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THE EXPERIMENTAL POP BAND - Brilliant, not instant!

Wenn es über den Sound einer Band viele unterschiedliche Meinungen gibt, dann entweder, weil die Musik so stark polarisiert oder weil sie so vielfältig ist, dass man sie kaum umfassend charakterisieren und beurteilen kann. Im Fall der vier Briten von „The Experimental Pop Band“ trifft definitiv Letzteres zu!

Nicht erst mit dem aktuellen, ihrem vierten Longplayer „Tarmac & Flames“ experimentiert man mit Elektronik, jongliert mit Samples und Loops, integriert HipHop-Elemente, tummelt sich auf dem Dancefloor, lümmelt sich auf Sixties-Lounge-Sofas und entschwindet in romantisch-verklärten Tag-Träumen. Das klingt ein wenig so, als hätte Beck statt eines funkig-brummenden Cocktails eine klare Independent-Pop-Suppe gelöffelt. Und bei Songtiteln wie „Retro Folk Suckers“, „The Hippies Don´t Know“, „We´re Older Now“ oder „100 Screaming Girls“ darf man erwarten, dass die Texte mit feiner Ironie und beißendem Spott aber auch mit Spuren von Melancholie und Optimismus gewürzt sind.

Hierfür verantwortlich zeichnet sich Davey Woodward, der bereits in den 80ern mit den Brilliant Corners kein Unbekannter in Indie-Kreisen war. Nach deren Auflösung 1990 verdingte er sich als Club-DJ – sicher auch von Einfluss auf den opulenten Stilmix. Mitte der Neunziger gründete Davey mit ein paar Kumpels „The Experimental Pop Band“. Doch trotz guter Kritiken für die ersten Veröffentlichungen schienen es die Sterne nicht gut mit ihnen zu meinen. 1998 starb Bandmitglied Chris Galvin an Krebs, und gegen Ende 2001, mitten in den Arbeiten an diesem (!) Album wurden sie vom Label auf die Straße gesetzt. Kein Wunder, dass nun zwischen den ersten Aufnahmen und der Veröffentlichung zweieinhalb Jahre vergangen sind, was nicht nur Davey gehörig gegen den Strich ging.

Es war für uns wie ein Stich ins Herz, weil wir mit den Leuten vom Label gut befreundet waren. Wir hatten uns neu zu orientieren. Hinzu kam natürlich, dass wir uns um einen neuen Bassisten kümmern mussten. Wir waren ziemlich fertig, und es war klar, dass es einiger Zeit bedurfte, uns wieder von solchen Schlägen zu erholen.

Doch schließlich fand man sowohl einen Manager und im vergangenen Jahr mit Cooking Vinyl ein Label, welches sich ihrer gerne annahm. Doch nun die „alten“ Songs zu promoten und mit ihnen auf Tour zu gehen ist nicht einfach.

Natürlich haben wir neuere Songs (...welche dann ihrerseits nicht vor 2005 veröffentlicht werden... d. Red.), die wir spielen möchten, aber es nicht dürfen, weil wir das „neue“ Album promoten müssen. Allerdings ist es dann so lange her, dass die Platte aufgenommen worden ist, dass Du nicht mehr weißt, wie man die Stücke damals genau gespielt hatte.

Ab kommenden März kann man sich vom Gelingen dieser Übung bei ihren Live-Gigs selbst überzeugen und später darüber mit Davey und den anderen Bandmitgliedern bei einem Drink an der Theke hinterher diskutieren können. Ob man nach den Auftritten dann einer Meinung mit der Person sein wird, die das Two-Piece-Set (Voc/G/Dr) im Dezember in der Christuskirche zu Köln so erlebte „...als hätten die White Stripes ein Pop-Set in einem Folk-Café mit Lou Reed und Jonathan Richman gebracht.“ ist aus genau zwei Gründen unwahrscheinlich: Erstens treten sie diesmal zu Viert an und zweitens...(s. Einleitung).
Aktuelles Album: Tarmac & Flames (VÖ 26.1.04)
© 01. Februar 2004  WESTZEIT ||| Text: Marco Pawert
Februar 2004

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