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EL BOSSO MEETS THE SKADIOLAS - Und immer noch Ska

Ladies and Gentlemen, El Bosso has left the building - with the Ping Pongs and comes back with the Skadiolas! Als die britische Band Madness 1979 ihr sagenumwobenes Album ‘One Step Beyond’ rausbrachte, trat sie eine Ska-Welle los, die selbst die internationalen Charts heimsuchen sollte. Vorreiter dieses ganzen Booms waren jedoch die 1977 gegründeten Specials, die in El Bosso einen großen Bewunderer fanden.
Der gründete vom grassierenden 2-Tone Fieber inspiriert, 1985 mit El Bosso & die Ping Pongs die erste deutsche Skaband. El Bosso selbst winkt zwar, auf den Pionierstatus seiner Band zu sprechen kommend, bescheiden ab, aber zahllose Quellen können doch wohl nicht irren, oder? Der Hype um Bosso und Co. ging soweit, dass schließlich sogar die Bravo nicht mehr an der Combo vorbeikam und sich um ein Feature riss. Mit dem Song 'Immer nur Ska' schufen sie eine Hymne, deren Popularität bis heute ungebrochen ist und eine Erklärung für die Entscheidung deutsche Lyrics zu bevorzugen, liegt auf der Hand.

"Zu der Zeit als wir die Band gründeten, war die Neue Deutsche Welle allgegenwärtig. Ich meine die guten Bands, wie Fehlfarben, Ideal, Extrabreit und noch einige andere. Deren Musik hat uns darin bestärkt auch deutsche Texte zu machen. Mal ganz davon abgesehen, dass wir uns auf Englisch auch gar nicht gewandt hätten ausdrücken können. Das wäre einfach nur peinlich gewesen. Jetzt machen wir in den Augen mancher vielleicht auch peinliche Sachen, aber wenigstens stimmt die Grammatik."

Bei deutschen Lyrics blieb es auch bei El Bossos neuem Projekt, “El Bosso meets the Skadiolas”! Was als sporadische Zusammenarbeit mit den Münsteraner Punkrockern Radiolas begann, mauserte sich zu einer neuen Band. Eigentlich hatten die Radiolas nämlich nur angefragt, ob der gebürtig aus Münster stammende El Bosso interessiert sei, den Song 'Im schönen Münsterland' gemeinsam einzuspielen. Die Chemie stimmte und als Radiolas-Sänger Tim dann noch weitere Songs aus dem Nähkästchen hervorzauberte, waren die Skadiolas geboren.

Die zelebrieren allerfeinsten Ska, mit einer fetten Prise Punkrock, Psychobilly-Besetzung am Kontrabass und El Bossos legendären alten Weggefährten Dr. Ring Ding an der Posaune, zumindest bei den meisten Songs des Albums. Ska-Liebhabern treibt es Tränen des Glücks in die Augen beim neuen Geniestreich des Altmeisters, die Resonanz ist durchweg positiv...

"Ich bin ganz überrascht, wie gut wir jetzt schon überall weg kommen. Es hätte schließlich auch durchaus sein können, dass die Leute insgeheim denken, dass ich nur irgendwelchen alten Kram wieder aufwärmen will, so nach dem Motto 'Der schon wieder!'. Aber bisher habe ich nur begeisterte Rückmeldungen bekommen und darum freue ich mich auch schon sehr auf die kommenden Shows, die wir anlässlich unseres Releases spielen werden. Leider werden es nicht so viele sein, weil ich beruflich sehr eingebunden bin und außerdem ja auch in ganz schönes Stück vom Rest der Band entfernt in Weimar wohne. Umso mehr halte ich Sunny Bastards zugute, dass sie uns unter den Voraussetzungen produziert haben. Es ist natürlich schade für all die, in deren Nähe wir nicht auftreten können, aber das ließ sich eben wirklich nicht einrichten."

Runde fünfundzwanzig beeindruckende Jahre widmet El Bosso sich nun schon mit sagenhaften Erfolg seiner Musik und hat bis dato nichts von seinem Elan und Enthusiasmus verloren - Vielleicht weil er, als es drauf ankam, die Weichen für seine Zukunft zu stellen, sich gegen einen unsicheren Weg als Musiker entschied.

"Ich bin damals nach Leipzig gegangen, um Schauspielerei zu studieren und habe nun ein Engagement am Theater. Musiker zu werden erschien mir als zu unsicher. Vielleicht, weil ich immer nur Sänger war, kein Instrument spielen und auch keine Noten lesen kann... Mit den Noten ist vielleicht nicht so wichtig, schließlich können viele der berühmtesten Musiker und auch die meisten der alten Rock'n'Roll Größen keine Noten lesen, aber mir erschien diese Konstellation kein gutes Fundament für eine Karriere zu sein. Natürlich habe ich mal versucht, Gitarre spielen zu lernen, aber auch eher halbherzig und ohne nennenswerten Erfolg. Schauspielerei ist genau das Richtige, um meine Liebe zum Gesang weiter auszuleben, schließlich muss man als Schauspieler des Öfteren singen, aber ansonsten bin ich froh, dass ich ohne Druck Musik machen kann und es mir deshalb immer noch soviel Spaß macht."

Mein Herz schlug höher, als ich auf der Scheibe eine Coverversion von "Runaround Sue" entdeckte.

Aktuelles Album: Helden der Nacht (Sunny Bastards / Broken Silence)
© 01. April 2010  WESTZEIT ||| Text: Micky Repkow
April 2010

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