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HEIDEROOSJES - Bauern mit Köpfchen

Mit „SINema“ zeigen die Heideroosjes erneut, warum sie zu den wichtigsten Punkbands in Europa zählen. Dass ihre Mission aber nicht nur auf diesen Kontinent beschränkt ist, verdeutlichten sie mit ihrer Südafrikareise im letzten Jahr. Nicht ungefährlich, aber erfolgreich, wenn man den Worten von Marco Roelofs Glauben schenken darf. Der gutgelaunte Sänger der niederländischen Punk-Institution lud Westzeit zum süßesten Kakao der Welt in seinen Heimatort Horst, der nur etwa 30km von unserer Redaktion entfernt liegt.

Beim Blick aufs Album fällt eins sofort auf: Das „De“ wurde aus dem Bandnamen gestrichen. „Ausserhalb Hollands war dieser Zusatz immer zu verwirrend, wie z.B. in Frankreich, wo „de“ von heisst. Ausserdem waren in vielen Plattenläden unsere Scheiben einfach schwierig zu finden, weil manche sie unter „D“ einsortiert hatten, anere wiederum unter „H“.“ Ein Zeichen dafür, dass die Band inzwischen internationaler denkt? „Wir denken praktischer! Ich checke halt immer die lokalen Record Stores, wenn wir auf Tour sind, und diese Tatsache war schon auffallend.“ Das neue Album besticht erst einmal durch die gewaltige Tracklist. 17 Songs sind schon eine fette Beute. „Und wir hatten noch viel mehr, und es war sehr schwer, sich da zu limitieren. Wir haben so viele unterschiedliche Arten von Songs: ernste, lustige, holländische, englische, usw. Aber diese Platte sollte nicht eindmensional werden, also mussten wir eine gute Mischung zusammenstellen, die dem Heideroosjes-Feeling gerecht wurde. Wenn wir nicht diese Variationen innerhalb der Tracklist hätten, wäre das Album längst nicht so wirkungsvoll.“ Insgesamt könnte man dem neuen Album eine gweisse Melodielastigkeit attestieren, mehr potentielle Singalongs hat wohl bislang keine Heideroosjes-Scheibe. „Wir haben nicht explizit daran gearbeitet, aber irgendwie ist es halt im Gegensatz zu „Fast Forward“, das mehr Hardcore-orientiert war, melodischer ausgefallen.“ Und nun, nach den ganzen Reisen durch Südafrika, Bosnien, bald in den USA - folgt etwa ein WorldMusic-beeinflusstes Album? „Wir haben als einfache Bauernpunks angefangen und dann allmählich all die Begebenheiten der diversen Touren in unsere Songs einfließen lassen. So haben wir auf dieser Platte 9 verschiedene Sprachen, was nicht gerade alltäglich ist. Manche werden sicher sagen, dass dies die Grenzen des Punkrock überschreitet, andere wiederum verstehen sicherlich, dass Punk viele Facetten hat und auch ruhig mal ein Keyboard zum Einsatz kommen kann. Ich denke, man kann immer so weit gehen, wie man es sich selbst zutraut.“ Natürlich hat jeder seine eigene Meinung und kann sich diese frei bilden. Auch über „SINema“ - ein Album, dass einem die Vielzahl Sünden vor Augen hält oder eher als Denkanstoß fungiert? „Es ist sicherlich keine Bibel, es drückt eher aus, dass jeder ein Darsteller in seinem persönlichen Film ist, den keiner wirklich kontrollieren kann. Denn all das, was um dich herum passiert, und da sind auch eine Menge mieser Sachen bei, stehen ausserhalb deiner Macht. Ich schreibe oft über Dinge, die ich eigentlich nicht beeinflussen kann, aber trotzdem gerne ändern würde.“ Wer mitdenken möchte, sollte sich das ziemlich unterhaltsame Album zulegen oder, noch besser, definitiv eine der zahlreichen Shows im März/April besuchen, denn die lohnen sich immer.

Aktuelles Album: SINema (Epitaph/SPV)
Weitere Infos: www.heideroosjes.nl
© 01. Februar 2004  WESTZEIT ||| Text: Axel Nothen
Februar 2004

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