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MELISSA AUF DER MAUR - Die Wikingerbraut

An der Kanadierin Melissa Auf Der Maur kommt man nicht vorbei, ohne auf die beiden Acts einzugehen, mittels derer sich ihr (ungewöhnlicher Name) erst etablierte, obwohl ihre Laufbahn bereits mit der eigenen Band, Tinker, begann. Courtney Love von Hole und Billy Corgan von den Smashing Pumpkins wählten Melissa indes nicht wegen des Namens (oder gar ihres Aussehens) als Bassistin aus, sondern, weil die Frau schlicht die richtige Einstellung zu jener harten Art von Mucke hatte, die die beiden Acts nun mal pflegten.

Eine Einstellung übrigens, die sich auch auf ihrer eigenen Debüt-CD nachvollziehen läßt: Die Musikanten, die Melissa hier beschäftigte (u.a. von QOTSA, Kyuss oder Perfect Circle), wissen, was ein Brett ist. Melissa sieht die Sache so: „Meine Scheibe folgt nicht so sehr einem intellektuellen Konzept, sondern es ist eine sehr emotionale Sache, bei der es darum geht, das Männliche und Weibliche zusammenzubringen. Ich, als Frau versuche hier lediglich, meine männliche Seite hervorzukehren. Diese Krieger-Instinkte, diese eher physikalische Realität, in der ein Mann lebt – im Unterschied z.B. zur emotionalen Ebene bei Frauen. Denn diese Art von Musik lebt davon, daß die weiblichen und die männlichen Seiten zusammenkommen. So wie das Licht und die Dunkelheit, das Schöne und das Häßliche, Tod und Leben, Traum und Realität. Es geht da immer um Dualitäten. Das erzeugt eine gewisse Spannung. Als Beispiel hierfür würde ich die Smashing Pumpkins oder Led Zeppelin oder sogar Black Sabbath sehen. Diese Männer versuchen, ihre weiblichen Seiten hervorzukehren. Wenn sie das nicht täten, wäre diese Musik auch nicht so emotionell und so schön. Ich gehe nun den umgekehrten Weg. Das mag also auch der Grund sein, warum nicht so viele Frauen diese Art von Musik machen – was irgendwo auch natürlich ist. Für diese, meine Musik, mußt Du dich schon wirklich interessieren. Wenn ich meine Augen schließe und meine Musik höre, dann sehe ich altertümliche Krieger, diese Wikinger, die Land in Besitz nehmen und so ihre menschliche Existenz rechtfertigen – irgendwas in dieser Richtung.“ Ganz so schlimm wird es dann aber doch wieder nicht: Einerseits hat Melissa die Lektionen in Richtung Pop, die es z.B. bei Hole ja durchaus gab, keineswegs verlernt, andererseits haben ihre Songs auch einen ganz eigenen, fast unwirklichen Charme. Der rührt musikalisch daher, daß sie Ihre Songs (obwohl von Haus aus Bassistin) auf eine sehr „mathematische Art“ – wie sie sagt – stückweise auf der Gitarre schreibt, und diese Patches dann kunstvoll zusammensetzt und miteinander verwebt – ganz ohne auf typisch maskuline Gesten wie etwa große Soli zu setzen. Ganz anders sieht es bei den Inhalten der Songs aus: „Ich denke nicht allzuviel darüber nach“, sagt sie über ihre Texte, „was nicht heißen soll, daß sie mir unwichtig wären, aber sie sind sehr instinktiv. Ich träume viele meiner Texte. Musik hingegen träume ich nie. Das hängt wohl auch damit zusammen, daß viel in meinem Leben durch Träume beeinflußt wurde. Ich folge meinen Träumen im Leben – und das meine ich wörtlich. Meine Träume haben mich auf vielerlei Art geleitet. Ich würde sogar sagen, daß für mich die Realität das Selbe ist, wie ein Traum – und daran glaube ich wirklich.“ Melissa Auf Der Maur – so scheint es – outet sich mit ihrer Debüt-CD als musikalische Hydra mit vielen Köpfen, Herzen und Seelen. Und sind wir doch mal ehrlich: Ein wenig Schizophrenie hat doch der harten Rock-Musik noch nie geschadet, gell?
© 01. Februar 2004  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer ||| Foto: Philipp Lethen
Februar 2004

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