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RED FANG - Abenteurer mit Stallgeruch

Wer vor ein paar Jahren darauf gewettet hätte, dass Red Fang einmal die Speerspitze eines Genres bilden würden, wäre heute sicherlich ein reicher Mann. Denn damals, so 2008 rum, gab es nicht viel, was sie zu merklich höherem berufen hätte. Aber irgendwie waren sie schon damals Underground-Kult: Denn sie benutzten Sunn Transistor-Amps, sahen aus wie ganz normale Typen aus der Nachbarschaft und drehten ein sauwitziges Videos mit jeder Menge Dosenbier...

Knapp 8 Jahre später hat die Band mehrmals die Welt betourt, vier recht erfolgreiche Alben auf dem Markt und mit Relapse Records eins der veritabelsten Metal-Label im Rücken. Ab wann ging es eigentlich merklich bergauf mit der Band?

„Einen bestimmten Startpunkt kann ich nicht wirklich ausmachen, aber sicherlich gab es einige sehr spezielle Momente, die so etwas wie Meilensteine waren.“ berichtet Gitarrist David Sullivan. „Die US- und Europa-Tour mit Mastodon, die Hauptbühnen-Show auf dem Hellfest und bei David Letterman in der Late Night Show zu spielen, zum Beispiel. Wir haben einfach immer hart gearbeitet und es ist einfach immer mehr passiert, es ist fantastisch.“

Im Vorfeld zum neuen Album ´Only Ghosts´ passierte dann einmal mehr etwas: Auf einmal standen für die Produktion Namen wie Ross Robinson und Joe Barresi zur Debatte – Möglichkeiten, von denen man vor Jahren wohl nur träumen durfte.

„Ursprünglich hat unser Manager Ross vorgeschlagen und ich war ziemlich unentschlossen, was ihn anging. Aber nachdem wir ihn getroffen hatten, wusste ich, dass es großartig werden würde, mit ihm zu arbeiten.“

Wenn man bedenkt, dass Robinson eher für seine druckvollen NuMetal-Produktionen und Artverwandtes bekannt war, eine einleuchtende Zurückhaltung. Dennoch kam der Band die Arbeitsweise eines Mannes zugute, der legendäre Alben wie Korn's selbstbetiteltes Debüt, Sepultura's ´Roots´, Glassjaw's ´Worship and Tribute´ oder Slipknot's ´Iowa´ verantwortete.

„Ross war viel tiefer involviert beim Arrangieren der Songs, als wir das jemals zuvor mit einem Produzenten hatten. Es war eine sehr intensive Erfahrung und wir haben eine Menge dabei gelernt.“

Für den Mix war Joe Barresi verantwortlich, der klanglich eher in Red Fang's gefilden unterwegs ist, gehörten doch u. a. Kyuss, Fu Manchu, Clutch, Monster Magnet und Melvins zu seinen Kunden.

„Bei Joe Barresi waren wir alle ungleich mehr aufgeregt, denn wir kennen und lieben viele Alben, die er gemischt und produziert hat.“

Die also schon in Sachen Personal etwas experimentellere Herangehensweise hört man dem Album vom Start weg an: Schon der Opener ´Flies´ wartet mit wilden Sound-Effekten und gar Keyboard-ähnlichen Passagen auf...

„Im Studio hatten wir so viele Möglichkeiten, die wir live niemals ausschöpfen können“, erzählt David. „Mein Pedalboard bestand vorher nur aus einem Tuner und einem Phaser – jetzt habe ich noch einen Octaver, einen Reverb und ein Delay dabei, um all diese Sounds aus dem Studio irgendwie nachstellen zu können, vor allem lebendiger. Wir wollen live nämlich niemals wie eine Aufnahme klingen.“ Und doch nehmen sie stets unter der Prämisse auf, einen starken Live-Song zu erarbeiten.

„Es ist schwer, nicht daran zu denken, wie das Publikum möglicherweise auf einen Song reagiert, während man ihn schreibt. Ich persönlich versuche, das zu ignorieren, schreibe einfach weiter und blende eventuelle Erwartungen aus. Es kommt oft genug vor, dass wir für die Live-Sets eher schnelle, energiegeladene Songs nehmen anstatt die langsameren, die viel Raum bieten – denn die erfordern mehr Disziplin und Selbstvertrauen als eine schnelle, hektische Nummer.“

Selbstvertrauen war im Studio jedenfalls genug da, dass die Fans auch mal ein spaciges Instrumental wie ´Flames´ verstehen, das mehr Soundexperiment denn Song ist. Leider sind durch die vielen Experimente auch Songs auf der Strecke geblieben, die womöglich noch aufs Album gepasst hätten.

„Nein, Ross hat sie nicht gestrichen – wir sind einfach nicht fertig geworden damit, weil wir keine Zeit mehr hatten. Es gibt noch zwei Songs, für die alle Basic Tracks stehen – hoffentlich können wir die irgendwann noch einmal fertigstellen.“

Abgesehen davon, dass die Hoffnung auf eine erneute Zusammenarbeit in dieser Konstellation also denkbar ist, bleiben Red Fang also am Ball. Ein fantastischer Ausblick, denn die Kreativität der Band scheint mit diesem Album einen neuen Zenit erreicht zu haben.

What's next? Wir werden es sehen. In der derzeitigen Verfassung würde es mich nicht wundern, wenn Red Fang die erste Band ist, die den Mond betourt.

Aktuelles Album: Only Ghosts (Relapse)
© 01. Oktober 2016  WESTZEIT ||| Text: Axel Nothen ||| Foto: James Rexroad
Oktober 2016

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