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MELISSA AUF DER MAUR - Die Rückkehr der Wikinger

Bis zur Mitte des Jahrzehnts war Melissa Auf Der Maur ein unverzichtbarer Name in Sachen Rockmusik. Die Kanadierin begann ihre Karriere als handverlesene Bassistin von Hole, wechselte danach für eine Tour zu den Smashing Pumpkins und veröffentlichte dann ihre hochdekorierte Solo-CD "Auf Der Maur", auf der sie unter anderem von Queen Of The Stone Age Musikern unterstützt wurde.

Im Prinzip, so schien es, standen Melissa also alle Türen offen. Bis dann die Musik-Industrie so, wie sie bis dahin dominierte, zusammenbrach und sie plötzlich als Major-Label-Artist in einen Rechtstreit hineingezogen wurde, der verhinderte, dass ihre zweite CD wie geplant gleich im Anschluss an die erste erscheinen konnte. Melissa machte dann freilich gute Miene zum bösen Spiel:

"Je mehr Herausforderungen sich mir stellten, desto kreativer wurde ich", erinnert sich Melissa, "Ich komme ja eher von einem Visual-Arts Background. Ich bin auf die Kunsthochschule gegangen und habe als Künstlerin gearbeitet, bis ich bei Hole einstieg. Darauf wollte ich sowieso immer mal wieder zurückkommen. Als es unklar war, ob und wann ich die Scheibe veröffentlichen könnte, beschloss ich, zunächst ein Mal einen Film zu machen.“

Dabei handelt es sich um einen Fantasy-Film zu Melissas Musik, der in HD von Regisseur Tony Stone ("Severed Ways") gedreht wurde und der – umgeschnitten – auch als Video zur Single dient. Es ist dies ein halbstündiger Film ohne Dialoge zu Intrumentalmusik, die sich allerdings nur teilweise auf dem neuen Album "Out Of Our Minds" wieder findet, dessen Titelsong auch die Basis des Films ist. Durch diesen Film stolpern auch wieder Wikinger, für die Melissa eine ganz besondere Wertschätzung hegt.

„Ach ja die Wikinger“, schmunzelt Melissa, „ich habe mich, ausgehend von einer frühen Faszination, intensiv mit dem Thema beschäftigt, und habe festgestellt, dass es totalen Sinn machte, dass ich als Teenager davon begeistert war. Erst ein Mal haben sie als Heiden die Mutter Erde verehrt. Sie hatten auch eine Hierarchie von Göttinen – und dann ist es so, dass ich mich auch mit den Ägyptern beschäftige und da sehe ich gewisse Parallelen. Es scheint, dass diese beiden alten Kulturen Zugriff auf eine Art fortschrittlicher Technologie hatten. Wie die Wikinger navigierten und als erste Nordamerika erreichten, ist noch nicht vollständig erforscht – genauso, wie der Bau der Pyramiden noch nicht restlos ergründet ist. Wikinger und Ägypter waren sozusagen Visionäre. Je mehr ich mich damit beschäftige, desto mehr komme ich zu dem Schluss, dass es sich hierbei um archaische Zivilisationen handelt, von denen wir sogar noch heute lernen können. Es geht mir hierbei um Mythologie, Geschichte und Fantasie."

Auf dem neuen Album singt Melissa ein Duett mit der Goth-Legende Glenn Danzig.

"Ja. Glenn ist das Idol meiner Jugend", gesteht Melissa, "auch wenn ich ihn erst spät entdeckte, kann ich doch sagen, dass er mein Leben verändert hat. Es war immer schon ein Traum von mir, mit ihm zusammen zu arbeiten. Ich hatte gehört, dass er Kollaborationen eigentlich ablehnt. Deswegen habe ich mir überlegt, dass ihm etwas bieten müsste, wenn ich ihn gewinnen wollte. Ich beschloss also, ihm einen Song zu schreiben, der ihn reizen könnte."

Dieser Song heißt "Fathers Grave" und ist die Geschichte eines Totengräbers, die Melissa als eine Art Blues konzipierte.

"Kontemporärer Blues sagt mir eigentlich nichts", gesteht sie, "wenn ich Blues kenne, dann nur über die Leute, die selbst davon beeinflusst sind. Ich muss zugeben, dass ich – was meine musikalische Geschichtskenntnis betrifft – sehr eingeschränkt bin. Wenn ich mir aber die alten Blueser anhöre, wie Leadbelly oder so – dann höre ich da schon raus, dass ich mich da eigentlich viel mehr mit beschäftigen sollte."

Auf jeden Fall zeigt dies aber eine neue Facette von Melissa Auf Der Maur, die mit diesem neuen Album beweist, dass sie einfach mehr drauf hat, als die Session Musikerin, die auch ein Mal im Spotlight stehen möchte.

Aktuelles Album:Out Of Our Minds (Roadrunner)
© 01. April 2010  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer
April 2010

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