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ARCHIE BRONSON OUTFIT - Poppig angehauchte Brutalbeats

Laut muss es schon sein, wenn sich Sänger und Gitarrist Sam „The Cardinal“ Windett, Dorian Hobday am Bass und ebenfalls an der Gitarre sowie Schlagzeuger Mark „Arp“ Cleveland an die Instrumente begeben. „Verdammt laut“, wie Mark „Arp“ Cleveland grinsend bekennt, „ es soll ja schließlich niemand an uns vorbeihören.“ Stimmt. Die Klänge sind zu intensiv, um sie zu ignorieren. Vorbeisehen ist offensichtlich auch nicht drin. Auffallend bärtig und auffallend sonnenbebrillt kommt das Trio daher, das seinen Namen, Archie Bronson Outfit, einem Comic aus den 40er-Jahren entlehnt hat.

Ihren Weg zum renommierten Dominolabel, die Heimat von Franz Ferdinand oder den Arctic Monkeys, fanden sie durch Chef Laurence Bell höchstpersönlich. Als sie in seinem Wohnzimmer, dem "The Cat's Back" im südwestlichen Londoner Stadtteil Putney, aufspielten, hielt er ihnen einen Vertrag unter die Nase. Mit „Coconut“ legt der flotte Dreier nun sein drittes Album vor.



Atemlose Verdichtung

Bevor Archie Bronson Outfit loslegen wird erstmal eine Armada an Fußpedalen, Effektgeräten und sonstigem technischem Schnick-Schnack angekarrt. Und dann nach dem „gib-ihm-Saures-Prinzip“ losmusiziert.

„Wir sind ein klassisch jammende Band“, lässt Mark „Arp“ Cleveland einen Blick in den Proberaum zu, „jeder von uns trägt dabei seine musikalischen Ideen vor, der nächste greift sie auf, verändert sie und gibt wieder zurück und so geht es dann weiter, bis sich der Geist eines Liedes abzeichnet. Den statten wir dann mit ein aller notwendigen rohen Kraft aus.“

Sam „The Cardinal“ Windetts Gesang klingt dabei oft so unterirdisch, als käme er aus der Tiefe eines frisch zugeschütteten Grabes und würde von einem Orchester aus der Unterwelt begleitet. Archie Bronson Outfit tragen so eine ordentlich krachende Sammlung von elf atemlos verdichteten Rock-songs zusammen. Da ist genauso Kirmesmusik mit drin, wie es den Blick in die dunkle Welt von an Black Sabbath gibt. Wolken von tanzbarem Discobeat ziehen genauso vorbei, wie psychedelische Klänge zu einem Scheiterhaufen aufgeschichtet werden, um dann auf diesem verbannt zu werden. Folk wird auf einen wilden Trip geschickt und Country-Anleihen jagen biedere Chöre und vereinen sich zu einem riesengroßen Happening. Was auf den ersten Blick wie beliebig zusammengewürfelt klingt, folgt einer inneren Logik. Eine, die man selber vorher nicht kannte, die aber so zwingend ist, dass man sie einfach ohne Gegenrede akzeptiert. Sie ist spürbar da.



Brutalität versus Pop

Der Lärm, den Archie Bronson Outfit verursachen ist zu keiner Zeit wütend oder bösartig. „Wie wir mit unserer Klängen umgehen ist eher forschend“, erklärt Mark „Arp“ Cleveland, „wir machen nicht einfach Krach aus Frust, wir finden ihn, weil er sich atmosphärisch aufzwingt. Und das Album ‚Coconut’ zeigt, dass auch im Lärm der Pop wohnt. Die Kokosnuss ist dabei eine wunderbare Metapher. Sie ist außen hart und es bedarf einer gewissen Brutalität, sie zu öffnen. Aber dann ist sie süß, flüssig und becircend wohlschmeckend.“

Trotzdem, ist der letzte Ton der Platte erst einmal verklungen, erinnert man sich sofort an einen Spruch, der ein wenig abgewandelt treffender nicht sein könnte, ach ist das schön, wenn der Krach nachlässt. Aber toll war es doch. Überaus toll. Und so abgrundtief hypnotisch, dass der Zeigefinger willenlos in Richtung Wiederholtaste strebt.

Aktuelles Album: Coconut (Domino/Indigo)
© 01. April 2010  WESTZEIT ||| Text: Franz X.A. Zipperer
April 2010

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