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APOLOGIES I HAVE NONE - Noch einmal mit Gefühl

Keine Frage, Musik sollte Herzenssache sein. Im Idealfall positiver Natur, bezogen auf das neue Album der Londoner Band Apologies, I Have None jedoch zweifelnd und an vielen Stellen bedrückend – präsentieren sich die Tracks des neuen Albums ´Pharmacie´ als Gegenentwurf zum schönen Leben und zeigen Frontmann Josh Mckenzie von seiner emotional verletzlichen Seite:

„Wir erreichten während der Aufnahmen den Punkt, an dem es klar war, dass niemand der Sache eine andere Richtung geben kann“, blickt er mit bester Laune zurück und das, obwohl der im Punk beheimatete Alternative-Rock ein anderes Bild abgibt. Mit Lyrics, die zu Tage bringen was besser unerwähnt geblieben wäre.

10 Uhr morgens ist alles andere als Rock’n’Roll und leicht unsicher tritt man Josh Mckenzie gegenüber. Schließlich hat der nimmermüde Chef von Apologies, I Have None bereits einige Interviewtage hinter sich und muss vor allem eine Frage wieder und wieder beantworten: Warum zeigt ihr euch plötzlich derart verletzlich?

Eine standardisierte Reaktion habe man immer noch nicht und philosophiert bewusst jedes Mal neu darüber, weswegen ´Pharmacie´ diesen Eindruck bei allen als erstes hinterlässt. War der Vorgänger aus dem Jahre 2012 schließlich so unbeschwert und Party-tauglich.

„Als wir damals mit ‚London’ das Debüt veröffentlichten, stammten viele Stücke noch aus den Anfangstagen der Band. Wir schleppten sie ewig mit uns herum, spielten unzählige Gigs und als endlich sie erschienen, wirkte die Lieder mehr wie eine Erinnerung als ein Statement des Hier & Jetzt.“

Erklärt Mckenzie und weiß zugleich, dass auch auf dem zweiten Studiowerk Demos als Grundlage genommen wurden, die bereits mehr als zwei Jahre auf den Buckel hatten – allerdings ins Gesamtkonzept passten und mit ebenso offenem Visier in die Auseinandersetzung gehen wie die im Anschluss daran konzipierten Tracks.

Der Augenblick, an dem sich der Entstehungsprozess verselbstständigte, kam indes ähnlich schnell wie unerwartet:

„Ich musste meine Texte niemanden erklären, obwohl sie autobiographisch und direkt anmuten. Dies zeigt aus meiner Sicht, wie intuitiv wir uns als Musiker verstehen.“

Ein perfektes Zusammenspiel: ´Pharmacie´ ist im Gegensatz zum Erstling ein anderes weil komplexer und strukturierter wirkendes Album. Die roughe Grundausrichtung der Band-eigenen Formel ‚Gitarre-Schlagzeug-Bass’ fügt sich mühelos den Tagebucheinträgen des Chefs an.

Wobei er hier schnell mit dem Kopf schüttelt und energisch möglichen Vorteilen entgegenwirkt: „ Nur weil die Texte persönlich wirken, ist ‚Pharmacie’ keine Therapiestunde. Mir geht es nicht darum etwas aufzuarbeiten.“

Vielmehr sich von Emotionen leiten zu lassen, daran abzuarbeiten und Reflexionen zu folgen, die sonst nicht eingetreten wären – „deswegen ruft aber niemand an und fragt, ob alles gut ist. Mein direktes Umfeld versteht, worum es geht und betrachtet die Platte losgelöst von mir als Person.“

Betrachtungsweise hin oder her, eines haben Apologies, I Have None mit Bravour bewältigt: Ziemlich viel ziemlich richtig zu machen.

´Pharmacie´ zeigt als zweites Album ihrer Laufbahn, dass mehr als nur eine Punkrockband in diesem Quartett steckt - ohne Kollateralschäden und mit Musik, die Herzensangelegenheit ist.

Aktuelles Album: Pharmacie (Uncle M)
© 01. Oktober 2016  WESTZEIT ||| Text: Marcus Willfroth
Oktober 2016

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