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SUZANNE VEGA - Ein großartiges, seltsames Ding

Manchmal genügt eine Kunstform alleine eben nicht, um ein bestimmtes Anliegen umzusetzen. Im Falle von Suzanne Vega und Carson McCullers ist das sogar noch ein wenig komplizierter. Suzanne Vega, die hochgeschätzte Songwriter-Ikone aus New York City ist seit frühester Jugend in die Südstaaten-Autorin Carson McCullers vernarrt.

Lange Zeit suchte Sie nach einem Format, in dem sich das komplexe Gewirr aus historischen Fakten, Vermutungen, Zeugenaussagen und der literarischen Fiktion, das in diesem Fall das Leben der Schriftstellerin ausmacht, in Einklang bringen ließe. Und da kam sie dann auf die Idee eines Theaterstückes mit Musik, das sie schließlich zusammen mit dem Komponisten Duncan Sheik 2011 in New York unter dem Titel ´Carson McCullers Talks About Love´ auf die Beine stellte und in dem sie auch selbstredend die Hauptrolle übernahm. Das nun vorliegende Album mit den Songs aus diesem Theaterstück wurde jetzt aufgelegt, weil es in Los Angeles eine zweite Produktion des Stückes geben wird. Wenn man sich das Album so anhört, dann kann man sich des Eindruckes nicht erwehren, dass sich Suzanne Vega in der Welt der Carson McCullers sehr wohl zu fühlen scheint, so dass die Songs eine Familiarität vermitteln, die ja eigentlich gar nicht gegeben sein kann. Was hat dieses Selbstverständnis eigentlich ausgelöst?

„Ich weiß, was Du meinst“, führt Suzanne aus, „alles, was ich – speziell als Teenager - von Carson gelesen hatte, hat sich für mich besonders real und aufrichtig angefühlt. Sie hat zum Beispiel über Kinder in einer sehr interessanten Art geschrieben – nämlich so, wie diese wirklich sind, und das ganz ohne Sentimentalität. Sie hat z.B. über arme Kinder geschrieben; über Kinder, die es schwer hatten.“

Und das hat diese Begeisterung für Carson McCullers ausgelöst?

„Ja, denn ich habe mir gesagt: Das ist das wahre Ding, das ist so, wie es im Leben tatsächlich zugeht. Carson hätte aus meiner Nachbarschaft stammen können – auch wenn sie im Süden aufgewachsen ist und ich in New York City. Ich erkannte, dass dieses Mädchen wirklich gelebt hatte und wusste, wie man reale Personen auf das Papier bekommt. Das ist so selten – denn meistens bekommt man im literarischen Kontext die Version dessen, wie ein Kind zu sein hätte präsentiert.“

Nun gehört zu einer multimedialen Hommage an eine verstorbene Künstlerin ja mehr, als bloß eine Begeisterung für die verehrte Person. Wie hat Suzanne Vega diese Begeisterung mit Leben erfüllt?

„Es gibt da diese großartige Biographie von Virginia Spencer Carr namens 'The Lonely Hunter', in der jedes Detail aus dem Leben von Carson McCullers aufgelistet ist. Und so siehst Du dann diese komische, tragische, zähe, junge Frau vor Dir, die wie ein Mann getrunken und geraucht hatte, die sich anzog wie ein Mann, die auf gewisse Weise zwar naiv gewesen war, die aber auch furchtlos war. Ich muss sagen, dass dieses Buch genauso faszinierend ist, wie Carsons Leben – was ein großartiges, seltsames Ding gewesen sein muss.“

Helfen die Erfahrungen, die Suzanne als Schauspielerin machte, als sie sich in das Leben von Carson McCullers versetzte, auch bei ihrem Job als Performerin?

„Doch, da spielt die Schauspielerei schon ein wenig rein“, meint Suzanne, „ich denke, dass mein Charakter auf der Bühne ein wenig anders ist – freundlicher, normaler, zugänglicher als im normalen Leben. Die meisten Leute finden mich außerhalb der Bühne nicht so angenehm. Ich hatte in der Türkei mal einen Wachmann, der zu mir sagte, dass ich auf der Bühne ganz anders und freundlicher sei, als hinter der Bühne. Was kann ich sagen? Die meisten Leute – einschließlich solcher, mit denen verheiratet war – berichten mir, dass ich schwierig sei. Es wird also wohl etwas dran sein.“

Das kann man dann auf der anstehenden Tour von Suzanne Vega überprüfen, auf der sie natürlich auch Songs über Carson McCullers spielen wird.

Aktuelles Album: Lover, Beloved: Songs From An Evening With Carson McCullers (Cooking Vinyl / Sony)
© 01. Oktober 2016  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer ||| Foto: Gorge Holz
Oktober 2016

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