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DE STAAT - Wohldosiert und weltoffen

In unserem kleinen Nachbarland Holland hat sich De Staat 2009 zur gefragtesten Band des Jahres gemausert. Nach diversen Clubshows waren umjubelte Festivalshows auf dem Pinkpop und Lowlands die Folge, der Rummel nahm kein Ende. Ausgangspunkt des Ganzen: Das Album „Wait For Evolution“ – just zum Album des Jahres in NL gekürt. Nun steht die internationale Veröffentlichung an und der Rest der Welt darf zuhören. Zeit für ein Gespräch mit Mastermind Torre Florim.

Ich treffe Torre in einem abseits gelegenen Bauernhaus nahe der Waal bei Nijmegen. Hier richtet er gerade mit den Seinen ein Studio für die Aufnahmen zur nächsten Platte ein. Denn auch, wenn der nächste Schritt das Beackern des Auslands ist, will bis Ende 2010 der zweite Streich im Kasten sein, damit die Homebase nicht zu lange auf neuen Stoff warten muss. Aber zurück auf Null: Wie fing das eigentlich mit De Staat an? Torre, 24, berichtet gutgelaunt über seine kleine erfolgreiche Solo-Odyssee. Denn das Album hat er bis auf ein paar Gastbeiträge im Alleingang aufgenommen:

„Ich spiele schon ein Weile in Bands und wollte ausprobieren, wie ich alleine zurecht komme. Nun wollte ich aber nicht einfach nur Songs machen und aufnehmen – ich war auf der Suche nach einem Sound, ich wollte meiner Musik ein Gesicht geben. Da ich alle Freiheiten hatte, hat es eine Menge Spaß gemacht! Auch, wenn meine Möglichkeiten begrenzt waren: Ich hatte einen Laptop und zwei Mikros, die mich 100 Euro gekostet haben – es war schon klar, dass dies keine Hollywood-Produktion werden würde.“

Torre lacht. Aber genau dieser spezielle Sound macht den Charme von „Wait For Evolution“ aus – die Scheibe klingt anders, neuartig und einfach echt.

„Dabei habe ich Sie für eine Rock-platte total unüblich aufgenommen: Wie ein HipHop-Produzent habe ich die Teile auseinandergeschnitten und wieder zusammengefügt, Loops gebaut, Teile übereinandergeschichtet. Außerdem versuche ich Dinge zu verbinden, die so noch nie zusammen waren. Alte Blues-Sounds auf moderne Weise aufzunehmen hat schon Auswirkungen auf den Klang. Der Kontrast macht den Reiz aus!“

Herausgekommen ist ein Album, das trotz aller Limitierungen höchst lebendig klingt. Vor allem das Schlagzeug klingt wahnsinnig vielschichtig und hat einen irren Groove. „Und das, obwohl ich hier zu einem Großteil Samples benutzt habe! In meiner damaligen Wohnung hatte ich einfach nicht die Möglichkeit, ein komplettes Drumset aufzunehmen, also musste ich mir anders helfen. Ich habe einfach so viele Samples übereinander gepackt, bis es für mich gut klang. Der Schlüssel war aber der human touch: ein wenig live eingespielte Percussion hat dieser Kombination Leben eingehaucht.“

Auch anders: der Ausgangspunkt eines jeden Songs.

„Ich beginne immer mit einem Konzept. Beim Titeltrack des Albums wollte ich beispielsweise eine Art Beach Boys-Harmonie mit Desert Rock Gitarren vereinen. „Kill the man“ fing mit diesem Afro-Beat an, dann hatte ich diese Tonleiter im Kopf und später entwickelte sich der spezielle Gitarrensound, der den Song jetzt prägt.“

Eben diese wohldosierte Mischung aller Elemente scheint das Erfolgsgeheimnis zu sein. Dazu gehören dann auch Mitstreiter, die ihr Ego nicht durchdrücken wollen, oder?

„Die Songs waren alle fertig arrangiert und alle fanden sie gut, also gab es hier keine Probleme. Für die Live-Umsetzung haben sich allerdings einige Dinge geändert – und sind dadurch auch besser geworden. Ich bin kein Diktator!“

Nun also der Neuanfang: Es geht live wieder los. Mit kleinen Clubshows, wie letztes Jahr in Holland oder Belgien.

„Das wird spaßig: Wir betreten neues Terrain, treffen auf neues Publikum, gewinnen viele neue Eindrücke – wir freuen uns drauf und lassen uns überraschen.“

Anfang Mai ist ein Kurztrip in Deutschland angesagt, die ersten Festivalshows sind gebucht. Und wer weiß, vielleicht ist dieser Geheimtipp aus dem Westen ja schon bald der Top-Act der Saison. Sagt nicht, ihr hättet nichts gewusst!

Aktuelles Album: Wait For Evolution (Mascot) VÖ: 19.04.
© 01. April 2010  WESTZEIT ||| Text: Axel Nothen ||| Foto: Sander Jurkiewicz
April 2010

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