rausgeschmissen, weil sie nicht enthusiastisch genug für Monster Magnet waren. Ihnen hat die Musik nicht gefallen, es war höllische Arbeit, sie zum Proben zu bewegen und zuguterletzt entsprachen sie auch nicht mehr dem Standard, dem ein Musiker für eine Band wie Monster Magnet entsprechen muss. Das hat mir persönlich sehr weh getan, weil ich sie sehr mochte, aber, wie sagt man so schön: they ran out of gas! Mit Jim Baglino und Bob Pantella kehrte dann auch der Enthusiasmus wieder zurück. Sie lieben all das, worüber sich die beiden anderen beschwert haben. Du musst ein Team sein und über allem muss der Spaß an der Sache stehen. If it‘s not fun it‘s not worth doing it!“ So kam es auch, dass mit „The Right Stuff“ (Robert Calvert, Ex-Hawkwind-Sänger, 1974) und „There's No Way Out Of Here“ (David Gilmour, 1978) gleich zwei Cover-Songs die zweite Hälfte der Platte einläuten, weil sie einfach passten. „Immer, wenn wir für ein Album im Studio waren, haben wir ein paar Cover für mögliche B-Seiten und meist auch nur zum Spaß aufgenommen, und dieses Mal passten sie hervorragend in den Kontext. Erst ein paar gut rockende Nummern, dann ein paar mehr psychedelische - da passten die beiden Tracks wunderbar hinein. Ausserdem wollte ich auch eine leichte Vinyl-Mentalität mit A- und B-Seite haben, und es hat funktioniert.“ Eine Tatsache, die möglicherweise einige Leute vor den Kopf stoßen wird. „Ja, aus kommerziellen Hintergründen sollte ich mich lieber auf eine Art der Musik konzentrieren, aber ich kann es nicht. Ich muss einfach beiden Trieben folgen.“ Das Ergebnis wird ihm Recht geben. Auch wenn in Teil 1 im Gegensatz zu „God Says No“ ein wenig mehr Blues Einzug gehalten hat. „Blues und Garagenrock, auf jeden Fall. Es sollte ein wenig mehr upbeat und trashy sein, was auch ein guter Kontrast zu den teilweise recht zynischen und schmerzlichen Lyrics ist. So entstand eine gute Balance. Ohne die Texte könnte man fast meinen, es wären Standard-Rocksongs, aber so steckt in ihnen viel mehr. Ich hoffe, das verstehen die Leute auch so, sonst bin ich wohl in meinem Vorhaben gescheitert. Die Message, die klar werden soll, ist, dass das Leben im 21sten Jahrhundert ziemlich verrückt ist, man aber nicht alles davon extrem ernst behandeln muss. Man kann auch zum Wahnsinn Stellung nehmen und sich dabei gut fühlen.“ Dave wirkt ein wenig verbittert. „Die Leute werden von all dem technischen Schnickschnack, der sie umgibt, regelrecht hypnotisiert. Sie hören sich beispielsweise mp3‘s an, aber verdammt, diese Files haben doch nur 12Bit! Musik sollte man in einer Qualität von 24Bit geniessen, aber sie geben sich damit zufrieden. Technologie ist der Star des 21. Jahrhunderts - und nicht Poesie. Und schon garnicht Individualität.“
Aktuelles Album: Monolithic Baby (Steamhammer/SPV) - VÖ: 16.02.
Weitere Infos: www.monstermagnet.net
© 04. Februar 2004  WESTZEIT ||| Text: Axel Nothen
Februar 2004

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