interviews
kunst
artexpo
cartoon
konserven
liesmich.txt
filmriss
dvd
vorlesungs-
verzeichnis

cruiser
agenda
live reviews
stripshow
lottofoon
kontakt
NOFX - Keine Angst vor dem eigenen Ich

Dass ich nach der Frage, welche Art ich bevorzuge, mein Interview zu führen, ganz selbstverständlich säusele „Also mir wäre Skype allerliebsten…“ ist noch nie, nie vorgekommen, ganz im Gegenteil, nicht mal für meine Freunde in der Ferne lasse ich mich vor eine Webcam zerren, aber im Falle von NOFX Frontmann Fat Mike, Gründer des legendären Plattenlabels Fat Wreck Chords, konnte ich einfach nicht widerstehen.

Seine Interviews sind legendär mit leichter Schlagseite zum Durchgeknallten, also machte ich mich bereit , erstaunt zu werden – und ich wurde nicht enttäuscht: Der Typ, der sich da mit verstrubbelten blauen Iro auf einer alten Ledercouch rumfläzte, war so cool und laid back, dass bei mir erst gar keine panische Schnappatmung aufkam. In den folgenden eineinhalb Stunden unterhielten wir uns über die frühen Jahre der Band, die Benefits, erst in den Dreißigern mit Drogen rumzuexperimentieren und zwischendurch kam die Sprache auf die neue Scheibe ´First Ditch Effort´, die ja eigentlich der Anlass dieses inspirierenden Chit Chats war.

Also fangen wir mit Eurem neuen Baby an, gibt es irgendeine Story hinter dem Namen Eures neuen Albums?

„Yep, gibt es… Kennst Du den Ausdruck ‚Last Ditch Effort‘? Das ist so etwas wie der allerletzte Versuch, bevor alles gelaufen ist – ‚First Ditch Effort‘ ist unser erster Versuch einer letzten Platte, da können noch unendlich viele folgen. Viele Bands kündigen dauernd ihre letzten Alben an, dies ist unser erster Versuch.“

Du hast es geschafft, 33 Jahre Punkrock zu überleben und Ihr habt bestimmt nicht immer nur von Luft und Liebe gelebt. Mit ´Six Years On Dope´ habt Ihr einen Anti-Drogen- Song geschaffen – wie kam es dazu?

“ich finde, dass es für junge Leute absolut zerstörerisch ist, früh mit Drogen anzufangen. Du musst noch Dein ganzes Leben aufsetzen, in die richtigen Bahnen lenken und stoned zu sein oder schlimmer ist da äußerst kontraproduktiv. NOFX hätten es nie geschafft, das zu sein, was sie heute sind und auch mein Label würde es nicht geben, wenn ich in jungen Jahren auf Drogen gewesen wäre, ich war derjenige, der die Songs geschrieben und die Shows arrangiert hat. Ich habe erst mit über 30 zusammen mit meiner damaligen Frau beschlossen „Okay, lets do drugs“ und das haben wir auch bis vor kurzem durchgezogen. Und nicht etwa Kokain oder irgendetwas anderes Illegales hat mich abgefuckt, sondern verschreibungspflichtige Sachen und so geht s den meisten Leuten. Generell denke ich, dass später Drogenkonsum Dich zu einem verantwortungsbewussteren User macht, weil Du das Leben, das Du Dir bis dahin aufgebaut hast, nicht gefährden willst und Dich besser kontrollierst. Trotzdem ist jetzt gut davon weg zu sein, missen möchte ich die Erfahrung dennoch nicht. Aber die Message an alle jungen Leute ist, Finger weg und kriegt erst mal was auf die Reihe!”

Ihr habt auch, als Ihr groß wurdet Euch geweigert, zu einem Major Label zu gehen, und der Erfolg hat Euch letzt-endlich recht gegeben. Wäre es mit Major Deal vielleicht schneller gegangen?

“Wir hatten nie Lust uns irgendetwas sagen zu lassen und es war in den frühen Jahren no big deal einen Scheißjob zu machen, solange wir immer noch auf Tour gehen und spielen konnten, und graduell stellten sich die ersten Erfolge ein, 1990 konnten wir von unserer Musik leben, wir hatten 8000 Dollar verdient und wenn man sich ein bisschen Mühe gibt und die Miete nur 300 Dollar ausmacht, klar warum nicht?

Punkrock bedeutet immer noch, selbst was auf die Beine zu stellen und bestenfalls anderen ebenfalls eine Plattform zu bieten, guck Dir doch mal Bad Religion und Epitaph an, oder Tim Armstrong von Rancid und Anti, zwei der einflussreichsten Punkrocklabel, gegründet von Leuten, die Ahnung haben und denen Musik was bedeutet. Das ist cool!”

So, und da mein begrenzter Platz hier mir mal wieder das Herz bricht und ich Euch leider viele Großartigkeiten vorenthalten muss, hier mein Must-Read: NOFX: The Hepatitis Bathtub and Other Stories –die Autobiographie der Band – ein Einblick über die frühen Jahre in L.A., spannend und sehr verstörend!

Aktuelles Album: First Ditch Affort (Fat Wreck)
© 01. Oktober 2016  WESTZEIT ||| Text: Micky Repkow ||| Foto: Joe Leonard
Oktober 2016

Links

suche